„Was soll isch dann in Amerika?“

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Vater trinkt, Mutter drängt es nach Amerika. Die Darsteller der „Auswanderer-Szene“ feilen bei der Generalprobe an den Feinheiten.

Dieburg (ves) ‐ „Was soll isch dann in Amerika? Die verstäihn misch jo gor nit.“ Vater Jakob ist verzweifelt, ebenso wie die Tochter. „Mama, wo leit dann eichentlich Amerika? Gibt’s dort aach Leit aus Zimmern?“ „Bestimmt“, ist sich Mutter sicher, „die gibt’s schließlich übberol“.

Auswandern ist die letzte Chance, die sich der fünfköpfigen Familie noch bietet. Man ist so arm, dass sich sogar die Mäuse im Brotkasten Blutblasen laufen. Dieses Los einer Dieburger Familie, das der Heimatverein in einer Szene bei den Nachtwächterrundgängen darstellt, spiegelt die Situation im Jahre 1846 wieder.

Missernten, Arbeitslosigkeit und Armut waren damals die Beweggründe, Anträge zur Ausreise zu stellen, was 148 Familien beim Dieburger Gemeinderat taten.

Die Jüngsten mussten erstmal Dialekt lernen

Mit viel Hingabe proben die Darsteller seit sechs Wochen diese Szene. „Unsere Jüngsten mussten erst mal Dialekt lernen“, erzählt Heimatvereins-Vorsitzende Maria Bauer lächelnd. Die Idee stammt von der Vorsitzenden des Vereins, der Text ist eine Gemeinschaftsproduktion. Mit Requisiten aus dem Bestand des Vereins sowie Leihgaben Dieburger Bürger werden die Besucher nach „anno dazumal“ versetzt.

Die nächsten Nachtwächterrundgänge, in deren Verlauf die Teilnehmer nicht nur die Auswanderer-Familie, sondern auch eine zweite historische Szene in der Apotheke zu sehen bekommen, sind jeweils freitags, 3., 10. und 17. Dezember, Beginn ist um 18 sowie um 18.30 Uhr.

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