Stadt spendiert Gegenwert von 430.000 Euro

Wassersportverein kann bauen

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Etwa 40 Personen haben am Donnerstagabend vor der Versammlung am Rathaus für die Unterstützung der Stadt bei den Hallenbad-Plänen des WSV demonstriert. Genau das Gewünschte sollte etwas später eintreten.

Dieburg - Das Vorhaben des Wassersportvereins Dieburg, ein neues Hallenbad in der südwestlichen Ecke des Freibadgeländes zu bauen, hat in der Stadtverordneten- versammlung am Donnerstag eine entscheidende Hürde genommen. Von Jens Dörr 

Der Wassersportverein Dieburg kann sein geplantes Trainingsbad bauen: Nach Vorlage von Kostenkalkulation und Risikoanalyse und eingehender Debatte am Dienstagabend im Schwimmbadausschuss (wir berichteten) votierten die Parlamentarier aller fünf Fraktionen im Stadtparlament am Donnerstagabend für ein ganzes Paket an Unterstützung des Projekts durch die Stadt.

Am wichtigsten: Dieburg spendiert dem WSV 2000 Quadratmeter städtisches Gelände zum Nulltarif. Dies soll laut Beschluss von CDU, Grünen, SPD, FDP und UWD über einen Erbpachtvertrag mit 40 Jahren Laufzeit geschehen. Der jährliche Pachtzins beträgt symbolisch einen Euro. Die Stadtverordneten verankerten allerdings ein Rücktrittsrecht vom Vertrag für den Fall, dass Baugenehmigung und die Zusage des Landkreises Darmstadt-Dieburg für die Übernahme einer Bankbürgschaft in Höhe von drei Millionen Euro bis Ende 2019 nicht vorliegen. Dies soll nach dem Willen des WSV als Bauherr indes wesentlich schneller gehen. Ende 2019 schließt das derzeitige Hallenbad am Campus, im Spätsommer 2020 soll das neue Hallenbad im Winkel zwischen Freibad und städtischem Sportplatz möglichst schon in Betrieb gehen.

Darüber hinaus beschloss die Versammlung, dass die Stadt die Erschließungskosten trägt. Auch die Kosten für die Außenanlage „nach mittlerer Art und Güte“ wird die Stadt übernehmen. Außerdem darf der WSV kostenlos das Wasser fürs Hallenbad aus jenem Brunnen entnehmen, der auch das Freibad speist. Überdies darf der Verein die Stellplätze für die Hallenbad-Besucher auf dem Freibad-Parkplatz nachweisen. Die Unterstützung der Stadt hat nach derzeitigen Schätzungen einen Gegenwert in Höhe von rund 430 000 Euro. Der Wert der Grundstücksüberlassung beträgt dabei 200 000 Euro, jener der Erschließung rund 80 000 Euro und jener für die Gestaltung der Außenanlage rund 150 000 Euro.

Im Beschluss verankerten die Stadtverordneten (nach einem von der Verwaltung formulierten Vorschlag) jedoch auch Pflichten für den WSV. Er ist ausdrücklich für die rechtlich korrekte Auftragsvergabe (inklusive europaweiter Ausschreibung) und vor allem „für die Planung, die Genehmigung, den Bau und den Betrieb des Hallenbads verantwortlich“.

Von den veranschlagten Gesamtkosten in Höhe von 7.278.260 Euro plant der WSV, rund drei Millionen über Einsparungen (Übernahme von Technik aus dem derzeitigen Hallenbad), Vorsteuerabzug und Zuschüsse abzufangen. Löwenanteil soll ein Zwei-Millionen-Zuschuss des Landes werden. Hierbei mahnte besonders CDU-Fraktionsvorsitzender Renée Exner zur Vorsicht, weil die zwei Millionen zwar beantragt seien, vom Land bisher aber nur die Hälfte definitiv zugesichert sei. Der WSV rechnet für sein Bad mit Hauptbecken samt sechs 25-Meter-Bahnen plus höhenverstellbarem Lehrbecken aber mit den vollen zwei Millionen.

Rund 4,3 Millionen Euro müsste der WSV über einen zunächst für 20 Jahre mit der Sparkasse Dieburg geschlossenen Kreditvertrag finanzieren. Der jährliche Schuldendienst für Zins und Tilgung soll sich auf rund 250.000 Euro belaufen. Dies wäre mehr als die Hälfte der pro Jahr prognostizierten Gesamtkosten von rund 470.000 Euro. Auf der Gegenseite rechnet der WSV mit jährlichen Gesamteinnahmen in Höhe von rund 530.000 Euro – und hat Dieburgs Stadtverordnete mit seiner Kalkulation überzeugt.

Zufriedenheit herrschte am Donnerstagabend auch bei etwa 40 Personen, die vor der Versammlung am Rathaus-Brunnen für die Unterstützung der Stadt bei den Hallenbad-Plänen des WSV demonstriert hatten. Rund zwei Dutzend von ihnen wohnten anschließend auch der Sitzung bei, in der Vertreter aller Fraktionen dem Verein und speziell seinem Frontmann Klaus Schulte ihren Dank aussprachen.

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Ein wenig Raum in der Debatte der Stadtverordneten nahmen trotz des erfreulichen Themas des Abends dann doch noch verschiedene Auffassungen der Fraktionen ein, wer in Dieburgs Politik den größten Anteil daran habe, dass man hallenbadmäßig nach 2019 nicht auf dem Trockenen sitzt. CDU-Mann Exner sprach von Teamwork. Lob erhielt auch Bürgermeister Frank Haus (parteilos), der rasch nach Amtsantritt frischen Wind in die Sache gebracht habe. FDP-Fraktions-chef Wilhelm Reuscher betonte, dass es Dieburgs Liberale gewesen seien, die das Thema im Herbst 2017 wieder auf die Agenda gebracht hätten.

Eine Formulierung Reuschers war indes ziemlich unstrittig: „Vor einem Jahr herrschte beim Wassersportverein noch Frust, dass nichts passiert.“ Nun steht der Verein (und mit ihm das Schwimmen in Dieburg) vor einer betriebswirtschaftlich zwar anspruchsvollen, aber infrastrukturell verheißungsvollen Zukunft.

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