Wenn der Sommer baden geht

Dieburg/Groß-Zimmern - Das Termometer zeigt 18 Grad Celsius. Dauerregen. Die Trostlosigkeit des Ferientages im Juli wird durch einen Blick ins Schwimmbad noch überboten. Von Ursula Friedrich

Wo sich Ferienkinder in Becken und auf dem Rasen des Ludwig-Steinmetz-Bades tummeln könnten, herrscht Leere. Verwaiste Kinderbecken, öde Grünflächen. Das Kassenhäuschen ist erst gar nicht besetzt, ein Automat speit die wenigen Tickets aus, die die Handvoll Badegäste benötigen.

An Spitzentagen halten nicht selten 3000 Besucher das Personal auf Trab. An Regentagen wie diesem widmet sich das Aufsichtspersonal kleinen Ausbesserungs- und Reinigungsarbeiten oder der Grünpflege. Doch einigen wackeren Gästen können selbst heftiger Regen und niedrige Temperaturen den Sprung ins Becken nicht vermiesen.

„Unsere Frühschwimmer kommen in zwei Wellen, jeweils 25 bis 30 Leute“, berichtet Rettungsschwimmer Holger Kern. Die erste Gruppe ist pünktlich zur Öffnung um 8 Uhr am Tor. „Da gibt es 75-Jährige, die schwimmen konstant ihre 1 000 Meter, ob es stürmt oder regnet“, so der Schwimmbadmitarbeiter.

Badespaß im Dieburger Freibad? Das kaltfeuchte Juliwetter treibt nur die hartgesottenen Schwimmer in die beliebte Freizeiteinrichtung.

„Morgens ist das Wasser klar wie ein Bergsee“, beschreibt Petra Kreher aus Münster, warum sie so ambitioniert jeden Tag um 8 Uhr ins Wasser springt. „Bei kühlem Wetter schnattere ich wie eine Gans“, erzählt die 50-Jährige. „Im Auto mache ich dann erst einmal die Sitzheizung an.“ Trotz ungemütlicher Außentemperaturen punktet das Dieburger Bad mit Minimum 24 Grad Wassertemperatur. „Und die Duschen sind die wärmsten im Umkreis“, schwärmt Kreher.

Die Frühschwimmer kennen einander, sind mit dem Badepersonal „per Du“ und richten sogar ihre Geburtstage im Schwimmbad aus.

Zu den „unverfrorenen“ Gästen gehören auch die vielen Vereinsaktiven. In den Abendstunden trainieren regelmäßig zwei Tauchvereine und ein Schwimmverein, DLRG sowie die Thriatlonabteilung des TV Groß-Zimmern.

Die zähen Ausdauersportler sind ohnehin aus besonders hartem Holz geschnitzt. „Man muss gleich zackig losschwimmen“, sagt Hans Zimmermann, Leiter der Schwimmabteilung des TV Groß-Zimmern und zugleich Schwimmtrainer der Triathleten.

Das Klischee vom eisernen Dreikämpfer relativiert er jedoch: „Wenn die Wassertemperatur unter 23 Grad sinkt, dürfen wir Neoprenanzüge tragen.“ Grund: Wenn ein Sportler nach dem Wettkampf im Wasser (3,84 Kilometer, zumTeil in Naturgewässern) auf das Fahrrad hechtet, um 180 Kilometer zu bezwingen, darf die Muskulatur nicht unterkühlt sein.

Einen Wettkampf wegen Kälte und Regen abzusagen, kommt jedoch nicht in Frage.

Ist die Saison noch zu retten?

Trotz jahrelanger Erfahrung mag sich Bademeister Wolfgang Storck nicht auf Wetterprognosen festlegen. „Aber wenn das so weiter geht, sehe ich schwarz.“ Bisher verlief die Saison ohne große Zwischenfälle.

Es gab keine schweren Verletzungen. „Nur das Übliche“, so Storck, nämlich Wespenstiche oder mal ein offenes Knie, wenn junge Baderatten auch auf den nassen Fliesen außerhalb des Beckens herumflitzen und ausrutschen.

Ein Ärgernis für die Bademeister sind Shisha-Raucher. Noch gibt es von der Stadt kein Veto, wenn Badbesucher auf dem Rasen ihre Wasserpfeife entflammen.

Auch Alkohol ist wie in jedem Jahr ein Thema – auf den Konsum haben die Bademeister ebenfalls ein Auge.

Rund 80.000 Menschen jährlich im Dieburger Freibad

Doch wenn die Temperaturen nicht bald nach oben gehen, ist dies eine geringe Sorge. Ob man an die Besucherzahlen der Vorjahre anknüpfen wird? Rund 80.000 Menschen entspannen und trainieren jährlich im Dieburger Freibad – wenn nicht gerade der Sommer abtaucht.

Wolfgang Storck und seine Kollegen sind auch bei miesem Wetter gefordert, denn Instandhaltungsarbeiten und Pflege gehören ebenfalls zum Aufgabenpensum der vier Hauptamtlichen. Und wenn ein Badegast bei diesem Wetter seine Kondition unterschätzt, ist das freundliche Personal doppelt gefragt. Den uneinsichtigen, unterkühlten Sportgeist aus dem Wasser manövrieren und von Krämpfen befallene Muskeln kurieren. Da gibt es zum „Auftauen“ vom Bademeister eine ordentliche Massage.

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