Wandern ist des Lesers Lust

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An blühenden Buschwindröschen vorbei führte der Weg durch den Wald hinter dem Campus-Gelände. Der Aprilanfang bescherte den Wanderern am Samstag mit rund 25 Grad und wolkenlosem Himmel einen richtigen Sommertag.

Dieburg ‐  „Das Wandern ist des Lesers Lust“ - so könnte man ein bekanntes Volkslied seit Samstag abändern: Mit dem Andrang von rund 250 Teilnehmer hatten die Veranstalter von Dieburger Anzeiger, OWK und Heimatverein bei der Leserwanderung nicht gerechnet. Von Lisa Hager

Bei strahlendem Sonnenschein strömten pünktlich um 10 Uhr so viele Gäste zur Begrüßung durch Bürgermeister Dr. Werner Thomas vorm Rathaus zusammen, dass OWK-Vorsitzender Franz Zoth schnell noch einmal die Anzahl der eingekauften Bratwürste überschlug. Eins zur Beruhigung vorweg: Die leckere Grillware, die mittags im Forst an der Heinrich-Herrmann-Ruhe serviert wurde, reichte für alle - auch wenn sich eine lange Schlange vorm quirligen Kochteam des OWK gebildet hatte.

Abmarschbereit: Punkt zehn Uhr versammelte sich die Wanderer-Gruppe vor dem Rathaus, wo sie von Bürgermeister Dr. Werner Thomas begrüßt wurde.

Aber zuvor stand den Wanderern eine Einkehr in zwei Kirchen der Stadt bevor: Pfarrer Alexander Vogl führte den Trupp bis zur Wallfahrtskirche, wo Heimatforscher Hans Dörr mit - für die meisten - noch nie Gehörtem und Gesehenem - aufwartete. Ein Dieburger Handwerker hatte 1941 für das Gnadenbild des Hauptaltars einen splittersicheren Schutzbunker in der Sakristei gebaut. Das war die Reaktion der Dieburger auf die Drohung, die wertvolle Figur müsse aus Sicherheitsgründen in Darmstadt untergebracht werden. Nach den Kriegswirren kehrte die Pietà, die übrigens einen Lederkern hat, auf ihren angestammten Platz am Hauptaltar zurück. „Allerdings steht die Rechnung von 217 Reichsmark für den Bau des Bunkers heute noch offen“, berichtete Dörr schmunzelnd. So gehe man davon aus, dass der Schutz für Maria eine Spende gewesen sei.

Musikalische Erfrischung vom Streichquartett

Eine Ecke weiter wartete Pfarrer Dieter Schmidt in der evangelischen Kirche auf die Wanderschar. Das Streichquartett der Gemeinde bot den Gästen ein erste musikalische Erfrischung. Auf dem Rückweg vom zünftigen Imbiss im Wald wartete Inge Zahn vom Heimatverein am Wegesrand und bot den Gästen tiefe Einblicke in die Grenzstreitigkeiten zwischen Dieburg und Groß-Zimmern zu Zeiten des Dreißigjährigen Krieges.

Fotostrecke der Wandergemeinschaft

Leser wandern mit dem Dieburger Anzeiger

Dann ging es zurück über den sonnendurchfluteten Campus. Ein Mitfünziger, der früher hier zu „IngAk“-Zeiten studiert hatte, warf einen wehmütigen Blick auf das „Haus 8“, das genauso wie die beiden anderen kleineren Wohntürme lange schon leer steht. „Was haben wir hier für Unsinn getrieben…“, erinnerte er sich wehmütig.

Erich Mertesacker vom Campus und sein Kollege Dieter Schneider von der Bauleitung der Hochschule Darmstadt, hatten dann ihre Mühe, die große Gruppe in „bunkertaugliche“ Einheiten zu bündeln.

Abstieg in die Unterwelt

Schließlich wartete hier eine weitere Überraschung: der Abstieg in die Unterwelt. Für alle war es der erste Blick in den Keller des Verwaltungsgebäudes der ehemaligen Postakademie. Sie ist 1965 zu Zeiten des Kalten Krieges erbaut worden. Und damals war der Einbau von Schutzbunkern Vorschrift.

Beim Anblick der prosaischen Trockentoiletten und schlichten Stockbetten in den düsteren Räumen überkam so manchen Besucher eine leichte Gänsehaut. Der Kontrast zum gleißenden Sonnenschein im Freien hätte nicht krasser sein können. Eine Frage blieb allerdings offen: Wer im Falle eines Angriffs hier Unterschlupf hätten finden können. Die insgesamt nur 65 Plätze hätten mit Sicherheit die vielen Studenten nicht aufnehmen können…

Die Stimmung aufgelockert hatten vorm abschließenden Bunkerbesuch Bianka Kolb mit dem Akkordeon und Philipp Hiemenz, der die Ortskunde der Zuhörer mit einem gereimten Rätsel auf die Probe stellte. Und da die DA-Wanderung auf so große Resonanz stieß, steht einer Neuauflage 2012 nichts im Wege.

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