Dieburgerin bei Herbstausstellung im Palmengarten

Sue weiß, wo die Blumen sind

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Die Dieburger Künstlerin Sue Hénon ist zum dritten Mal mit ihren Werken bei der Ausstellung botanischer Malerei im Palmengarten in Frankfurt vertreten. Sie porträtiert ihre Modelle auch vor Ort. Sue Hénon am Zeichenbrett: Die Studie mit den Kastanien wird auch in der Ausstellung im Palmengarten zu sehen sein.  

Dieburg/Frankfurt - Sie freut sich auf die Zeit, denn dann stehen ihr eine Vielzahl von Modellen in allen Farben und Formen uneingeschränkt zur Verfügung: Bereits zum dritten Mal ist die Dieburger Malerin Sue Hénon nicht nur mit ihren Bildern bei der Herbstausstellung im Frankfurter Palmengarten zu Gast, sondern arbeitet auch vor Ort. Von Lisa Hager 

Hénon ist Mitglied der renommierten Society of Botanical Artists (SBA) in London, die jetzt zum dritten Mal Werke ihrer Maler und Zeichner im Palmengarten ausstellen. Es ist die einzige Ausstellung dieser Künstlervereinigung in Deutschland. Die botanische Malerei hat in England einen weit höheren Stellenwert als hierzulande. Dort ist sie eine eigene Kunstform. Eine Kunstform, die Hénon für sich selbst schon sehr weit entwickelt hat. Ihre teils großformatigen Ölbilder, beispielsweise von Tulpen oder Hyazinthen, scheinen ein Eigenleben zu führen und können eine ganze Wand dominieren. Ihre kleinformatigeren Aquarelle oder Zeichnungen mit Farbstift sind aufwändige botanische Studien, in denen sie den Charakter der Pflanze bis ins kleinste Detail erfasst. Dafür scheut sie keinen Aufwand: Um beispielsweise einen seltenen arktischen Mohn für eine Ausstellung in Spanien zu zeichnen, ist sie eigens in den Botanischen Garten nach München gereist, wo sie die Blume genau studieren konnte. „Ich muss die Pflanze vor mir sehen im Original“, sagt die Engländerin, die mit ihrem französischen Mann Sylvain seit 20 Jahren eine Kunst- und Malschule, das Atelier Hénon, in Dieburg betreibt. „Da die Welt der Flora sehr breit und offen ist, hat man viel Spielraum für Interpretationen von Formen und Farben“, sagt Hénon.

Dem Thema der Palmengarten-Ausstellung kann sie ebenfalls sehr viel abgewinnen. Als Expertin für Botanik weiß sie, dass Heilendes und Giftiges im Pflanzenreich nahe beieinander liegen. „Das ist nicht eindeutig voneinander zu unterscheiden. Es kommt ja immer auf die Dosis an“, sagt sie. Unter bestimmten Umständen kann eine über einen kurzen Zeitraum konsumierte geringe Dosis ausreichen, um Mensch und Tier krank zu machen oder sogar zu töten. In anderen Fällen führt eine hohe Dosis zum Tod. „Ein Paradebeispiel für diese Zusammenhänge ist der Rote Fingerhut, lateinisch Digitalis purpurea“, erklärt die Malerin ganz in ihrem Element. „Er wird in der richtigen Dosierung zur Behandlung von Herzleiden eingesetzt, bei falscher Dosierung ist er tödlich.“ Und was viele beispielsweise auch nicht wüssten: Die heute sehr in Mode gekommene Pflanze Aloe Vera, die für ihre heilenden Eigenschaften bei Verbrennungen, Wunden und anderen Hautproblemen bekannt ist, hat auch eine andere Seite: „Sie hat eine abführende Wirkung – nimmt man zu viel davon zu sich, kann das zu erheblichen Verdauungsproblemen führen.“

Keine negativen Nebenwirkungen auf die Betrachter werden die über 200 Kunstwerke von 76 internationalen Künstlern haben, die ab Donnerstag im Palmengarten zum Thema zu sehen sein werden. Die dargestellten Pflanzen stammen nicht nur aus Europa, sondern aus der ganzen Welt. Einige davon sind auch im Original im Palmengarten zu sehen.

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