Weiter Anlaufstelle für Herzpatienten

Der Streit des Rochus-Krankenhauses mit Groß-Umstadt beeinflusst die Arbeit von Kardiologe Philip Koniordos nicht / Bald 24-Stunden-Bereitschaft und weitere Herzspezialisten?

Dieburg - Angestellter, Selbstständiger, Belegarzt – Philip Koniordos hat gleich drei Funktionen auf einmal inne. Von Jens Dörr

Patienten dürfte es derweil weniger interessieren, dass sie es als ambulante „Gäste“ in der Steinstraße mit dem Praxis-Chef Koniordos zu tun haben, für den Fall eines stationären Aufenthalts im auch gebäudetechnisch mit der Praxis verbundenen St. Rochus Krankenhaus aber mit dem Belegarzt Koniordos. Für sie ist er vielmehr der Fachmann für ihr Herz – oder einfach der Ansprechpartner, dem man seine Sorgen schildert: Der 39-Jährige aus Michelstadt, Familienvater, mit deutschen und griechischen Wurzeln, leitet in der Fachabteilung Innere Medizin des Dieburger Krankenhauses die Kardiologie, das Fachgebiet für Herzkreislauf-Erkrankungen also.

Das galt seit der Praxiseröffnung Koniordos’ vor zwei Jahren - und das gilt auch für die Zukunft. „Es ist mir wichtig zu sagen: Auf ärztlicher Ebene gab es nie Probleme zwischen mir und den Kollegen aus Groß-Umstadt“, spielt der an der Uni Mainz, der dortigen Uniklinik sowie in Darmstadt aus- und fortgebildete Mediziner auf das derzeitige Zerwürfnis zwischen Rochus-Krankenhaus und Groß-Umstädter Kreisklinik an. Der Streit der beiden Häuser rund um den noch jungen Kooperationsvertrag, den Dieburg außerordentlich gekündigt hat und die Rechtmäßigkeit der Kündigung in Bälde von einem Gericht bestätigt bekommen könnte, berührte schließlich auch die Kardiologie. Öffentlich wurde auch schon die schlechte Auslastung des zwei Millionen Euro teuren Dieburger Herzkatheter-Labors, in dem nur 0,7 bis 1,2 Patienten behandelt werden – pro Woche. Eine normale Größe bei der Auslastung liege bei drei bis fünf Patienten –pro Tag. Das sagte die Rochus-Geschäftsführerin Ute Sperling am Freitag auch noch einmal gegenüber unserer Zeitung.

Koniordos also hebt hervor: Herzpatienten finden in Dieburg weiterhin ihre Anlaufstelle – was die ambulante Behandlung betreffe, sei seine Praxis eine von nur dreien im gesamten Landkreis. In Reinheim und Griesheim gebe es die beiden weiteren, zählt Koniordos auf. Wer ein Drücken in der Brust verspüre, unregelmäßige Herzschläge oder Atemnot – die häufigsten Symptome, mit denen in Patienten aufsuchten –, finde im Rochus-Krankenhaus nach wie vor und von der außerordentlichen Vertragskündigung unberührt fachärztliche Beratung.

„Die Patienten müssen keine Angst haben“, betont Koniordos. „Wir suchen für sie immer den bestmöglichen Weg. Wenn es notwendig ist, aber nur dann, schicken wir die Patienten auch nach Groß-Umstadt weiter.“ Umgekehrt laufe es ebenso: Wer in Groß-Umstadt stationär behandelt worden sei, komme später zur Nachsorge teils auch zu Koniordos nach Dieburg. In der ambulanten Kardiologie darf Groß-Umstadt derweil nicht mit den Gesetzlichen Krankenkassen abrechnen, ist also in der ambulanten Versorgung nur eine Option für Privatpatienten oder Selbstzahler.

Stationäre Plätze für Herzpatienten gibt es auch im Rochus-Krankenhaus. Wie viele Betten dafür vorgesehen seien, könne man nicht generell beziffern, so Ute Sperling. Die Aufenthaltsdauern seien sehr unterschiedlich, die Patienten lägen zudem teils auf der normalen Station, teils auf der Intensivstation. Eine 24-Stunden-Bereitschaft gibt es in Dieburg nicht – noch nicht. Erleidet ein Patient derzeit nachts zum Beispiel einen Herzinfarkt, rast er mit dem Rettungswagen nach Groß-Umstadt oder Darmstadt. Nach der Kündigung des Vertrags mit der Kreisklinik streckt Dieburg bereits seine Fühler nach zusätzlichen Kardiologen und weiterem Fachpersonal aus, um die 24-Stunden-Bereitschaft für Herzpatienten künftig zu ermöglichen. 4,75 Vollzeitkräfte seien dafür vonnöten, nicht alle Stellen müssten dabei allerdings aus Kardiologen bestehen, rechnet Sperling vor.

Vorerst arbeitet Koniordos noch ohne weitere Kardiologen weiter. Herzultraschall-Untersuchungen und Belastungs-EKGs führt er dennoch nicht alleine durch: Den Spezialisten unterstützen Assistenzärztin Maryna Dracka und die Arzthelferinnen Martina Stein, Andrea Jaensch und Sabine Enders.

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