„Weder positiv noch negativ gestimmt“

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Ute Sperling, Generalbevollmächtigte der St. Rochus Stiftung: „Wir haben viel erreicht.“

Dieburg - Überraschend landete am späten Freitagnachmittag vergangener Woche eine knappe Meldung des Bistums Mainz im E-Mail-Postfach unserer Zeitung. Absender: Bischöfliches Ordinariat, die übergeordnete Instanz der St. Rochus Stiftung mit Krankenhaus und Altenheim in Dieburg. Von Jens Dörr

Kernaussage: Das Bistum, der Landkreis Darmstadt-Dieburg mit seinen Krankenhäusern in Groß-Umstadt und Jugenheim sowie das Städtische Klinikum Darmstadt haben Kooperationsgespräche aufgenommen. Um was es inhaltlich geht, blieb im Dunkeln. Bei einem Treffen mit unserer Zeitung nahmen die Rochus-Generalbevollmächtigte Ute Sperling und Bürgermeister Dr. Werner Thomas – allerdings in seiner Funktion als Kommissarischer Vorsitzender des Stiftungskuratoriums – am Montag Stellung. Sie ordneten die kurz- und mittelfristige Bedeutung des Gesprächbeginns für die Dieburger Klinik ein und unterfütterten den schwammigen Begriff „Kooperation“ mit schon jetzt praktizierten Beispielen – auch vor dem Hintergrund, dass das Rochus-Krankenhaus im Oktober 2012 eine Zusammenarbeit mit den Kreiskliniken im Bereich der Kardiologie (Herzpatienten) gekündigt und sich im Frühjahr 2013 in der ersten Rechtsinstanz durchgesetzt hatte. Außerdem stellten Sperling und Thomas heraus, dass sich das Dieburger Krankenhaus trotz aller Unruhen mit den Rücktritten von Stiftungsvorstand Armin Probst und Kuratoriumsvorsitzenden Raimund Lieb vor zwei Wochen auf einem guten Weg befinde.

Zunächst noch einmal die Personalien: Während Lieb erst seit dem heutigen Donnerstag wieder aus dem Urlaub zurück ist und zu seinem Rücktritt bislang keine Gründe bekannt wurden, nannte Probst „unter anderem weitere berufliche Belastungen“. Bei dieser Sprachregelung blieben auch das Bistum und Sperling. „Privat bin ich weiter mit ihm im Austausch“, so die Generalbevollmächtigte, was so viel wie Geschäftsführerin heißt, am Montag. Beruflich hätten sich die Wege jetzt getrennt. Einen Nachfolger soll es nicht geben. Die Satzung sehe ohnehin nur einen Rochus-Vorstand – bisher neben Probst und künftig alleine Dieburgs katholischer Pfarrer Alexander Vogl – vor. Einen zweiten Vorstand werde es nicht mehr geben. „Einen Teil der betriebswirtschaftlichen Aufgaben, die Armin Probst innehatte, kann ich verteilen“, erläuterte Sperling. Werner Thomas, bisher Stellvertreter Liebs, ist derweil wahrscheinlichster Kandidat für den ständigen Vorsitz im Kuratorium, das so viel wie ein Aufsichtsrat darstellt. „Mein Wunsch ist es, dass er künftig das ,kommissarisch’ vor dem ,Kuratoriumsvorsitzenden’ weglässt“, meinte Sperling mit einem Augenzwinkern.

Thomas deutete an, dass er wohl für den Vorsitz des achtköpfigen Kuratoriums zur Verfügung stehen werde, sofern ihn die anderen Vertreter wählten. „Mir ist aber wichtig zu sagen, dass ich nicht in meiner Funktion als Bürgermeister im Kuratorium bin. Es gibt keine Verknüpfung zwischen Stadt und Kuratorium.“ Was sei nun aber von den Kooperationsgesprächen zwischen Bistum, Kreis und Darmstädter Klinikum zu halten? Für das Dieburger Haus stellte Sperling klar: „Die Entscheidung über die Aufnahme der Gespräche ist von uns zu akzeptieren. Ich bin deshalb zunächst weder positiv gestimmt noch negativ. Es geht erst einmal um eine strategische Partnerschaft, deren Auswirkungen nicht in den nächsten ein, zwei Jahren zum Tragen kommt.“

Vielmehr gehe es darum, sich in der deutschen Krankenhaus-Landschaft für die Zukunft zu wappnen. Einer Landschaft, in der die Krankenkassen den Kliniken zu hohe Kosten ankreideten, sich die Altersstruktur der Bevölkerung verändere. Schon jetzt etwa über Zentralisierungen oder Fusionen zu sprechen, sei verfrüht. Für Dieburg und sich selbst könne Sperling derweil sagen, dass sie – sofern „fair, ausgewogen und für beide Seiten vorteilhaft“ – durchaus eine „Befürworterin von Kooperationen“ sei. Das gelte jedoch nicht für eine solche Fusion, wie sie von ihrem Vorgänger mit dem Kreis geschlossen worden sei. Die einseitige Kündigung des Vertrags durch das St. Rochus verhandelt im Revisionsverfahren derzeit das Oberlandesgericht Frankfurt. „Das braucht noch Zeit“, sagte die Geschäftsführerin am Montag. In den nächsten Wochen sei voraussichtlich noch mit keinem Urteil zu rechnen.

Konkrete Kooperationen, wie sie die Angestellten, die Patienten und auch die Belegärzte womöglich wesentlich mehr interessieren als diffuse strategische Pläne, lebt das 100-Betten-Haus unterdessen längst: In der Teleradiologie beraten sich Dieburger Ärzte in Fallkonferenzen mit Kollegen aus Offenbach; im Bereich IT teilt man sich den Datenschutz-Beauftragten mit einem anderen Haus; das Klinikum Aschaffenburg kooperiert mit Dieburg im Rahmen einer mehrjährigen Zusatzausbildung zum Intensivpfleger.

Mit Thomas verdeutlichte Sperling zudem, dass das defizitäre Dieburger Krankenhaus in der scheinbar schwierigen Gemengelage gute Fortschritte mache. Seit nun 19 Monaten ist Sperling im Amt. „Wir haben seitdem viel erreicht: Den Umsatz gesteigert, das Defizit gesenkt, gewinnen leichter Mitarbeiter und haben mehr Anfragen von Ärzten, die ans Haus kommen wollen.“ Das untermauere die höhere Zahl an Initiativbewerbungen. Auch die gestiegene Anerkennung durch Dritte – etwa Krankenkassen – lasse sich Schwarz auf Weiß belegen: So bescheinigt etwa die AOK die Qualität der in Dieburg eingesetzten Knie- und Hüftprothesen. „Und die Qualität bei Operation und Nachsorge“, ergänzt Thomas. Auch in puncto Hygiene stehe man überdurchschnittlich da.

Quelle: op-online.de

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