Reaktionen auf Landrats-Kandidatur von Dr. Werner Thomas

„Dass er sich das noch mal antut“

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Dieburgs Bürgermeister Dr. Werner Thomas ist der Gegenkandidat zum Amtsinhaber Klaus Peter Schellhaas.

Dieburg - Dass der parteilose Dieburger Bürgermeister Dr. Werner Thomas (61) für die CDU bei den Landratswahlen im April 2015 kandidiert, hat alle überrascht. Das zieht sich auch als roter Faden durch die Reaktionen von Kommunalpolitikern zu seiner Kandidatur. Von Lisa Hager 

CDU-Fraktionsvorsitzender Renee Exner betont, auch erst an dem Abend der Kreisvorstandssitzung, in der die Kandidatur verkündet wurde, informiert worden zu sein. Grundsätzlich sieht er die Nominierung von Thomas, die bei einem Kreisparteitag am 2. Oktober in der Dieburger Römerhalle offiziell wird, positiv. „Ich bin froh, dass die Wahlfindungskommission fündig geworden ist“, sagt er Schließlich habe sich der Vorgang über ein halbes Jahr hingezogen. Allerdings werde es für Thomas nicht leicht werden gegen Schellhaas zu punkten, räumt er ein. Seine Fraktion werde jetzt nicht auf Schmusekurs mit dem Verwaltungschef gehen, wie viele unterstellen würden. Es seinen keine diesbezüglichen Absprachen getroffen worden. „Wir werden gut zusammenarbeiten, über Positives wie Negatives sprechen. Aber konstruktive Kritik muss er vertragen“, sagt er.

Karin Müller von der SPD-Fraktion wundert sich über die Kehrtwende von Thomas, der ja angekündigt hatte, sich aus der Kommunalpolitik zurückzuziehen und deshalb auch nicht noch mal fürs Bürgermeisteramt kandidieren wollte. „Ich bin erstaunt, dass er sich das in dem Alter noch antut“, so ihre erste Reaktion. Verwundert ist sie auch, dass die CDU ihn nominiert, obwohl sie ihn in der Vergangenheit doch immer wieder angegriffen habe. Die SPD werde jetzt natürlich einen engagierten Wahlkampf für den sozialdemokratischen Amtsinhaber Klaus Peter Schellhaas machen, kündigte sie an.

Grüne: Thomas ist ein sachlicher Mann

Grünen-Kreisvorstandssprecher Christian Flöter schätzt Thomas als ruhigen, sachlichen Mann. Er traue ihm das Amt zu, allerdings sei er auf Kreisebene noch wenig bekannt. Für die Kreisgrünen gehe es jetzt demnächst darum, mit dem Koalitionspartner SPD ein Gespräch über das Pro und Contra einer Nominierung eines eigenen Kandidaten zu führen. „Danach werden wir entscheiden, ob wir den Amtsinhaber unterstützen oder einen eigenen Kandidaten aufstellen“, sagt Flöter.

Der Dieburger FDP-Fraktionsvorsitzende Wilhelm Reuscher zeigt sich ebenfalls überrascht darüber, dass Thomas doch noch mal ein politische Amt anstrebt. „Er hatte sich ja mehrfach dahin gehend geäußert, dass dies seine letzte Amtsperiode werde“, so der Liberale. Er sehe die Kandidatur weder positiv noch negativ. Interessant sei, dass die CDU innerhalb ihrer eigenen Reihen wohl keinen Kandidaten gefunden habe. Schellhaas sei insgesamt gut etabliert als Landrat, so dass sich Thomas ausrechnen könne, dass es schwierig werde, so Reuscher. Jetzt warte er auf inhaltliche Aussagen. „Es wird ein interessanter Wahlkampf werden“, prognostiziert er.

Überraschung auch bei UWD-Fraktionsvorsitzendem Heribert Sürder: „Es ist mutig in dem Alter, das jetzt zu tun.“ Thomas suche wohl noch mal eine Herausforderung, interpretiert Sürder die Kandidatur. Er ist überzeugt, dass er „es gut machen wird“. Aber auch als Bürgermeister sei er bei der UWD weiterhin gern gesehen.

Kein Kandidat aus den eigenen Reihen

„Für uns ist sehr beachtenswert, dass die Kreis-CDU in ihren Reihen keinen geeigneten Kandidaten finden konnte“, sagt Sebastian Stöveken, Stadtverordneter der Grünen. Übereinstimmungen in der politischen Natur seien ja zweifellos vorhanden. „Insofern ist die Kandidatur für uns auch nachvollziehbar.“

Irritierend findet Stöveken allerdings Thomas´ Aussagen über seine wirtschaftliche Erfolge in Dieburg. „Hier kommt uns unter anderem die exorbitante Steigerung der Kosten für die Römerhalle in den Sinn.“ Zudem erinnert Stöveken an die außerordentlichen Erlöse durch Grundstücksverkäufe in den letzten Jahren, die zu den ausgeglichenen Haushalten beigetragen haben, mit denen sich Thomas rühme. „Im Landkreis ist diese Struktur aber nicht vorzufinden.“

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