Waldrundgang mit Rekordbeteiligung

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Vor herbstlicher Kulisse informierte Förster Peter Sturm gut 120 Teilnehmer des städtischen Waldrundgangs über die heimische Forst- wirtschaft.

Dieburg ‐ Neue Maßstäbe wurden beim Waldrundgang der Stadt Dieburg am Samstag gesetzt, denn Bürgermeister Dr. Werner Thomas konnte über 120 Teilnehmer zum Start am Spießfeld begrüßen, was einen absoluten Rekord darstellt. Von Matthias Grimm

Revierförster Peter Sturm erläuterte den Bürgern so manches über die heimische Forstwirtschaft: Waldsterben, nachhaltige Forstwirtschaft und Keltengräber im Stadtwald sind nur einige der Bereiche, mit denen Sturm seine Zuhörer nicht nur informierte, sondern vor der Kulisse des farbenprächtigen Herbstwaldes auch bestens unterhielt.

Der Kahlschlag ist nicht mehr zeitgemäß

Der Rundgang war so angelegt, dass die Teilnehmer einen Einblick erhielten, wie langfristig die Forstwirtschaft angelegt ist. An fünf Stationen machten sie sich ein Bild von 140-, 46- und 30-jährigen Eichen-/Buchenbeständen. Buchen sind etwa nach 140, Eichen erst nach 200 Jahren erntereif. Nicht mehr zeitgemäß ist dabei der Kahlschlag: Alle zehn Jahre entnehmen die Forstleute 50 Raummeter Holz aus einem Bestand, 75 Raummeter sind derweil jedoch wieder nachgewachsen. Hat sich allerdings der unter Naturschutz stehende Specht eingenistet, ist der Baum für die Motorsäge tabu.

Pflanzungen von Bäumen sind heute eher selten. Die Forstwirtschaft setzt hauptsächlich auf die Naturverjüngung, da diese kostengünstiger ist und aufgrund des dichten Bewuchses feinastigere Bäume wachsen. Werden Bestände durchforstet, um die so genannten „Zukunftsbäume“ von ihren „Bedrängern“ zu befreien, wird das anfallende Holz zu Brennholz verarbeitet. Bedränger sind Bäume, die den Zukunftsbäumen im jungen Bestand das Licht streitig machen.

Rund 200 Bürger wollen Brennholz-Lesescheine

Für die Brennholz-Lesescheine bewerben sich mittlerweile jährlich rund 200 Bürger. Sie „machen“ 2 000 Raummeter Holz, und das bei insgesamt 3 500 geschlagenen Raummetern im Stadtwald. Von den 100 000 Euro Umsatz aus dem Holzverkauf stammen 40 000 Euro von den Brennholz-„Selbstwerbern“.

Besorgt wegen des Klimawandels zeigte sich Forstamtsdirektor Helmut Seitel. Es habe immer Kälte- und Wärmeperioden gegeben. Doch lagen früher die Schwankungen innerhalb eines halben Jahrtausends bei 0,5 Grad. Heute rechnen die Wissenschaftler binnen eines Jahrhunderts mit einer Erwärmung von 2,5 bis 3,5 Grad. „Das macht die Dramatik deutlich“. Trotzdem: Vor 200 Jahren war der Odenwald zu einem Drittel bewaldet, heute zu 70 Prozent. Im Rhein-Main-Gebiet, ja in ganz Deutschland sei die Waldflächenbilanz positiv, was Seitel auf ein „gutes Waldgesetz“ zurückführt.

Generationen von Förstern machen den Wald zu einem langfristigen Gemeinschaftswerk. Nach dem ehemaligen Dieburger Revierförsters Heinz Böhle wurde im Anschluss an den Waldrundgang am Jakobsborn eine Douglasie benannt. Die Bewirtung und Organisation des Rahmenprogramms hatte der Odenwaldklub übernommen (ausführlicher Bericht folgt).

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