Dieburger Fastnachtsumzug lockte bei blauem Himmel rund 40 000 Zuschauer in die Innenstadt

Wenn die Ananas fröhlich winkt

Ihre „Anna-Nass“ machten die Krotzequetscher. Bei herrlichstem Sonnenschein ging der Umzug über die Bühne. Fotos (3): Patrick Liste

Dieburg - „Was, wir sind schon bei Zugnummer 18?“ Entsetzt schaut die ältere Dame, die eben erst zur Narrenschar dazugestoßen ist, auf die Uhr. „Aber es ist doch erst kurz nach zwei. Laufen die nicht erst um 14. 11 Uhr los?“ Nein, tun sie nicht. Von Jenny Bieniek

Zwar auch diesmal nicht ganz pünktlich, aber immerhin früher als in den vergangenen Jahren, setzte sich der närrische Lindwurm bei blauem Himmel in Bewegung. Und die 111 Zugnummern boten auch in diesem Jahr wieder einen herrlich-bunten Anblick mit zahlreichen Wow-Effekten. Die Schlabbedabber überzeugten als Außerirdische mit Raumschiff und dem regen Gebrauch des irdisch-dibboijer‘schen Äla-Rufes, die Spitzklicker warfen ihre Euro-Münzen mit vollen Händen dem „Dibboijer Reddungsschermsche“ entgegen, die Welljerhelzer gingen im Kollektiv auf Gänsejagd.

Die Fußgruppe „08/15 - Der rosarote Waschsalon“ war indes bereits kurz nach Beginn der Parade vollends am „Durchdrehen“ und überraschte die Spalier stehenden Narren mit ihren raumeinnehmenden Kostümierungen: Waschmaschinen und Wäschespinnen bahnten sich da ihren Weg und dürften mit ihren „Klementine“-Mützen zumindest bei den älteren Zuschauern Erinnerungen an eine Kult gewordene Waschmittel-Werbefigur geweckt haben.

„Was für Kostüme!“, entfährt es einem Matrosen. Die aufwendige Maskerade sieht er jedoch nicht unkritisch: „Das Ganze kostet doch ein Schweinegeld. Und wann ziehst du den Kram dann nochmal an? Richtig – gar nicht.“ Die Dame neben ihm sieht das dagegen ganz anders: „Diese enorme Kostümvielfalt hier in Dieburg ist jedes Mal wieder toll“, findet die Besucherin. „Da steckt so viel Arbeit und Liebe drin! Und die Gruppen hier haben auch immer so außergewöhnliche Ideen!“ Clowns und Piraten sehe man überall. Windräder, Mistkäfer und Eulen seien dagegen schon ziemlich originell.

Originell waren auch die Verkleidungen der Pitschedibbler, die in Form von eingetüteter „Tomadesupp“ bewiesen, dass viele Köche keineswegs den Brei, pardon –die Supp’ verderben. Ihr Iglu durch – ausnahmsweise mal nicht frostige – Temperaturen schleusen mussten die als Eskimos verkleideten Suffies und die Deppchen kaschierten die obligatorischen Fastnachts-Augenringe geschickt mit lilafarbenen Veilchen.

Statt mit Einkaufstüten behangen waren die Rollatoren des KC-Promill mit reichlich Promillehaltigem beladen und die Zwitscherschwalwe gaben dem „Dibboijer Gesocks“ ein völlig neues Erscheinungsbild. Die Schnooke-Utzer hatten praktischerweise ihre Betten gleich umgeschnallt.

„Was soll denn das sein? Ein Oktopus?“, wundert sich ein Sträfling beim Anblick der achtarmigen blauen Gestalten der Quärtreiwer. „Ich hab keine Ahnung“, entgegnet die Dame zu seiner Rechten, „aber sowas hätte ich daheim auch gerne.“

Denn die „Heinzelmänner“ hantierten dank zahlreicher Arme mit Putzmittel, Kehrschaufel, Lappen und Staubtuch gleichzeitig. Besonders viel Lob ernteten auch die Salmehannes-Biewerwammes, die in aufwändigen Federkostümen Eulen mimten. Für die musikalische Untermalung sorgten die zahlreichen Spielmannszüge, die der Schar mit modernen und auch altbewährten Melodien ordentlich einheizten.

Bunter Bilderbogen Seite 2

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