LGS eröffnet Zentrum für regenerative Energietechniken

Ein Werk der Nachhaltigkeit

Vor dem Zentrum lassen sich Informationen zu den Exponaten über einen Touchscreen aufrufen. Foto: Dörr

Dieburg - Nachhaltigkeit: Zum neuen „Zentrum für regenerative Energietechniken“ (ZfrE) an der Dieburger Landrat-Gruber-Schule passt dieser Begriff im doppelten Sinne. Einerseits beschreibt er ein System, dessen Wesen es ist, sich auf natürliche Art und Weise zu erneuern. Von Jens Dörr

Oft verwendet mit Blick auf erneuerbare Energien aus Licht, Wasser, Erdwärme, Biomasse, um die sich das ZfrE in seinem Kern dreht.

Andererseits erfüllt auch das Zentrum selbst das, was sich hinter der Nachhaltigkeit verbirgt: Es setzt auf Langfristigkeit, ist eine erneuer- und erweiterbare Einrichtung. „Kein Museum“, wie Jürgen Weiss, Lehrer der LGS sagt.

Das ZfrE ist Weiss’ Baby, auch wenn er das selbst bescheidener formulieren würde. Herzensangelegenheit, Vermächtnis an die Schule, in der er eines Tages doch einmal mit dem Unterrichten wird aufhören müssen. Was der Lehrer schon längst hätte tun können, denn die Pension steht ihm bereits zu. Noch nicht erschöpfte Schaffenskraft, Interesse an und Draht zu seinen Schülern sowie die Leidenschaft für seinen Beruf lassen das derzeit aber zur rein theoretischen Option geraten.

Ähnliches gilt für Dieter Staudt, bis Juni 2010 Leiter der LGS und im Alter von 66 Jahren  in den verdienten (Un-)Ruhestand gegangen. Noch unter seiner Führung begannen Planung und Umsetzung des Zentrums, etwa in der Gewinnung von Sponsoren tat sich Staudt hervor. Unter dem Dutzend der Gönner tragen die Sparkassen-Stiftung und die HSE-Stiftung große Kostenbatzen, die es zu finanzieren galt.

Bei der Eröffnung des Zentrums am Dienstag fand auch der aktuelle Schulleiter, Thomas Reinholz, anerkennende Worte für das Mammutwerk der Kümmerer Weiss und Staudt. „Das hat ja lange vor meiner Zeit hier begonnen“, hatte sich Reinholz sagen lassen. Vor mehr als drei Jahren, lange vor Fukushima also, um genauer zu sein. Ehe die Führung mit reichlich Prominenz, darunter Landtagsabgeordneter Manfred Pentz und die neue Delp-Schulleiterin Hiltrud Werkmann, startete, gab es dann auch noch Dank von Jürgen Weiss selbst: Schließlich sind die Energien, die der Dieburger freisetzt, zwar erneuerbar, aber nicht unerschöpflich.

Nur im Team gelang das „Zentrum für regenerative Energietechniken“, wie es ab sofort im Werkstattgebäude der LGS zu finden sein wird und wie es am Dienstag durch einmalige Vorträge, Ausstellungen und Vorführungen erweitert wurde. Weiss nannte unter anderem die Helfer Dirk Brand, Otto Diehl, Ute Lukhard, Gerd Roth, Friedel Söder, Horst Dabringhausen und Andreas Schneider. Eine tragende Rolle beim Innenausbau des Zentrums, der Errichtung der Infotafeln und den Korpus des Touchscreens hatte zudem Wilhelm Neff inne.

Mit dem ZfrE hat die Schule etwas in der Region Einmaliges, Imposantes hinzugewonnen: Unter Mitwirkung der Schüler ist eine erfahrbare Schau entstanden, die sich mit der in manchen Medien projizierten drohenden Öko-Apokalypse beschäftigt.

Was Weiss allerdings anders beschreibt: „Wir wollen nicht die Apokalypse – Klimawandel und Endlichkeit der Ressourcen – aufzeigen, sondern vielmehr, dass es genügend und vielfältige Lösungsmöglichkeiten gibt.“ 20 Filme, Exponate, der Berührbildschirm mit Präsentationen und Bildmaterial sind nur einige Mittel, mit denen das gelingen soll.

Das eigentliche Zentrum ist ein verglaster Saal bei den Werkstätten der LGS, wo unter anderem die Energiegewinnung via Geothermie dargestellt wird. Über den Touchscreen davor lassen sich die passenden Erläuterungen zu den ausgestellten Modellen aufrufen.

Dort wird künftig also Wissen aufgesogen, verbreitete sich aber auch schon bei der Umsetzung des Zentrums: Schließlich lernen Schüler Ansätzen aus der Neurodidaktik zufolge am effizientesten – und nachhaltigsten -, wenn sie sich selbst mit der Materie beschäftigen, auch selbst Beiträge dazu erstellen.

Selbst „machen“ konnte man am Dienstag auch bei Angeboten, die es anlässlich der Eröffnung des Zentrums gab: Etliche Schüler wie auch MdL Pentz schwangen sich auf „Segways“, ein elektrisch angetriebenes, zweirädriges Gefährt, dass sich selbst in Balance hält und in den Vereinigten Staaten schon wesentlich häufiger im Alltag zu beobachten ist als hierzulande.

Der Zweirad-Shop Niederhofer aus Babenhausen präsentierte Elektro-Fahrräder, das Umweltbundesamt steuerte eine Plakatausstellung bei. Die Entega zeigte das Elektromobil „MiEV“ von Mitsubishi. Bernhard Fenn, HSE-Prokurist aus Dieburg, referierte passend dazu unter anderem über die „zukunftsorientierte Mobilität in Hessen“. Holger C. Schmidt von der Firma „SenerTec“ aus Darmstadt beschäftigte sich und die Schüler mit dem „wirtschaftlichen Einsatz der Kraft-Wärme-Kopplung“.

In Einem waren sich die Macher und Unterstützer des ZfrE am Dienstag unterdessen einig: Mindestens ebenso wichtig wie dieses einmalige Ausreizen der Nachhaltigkeit am Eröffnungstag wird die langfristige Nutzung des Zentrums und die Verankerung wichtiger Kernaussagen im LGS-Unterricht sein. Etliche weitere Nutzungen sind denkbar.

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