Wellness des Mittelalters

Kunsthistorikerin und Kuratorin Kathrin Wegner-Walte (links) und die Vorsitzende des Heimatvereins, Anne Sattig, präsentieren einen mittelalterlichen Badezuber.Foto: Scholze

Dieburg - (ves)  „Dieburg besitzt eines der drei am besterhaltenen Badhäuser Deutschlands, die ich kenne“, sagte Kathrin Wegner-Walte anerkennend. „Ich wusste dass die Stadt ein Badhaus besitzt und hatte daher großes Interesse, den Vortrag hier zu halten. Das habe ich gleich mit einem Besuch vor Ort verbunden und bin beeindruckt“, so die Referentin.

Dem Heimatverein war es gelungen, die Kunsthistorikerin und Kuratorin, die 15 Jahre lang ein Bädermuseum bei Bad Bellingen leitete, für einen Diavortrag zu gewinnen.

Bei ihrem Vortrag in der Alfred-Delp-Schule erläuterte Wegner-Walte anhand sehenswerter Illustrationen die Bedeutung und die zahlreichen Funktionen der öffentlichen Badestuben. Diese waren zwischen dem 13. und 16. Jahrhundert nicht nur als Orte der Reinigung, der Gesundheitsvorsorge, der Körper- und Schönheitspflege bekannt, sondern wurden auch als Orte der Geselligkeit genutzt. Der Bader fungierte damals als Ersatzarzt, indem er Gelenke einrenkte, Schröpfköpfe oder Blutegel setzte und den Aderlass vornahm. Zudem nähte und versorgte er kleinere Wunden, und das alles meist in den kleinen engen Räumen des Badhauses neben Schwitzbänken und Heilzubern.

Bader, Barbiere, Badeknechte und Mägde waren nicht nur für Wasser- oder Kräuterbäder, für zahnmedizinische Anwendungen oder für Haar- und Bartpflege zuständig. Sie sorgten auch für das leibliche Wohl ihrer Gäste. In den Holzzubern des Badhauses, in dem an bestimmten Tagen beiderlei Geschlecht anzutreffen war, wurde gebadet, getrunken, gegessen, gesungen und geliebt. Durch unzureichende Hygiene und Sittenverfall breiteten sich an diesen Orten des Lasters und der Sünde Seuchen und ansteckende Krankheiten aus. Dies war einer der Gründe, die zur Schließung vieler Badestuben im 17. Jahrhundert führten.

„Im Inneren des Dieburger Badhauses ist kaum etwas verändert worden, sogar das alte Frischwasserbecken ist noch vorhanden“, berichtete Wegner-Walte. Es fehlen nur die Feldsteine, die man erhitzte, um sie dann in die Badebütten gleiten zu lassen, wenn das Wasser darin zu kalt wurde. „Damals schon gab man Kräuter und Rosenblätter ins Badewasser. Schon damals hatte die reichere Kundschaft des Baders Wellness-Genuss“, verglich sie die Zeiten.

Im „Jahrbuch 2008 – Erbe und Gegenwart V“ des Dieburger Heimatvereins kann man die Geschichte und Nutzung des Dieburger Badhauses nachlesen.

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