Nahende Schließung des Klosters und Abzug der Kapuziner fällt als kleiner Schatten über ein sonniges Fest

Wendelin mit Wermutstropfen

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Es geht wieder los: Mit dem Startschuss am Wochenende sind die Dieburger Inliner im Rahmen des Wendelinusfestes in die Saison gestartet. Wer Spaß am Rollerbladen hat, kann sich der Gruppe jeden Mittwochabend um 19 Uhr auf dem Marktplatz anschließen. Fotos (2): Just

Dieburg Wer weiß schon, dass Schwertlilien in der Literatur Kirchen symbolisieren, da ihre Blüten wie ein gotischer Dom spitz nach oben ragen? Oder dass das Maiglöckchen früher das Symbol der Ärzte war, weil seine Inhaltsstoffe herzstärkend sind? Renate Scheer weiß es, wie sie am Samstagnachmittag im Klostergarten bei ihrer literarischen Gartenführung bewies.Von Michael Just

Zu den dort vorkommenden Pflanzen hatte die Landschaftsplanerin aus Darmstadt eine Stunde lang interessante Informationen ergänzt durch Gedichte, Erzählungen oder Fabeln parat. .

Doch Literatur in und über die Natur war nur ein Programmpunkt des 34. Wendelinusfestes, das wie gewohnt der OWK ausrichtete. Des Weiteren zählte die Bigband der Einhardsschule aus Seligenstadt, der Auftritt der Dieburger Fanfaren sowie eine Bienenausstellung dazu. Regen wie beim Maimarkt blieb den Veranstaltern erspart, dafür zogen die Eisheiligen mit kühlem Westwind übers Fest, das man aber meist im Sonnenschein genießen konnte. Ergänzend zum Zeltbereich gab es eine Neuerung: das Klostergarten-Café. Das Angebot präsentierte sich abseits des Minnefelds als Ruheoase.

Als kleiner Schatten auf den beiden Festtagen wirkte sich die Gewissheit aus, dass das Kloster vor der Schließung steht und die Mönche im November abziehen. „Wir sind irritiert“, formulierte OWK-Vorsitzender Franz Zoth vorsichtig auf die Nachfrage, wie groß denn der Schmerz bei den OWK-Mitgliedern sei, dass man bald einen geliebten Bezugspunkt der Vereinsarbeit verliert. An dem Jahresprogramm, das der OWK bis November mit mindestens einer Veranstaltung pro Monat im oder über den Klostergarten vorgelegt hat, soll trotzdem festgehalten werden (wir berichteten).

In das Fest-Programm fiel auch der Startschuss für die Saison der Inline-Skater. Ab sofort trifft sich „Skate & Fun“ wieder jeden Mittwochabend um 19 Uhr auf dem Marktplatz, um durch das Umland zu gleiten. Zum Auftakt standen zwei noch gemächliche Runden durch Dieburgs Straßen an. In diesem Jahr hofft die Gruppe auf besseres Wetter: „30 Prozent unserer Touren sind 2011 ausgefallen“, berichtet Dietmar Röttger vom Verein. In diesem Jahr könnte die EM einige Skater ablenken. „Zum Glück ist sie schon im Juni. Hintendran kommen noch ein paar Monate“, sieht es Röttger optimistisch. An den mittelschweren Runden durch die Nachbargemeinden nehmen zwischen 30 und 70 Inliner teil.

Das Gros der Besucher fand wie gewohnt am Sonntag den Weg zum Fest. Vor allem nach den Gottesdiensten füllte sich die Festzelt-Garnituren und das Küchenpersonal hatte reichlich zu tun. Das machte Zoth aber keine Sorgen, da Personalmangel beim OWK noch ein Fremdwort ist: „Wir brauchen viele Leute die anpacken. Und die haben wir!“ Unter die Gäste mischten sich natürlich auch die Mönche. „Ich würde mich freuen, wenn der Klostergarten weiterhin zugänglich bliebe“, sagte Bruder Berthold in die Zukunft blickend und wandte sich an alle, die in den letzten Monaten das Anlegen des Gartens nach dem Sonnengesang von Franz von Assisi mit großem Interesse verfolgten. Immer wieder schien es, dass die Mönche ihre Aufteilung im Spätherbst auf andere Kapuzinerklöster in Deutschland besser verkraften als Teile der Dieburger Bevölkerung. Regelmäßig geben sie weiter, dass sie mit der Auflösung des Klosters nicht aus der Welt sind. Bruder Berthold – aktueller und letzter Guardian – versprach, öfters nach Dieburg zu kommen. Ohnehin hätte er keine andere Wahl: „Ich habe schließlich mein Herz hier verloren“, sagte er schmunzelnd.

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