Umfrage zum Schlossgartenfest

„Wer meckert, soll schaffen kommen“

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Dieburg: Umfrage zum Schlossgartenfest

Dieburg - Seit Montagabend ist das 51. Schlossgartenfest Geschichte. Viel ist im Vorfeld geredet worden, wie es ohne die Vereine weitergeht. Von Michael Just

Nicht weniger wird nun diskutiert, wie die Premiere nach der kompletten Vergabe an einen externen Festwirt gelungen ist. Wir haben uns einmal umgehört, wie das traditionsreiche Heimatfest in neuem Kostüm bei den Dieburgern ankam.

Sigurd Keller

Sigurd Keller (44), Bankkaufmann: „Das bayerische Ambiente zieht immer, egal wo du in Deutschland bist. So waren die Aufmachung und die Ausschmückung gut, der Holzboden warm und gemütlich und der Blick zur Decke einfach mal was anderes als immer nur die weißen Planen. Leider waren die Preise erschreckend. Andererseits muss man verstehen, dass der Ausrichter was verdienen will. Der Frühschoppen präsentierte sich gewohnt voll. Der gehört am Montag einfach dazu. Das größte Manko war sicherlich die Bar. Am Sonntag war in der gar nichts los, am Samstag frühzeitig Schluss. Das passt nicht zu den Gepflogenheiten und hat dazu geführt, dass die Jugend sich vom Fest verabschiedet hat. Bei vielen Jüngeren und Junggebliebenen hat man schon gesehen, wie deren Kinn nach unten fiel, als sie reinkamen. Das ist im nächsten Jahr die große Chance des TV, die Bar und damit diese alte Gewohnheit wieder hochleben zu lassen.“

Bilder vom Schlossgartenfest

Dieburger Schlossgartenfest

Erwin Grimm (74), Pensionär:

Erwin Grimm

„Das Fest hat mir besonders gut gefallen. Zum einen das Bayerische, zum anderen, dass alles sehr kompakt zusammen war, so wie der direkt ans Zelt angrenzende Biergarten. Da bekommt man außerhalb auch etwas von der Musik mit. Insgesamt war die Sache sehr professionell gemacht, das dürfte die Zukunft des Festes sein. Das hat auch der gute Besuch drei Tage lang gezeigt. Nach dem TV kann dieses Konzept gerne weiter greifen. In Lederhosen werde ich dann aber nicht kommen, dafür bin ich zu alt. Der TV wird sich im nächsten Jahr sehr anstrengen müssen, um genauso eine Atmosphäre zu schaffen.“

Jürgen Schaarvogel

Jürgen Schaarvogel (64), Pensionär: „Das Zelt war sauber und ordentlich, die Bedienungen freundlich, genauso wie die Security, die trotz vieler Taschendurchsuchungen einen sehr guten Job gemacht hat. Die Auswahl der Bands ließ keine Wünsche offen. Das alles muss ein Dieburger Verein erstmal stemmen. Die bayerische Aufmachung ist natürlich Geschmackssache, da aber kein hessischer Ausrichter gefunden wurde, muss man das akzeptieren. Für die meisten war es aber stimmig und es ist reichlich geschunkelt worden. Bei den Getränkepreisen kann man versuchen, diese vielleicht noch etwas nach unten zu bewegen. Die Maß Bier unter acht Euro wäre schön. Bei den Hütchen kam der Ratschlag bereits an. Bei der Bar muss man wissen, dass es die so in Bayern nicht gibt. Dort spielt sich alles im Hauptzelt ab und der Veranstalter will keine Hütchen sondern Bier verkaufen. Und die Leute kommen früher und deshalb ist auch schon früher Schluss. Bei Franz Widmann war die Überraschung groß, als er am Montag sagte, dass er noch nie so viele Hütchen in seinem Leben verkauft habe. Er hat gelernt, dass mit der Bar, die in Bayern ein Nischengeschäft ist, in Hessen was geht. Insgesamt bin ich mit dem Schlossgartenfest so einverstanden. Für Dieburg gibt es derzeit keine andere Lösung. Auch wenn man zwei Vereine zusammenlegt, funktioniert das nicht.“

Rosi Prächter und Moni Tuchtenhagen. - Fotos: Just

Rosi Prächter (50) und Moni Tuchtenhagen (47), Angestellte: „Alle die, die sich in diesem Jahr lautstark beschweren, sollten nächstes Jahr dem TV ihre Hilfe anbieten und schaffen kommen. Berechtigt sind natürlich die Einwände, dass die Preise zu teuer waren. Auch dass es am Samstag nach ein Uhr keine Musik mehr gab und das Licht anging, war ungewöhnlich. Das kann man nicht machen, wenn über 2 000 Leute dicht an dicht stehen. Da gehört einfach ein DJ her. Wir können uns an kein Schlossgartenfest erinnern, an dem man samstags schon um halb zwei zuhause war. Dass die Bedienungen hinter dem Zelt in Wohnmobilen schlafen, wussten wir nicht, dafür ließe sich aber eine andere Lösung finden. Ansonsten hat die Sache gepasst: die Bands waren klasse und haben super Musik gemacht. Gut war auch, dass konsequent an Jugendliche kein Alkohol ausgeschenkt wurde und Ausweise kontrolliert wurden. Die Dieburger müssen nun lernen umzudenken, wenn ihr Heimatfest nicht aussterben soll. Das Schlossgartenfest hat mit diesem Konzept Zukunft - wenn an der Bar und der Länge der Musik ein paar kleine Veränderungen vorgenommen werden.“

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