Wenn Krippen Geschichten erzählen…

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Letzte Vorbereitungen für die Eröffnung der Krippenausstellung: Bruder Berthold an der Erzählkrippe, deren gesichtslose Figuren er selbst erstellt hat. Als die Krippe vor gut 15 Jahren schon einmal in Dieburg zu sehen war, reagierten einige Betrachter mit Verwunderung auf die ungewöhnliche Darstellung.

Dieburg ‐ Eine Krippenausstellung zu Weihnachten ist nichts Ungewöhnliches, erst recht nicht in einem Kapuzinerkloster. Ohnehin gehört es zu den ureigensten Aufgaben einer christlichen Institution, einen Gegenpol zum Weihnachts-Kommerz zu bieten und den Menschen behilflich dabei zu sein, das Unwesentliche auszublenden. Von Barbara Hoven

Bei einem Orden, dessen Ordensvater Franziskus als der Begründer der Weihnachtskrippe gilt, scheint die Sammlung unterschiedlichster Darstellungen von Christi Geburt fast schon eine Selbstverständlichkeit – spätestens, seit mit Bruder Berthold in diesem Jahr ein Mönch die Klosterleitung übernommen hat, der sich seit Jahren mit dem Thema beschäftigt. In der ehemaligen Klosterbibliothek - einem großen und freundlichen Raum, der künftig den Namen „Oase“ tragen und als Veranstaltungs- und Begegnungsraum Schnittstelle mit den Menschen außerhalb der Mauern sein soll – hat Bruder Berthold darum in den Tagen vor Heiligabend die letzten Handgriffe für die erste Krippenausstellung erledigt. Eröffnet wird sie am zweiten Weihnachtstag.

Impressionen von der Ausstellung

Krippenausstellung im Kloster

Im Kontrast zum oft schrillen Drehorgel-Ambiente von Weihnachtsmärkten, bei denen die christliche Ur-Szene mit vielen anderen Kulissen konkurrieren muss, ist der Stall zu Bethlehem im Kloster nicht Nebenschauplatz, sondern Mittelpunkt. Am Eingang wünscht ein hölzerner Engel Besuchern Frieden. Im Hintergrund erklingen leise weihnachtliche Weisen. Wie in musikalische Watte gepackt wirken so die Exponate, die Bruder Berthold zum größten Teil selbst aus verschiedenen Klöstern nach Dieburg brachte. Ein Kloster ist ein geschützter, ein stiller Raum. Ein Standortvorteil. Wer hineingeht, gibt seinen Feiertagsstress quasi an der Pforte ab.

Das Klingeln lohnt nicht nur, weil weit mehr gezeigt wird als die große Weihnachtskrippe der Klosterkirche mit den geschnitzten Figuren. Es lohnt vor allem auch, die Geschichten zu hören, die Bruder Berthold erzählt. Etwa die von der Miniatur-Krippe in der Nussschale, „von einem Mitbruder aus Mexiko mitgebracht“. Oder die von der Krippe, die das Christuskind als „Fleisch gewordenes Wort Gottes“ umringt von Kapuzinermönchen, einem Priester und Diakonen zeigt – ein prominent platziertes Exponat, „das ich vor zwei Jahren auf dem Speicher eines Klosters in Waghäusel entdeckt habe, wo es gut 50 Jahre gelegen haben dürfte“. Mit Hilfe von Barbara Reinheimer, die sich sonst um den Kirchenschmuck kümmert, wurden die Figuren gereinigt, von Motten befreit und in Form gebracht. Besonders am Herzen liegt Bruder Berthold die Erzählkrippe mit den so genannten Egli-Figuren, die er selbst erstellt hat. Die biblischen Erzählfiguren haben keine Gesichter, um sie von ihrem Ausdruck her nicht festzulegen und den Betrachter zu Interpretationen zu inspirieren. Bruder Berthold erinnert sich daran, dass diese besondere Krippe vor 15 Jahren schon einmal in Dieburg zu sehen war und dabei nicht nur Freunde fand. „Viele Leute reagierten mit Erschrecken auf das ungewohnte Bild.“

Bruder Berthold lädt Interessierte ein, die Ausstellung im Kloster (Minnefeld 36) zu besuchen, „sich niederzulassen und ein paar Minuten zu schenken“. Gelegenheit gibt es vom 26. Dezember bis zum 6. Januar täglich von 15 bis 17 Uhr.

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