„Werden unseren Weg finden“

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Volles Haus: die Gutenberghalle mit zahlreichen stolzen Eltern und anderen Verwandten bei der Entlassungsfeier der Abiturienten der ADS.

Dieburg - Die nicht geringe Zahl von 202 frischgebackenen Abiturienten hat gestern die Alfred-Delp-Schule (ADS) verlassen. In der über zweistündigen Abschiedsfeier bekamen sie von Schulleiterin Ursula Krell sowie den jeweiligen Tutoren ihr Abschlusszeugnis überreicht. Von Michael Just

Die Feier fand diesmal im Gegensatz zu den Vorjahren nicht im Atrium der Schule statt. Wegen Brandschutzbedenken des Landkreises musste ein neuer Ort gefunden werden. Die Wahl fiel auf die Gutenberghalle. Schulleiterin Ursula Krell nahm es pragmatisch: „An gleicher Stelle findet heute Nachmittag die Entlassungsfeier der Landrat-Gruber-Schule statt. So muss nur einmal aufgebaut werden.“

Shit-Storms bis hin zur Bankenkrise

202 Schüler haben an der ADS das Abitur bestanden. Gestern bekamen sie ihre Zeugnisse.

Die Zeugnisübergabe begann mit einem Potpourri der Tanz-AG unter der Leitung von Elke Meyer. „Sie erwartet eine rosige Zukunft“, sagte im Anschluss Ursula Krell in ihrer Ansprache an die Adresse der Schüler, von denen einige noch am Montag dieser Woche ihre mündliche Prüfung bestehen mussten. Die optimistische Aussicht begründete die Pädagogin mit den derzeit aktuellen Prognosen über den demographischen Wandel. Dabei gab sie aber auch zu Bedenken, dass Deutschland in Konkurrenz zu den Billiglohnländern stehe und dass man sich anstrengen müsse, den Sozialstandard zu erhalten. In der Folge schlug sie einen Bogen vom Internet als Forum der Selbstinszenierung mit „Unterwelterscheinungen“ wie Shit-Storms bis hin zur Bankenkrise.

Mit den Verlusten von 22 Milliarden Euro durch zwei Landesbanken hätten bundesweit alle maroden Schulen saniert sowie sämtliche fehlenden Studienplätze samt Personal finanziert werden können, rechnete sie vor. Für Krell haben sich Lebenswelt und -wirklichkeit im letzten Jahrzehnt nachhaltig geändert. Die Erfahrung der Eltern hätte heute kaum noch eine Bedeutung für die Lebenspläne der Kinder. Diese müssten eigene Entwürfe finden - und das in Spannungsfeldern wie der Globalisierung, in der die Menschen kaum noch wahrnehmbare Punkte seien.

Vernetztes Denken

Bürgermeister Dr. Werner Thomas sagte, dass die jährlichen Abi-Feiern an der ADS für den Beobachter schnell den Anschein der Routine bekämen. Das sei aber nicht gerechtfertigt: „Diese jungen Menschen sind einmalig, genauso wie ihre Spuren und Erfahrungen, die sie hinterlassen.“ Das erworbene Wissen bezeichnete Thomas für die Schüler als Grundgerüst, was aber niemals isoliert dastehen sollte. Wichtig sei ein vernetztes Denken und die Notwendigkeit, die Schöpfung zu bewahren.

Die Tutorenrede hielten Hans-Dieter Hefele und Christian Lampe. Sie schlugen einen humorvollen Bogen vom ersten Schultag mit Schultüte bis hin zur Oberstufe, wo sich als Erwachsener die Entschuldigungen fürs Fehlen selbst schreiben lassen. In begeisternder Anlehnung an Jim Knopf und Lukas den Lokomitivführer ermutigten sie die Abgänger, sich den riesigen Herausforderungen des Lebens zu stellen.

Schulband lockert musikalisch

Die Goetheschule, die Groß-Zimmerner Albert-Schweitzer-Schule sowie die Münsterer Aue-Schule waren als Verbundschulen ebenfalls vertreten und richteten durch ihre Schulleiter Grüße aus. Das große Potential, das bei der ADS in den letzten drei Jahren erwuchs, belegten bei der Zeugnisübergabe insgesamt 13 Tutorien.

Musikalisch lockerte die Schulband, die ADS-Lehrerband sowie Mareike Grimm mit einem facttenreichen Intermezzo auf ihrer Querflöte die Zeugnisvergabe auf. Bei den Ehrungen für besondere Leistungen standen im Fach Informatik die Schüler Sven Palberg, Lars Kröpelin und Dennis Roßkopf auf der Bühne, in Französisch Marc Meier-Dörnberg. Die Gesellschaft deutscher Chemiker verlieh Preise an Christian Giebisch und Andreas Lehr, die deutsche Gesellschaft für Physik an Simon Zeuner. Über ein Geschenk der deutschen Mathematiker-Vereinigung freute sich Sarah Hahnebach.

Bilder zum Abiball

Schüler der ADS feiern ihr Abitur

Den besten Abi-Schnitt erzielten Ronja Fink und Simon Zeuner. Mit jeweils 1,0 dürften sie keine Probleme haben, jegliche Anforderungen beim Numerus clausus und damit ihrer Studienwahl zu erfüllen. Dementsprechend mutig blickte Ronja Fink in ihrer Schülerrede auf das, was die Dieburger Abiturienten zukünftig noch ereilen mag. „Tragt keine Scheuklappen!“, forderte sie und ergänzte: „Wir werden unseren Weg finden, egal ob zuhause oder auf einem anderen Kontinent.“

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