Kinder der Kita St. Josef besuchen Hebamme Susanne Benke

„Wie kriegt das Baby im Bauch was zu essen?“

Sitzkreis im Kreißsaal: Aufmerksam lauschen die Kinder den Erzählungen Benkes. Fotos: Bieniek

Dieburg - Ein Krankenhaus ist gemeinhin ein Ort, an dem sich verletzte oder kranke Menschen einfinden. An diesem Morgen aber steht eine Gruppe quietschfideler Nachwuchsforscher samt Erzieherinnen im Eingangsbereich des St. Von Jenny Bieniek

Rochus-Krankenhauses und wartet darauf, auf Station zu kommen.

Die Kinder der Kita St. Josef besuchen heute Hebamme Susanne Benke. Sie wird ihnen den Kreißsaal zeigen und viel über Geburten und Neugeborene erzählen.

„Wir machen solche Ausflüge immer dann, wenn es die Kinder von sich aus interessiert“, erzählt Kita-Leiterin Juliane Brechtel. „Im Moment sind Babys ein großes Thema unter den Kindern und da dachten wir, gucken wir uns doch einfach mal einen Kreißsaal an.“ Wichtig sei ihr vor allem der Sinnzusammenhang. „Im Vorfeld haben die Kinder Babyfotos von sich mitgebracht. Wir haben Steckbriefe gebastelt und die Eltern haben den Kindern von ihrer Geburt erzählt.“

Zur Vorbereitung auf den Besuch im Kreißsaal haben sich die künftigen ABC-Schützen Fragen überlegt, die sie Susanne Benke stellen wollen. Wie fühlen sich Wehen an? Wie kriegt das Baby im Bauch was zu essen? Und: Wann weiß die Mama, dass es losgeht?

Auf dem Weg nach oben werden Gemeinsamkeiten erkannt: „Hier bin ich geboren!“ – „Echt? Ich auch!“ Wie sich später herausstellt, sind die beiden nicht die einzigen.

Susanne Benke, die schon seit 24 Jahren als Hebamme arbeitet, nimmt die Gruppe in Empfang. „Ich weiß, wer du bist! Du hast mein Fruchtwasser getrunken!“, prescht ihr der kleine Nathan entgegen. Da muss der Sechsjährige wohl was falsch verstanden haben. Beim Hören seines Namens weiß Benke trotzdem gleich, wer da vor ihr steht. „Wenn du Nathan heißt, bist du an Weihnachten geboren, stimmt’s?“ Der Junge nickt. An seine Geburt kann sich die 44-Jährige noch gut erinnern: „Damals wollte ich ganz gemütlich Kaffee trinken - das vergess’ ich nie!“ Auch Nathan weiß schon eine ganze Menge über den Tag, an dem er das Licht der Welt erblickte. „Ich kam viel zu früh, hat mir meine Mama erzählt. Und sie hatte einen Kaiserschnitt.“ „Stimmt“, lacht Benke und führt die Gruppe an einer schwangeren Frau vorbei in den Kreißsaal. Dort erklärt sie den Knirpsen erstmal, was in einem Kreißsaal so rumsteht. Ein Gebärstuhl, ein riesiges Bett und auch eine Badewanne gibt es. Der kleine Nathan erweist sich dabei schon als echter Experte und löchert Hebamme Benke mit allerlei Fragen.

„Wir Hebammen müssen auch nachts arbeiten, Babys kommen ja nicht nur tagsüber zur Welt“, erzählt Benke. Ungläubiges Nachfragen vonseiten der Kinder: „Die kommen auch dann, wenn die Leute schlafen?“

Es gibt noch mehr zu berichten. Dass Babys auch im Bauch schon Schluckauf haben können zum Beispiel. „Weil sie das Fruchtwasser trinken“, erklärt Benke. „Und wie macht das Baby Pipi im Bauch?“, wollen Emma und Ben wissen. Es mache ins Fruchtwasser, lautet die Antwort. „Und das trinken sie dann wieder? Igitt!“ entfährt es den sichtlich irritierten Dreikäsehochs.

Und womit wird die Nabelschnur durchtrennt? Die Hebamme zeigt den Kindern die dafür vorgesehene Schere. „Die ist ja gebogen! Damit kann man aber kein Papier schneiden“, mutmaßt der Nachwuchs. „Kannst du uns auch zeigen, wie das Baby raus kommt?“, fragt eines der Kinder. Aber da muss Susanne Benke dann leider doch passen.

Der Beruf der Hebamme sei ihr von ihrer Mutter in die Wiege gelegt worden, verrät die Hebammen-Tochter. „Seit ich zwölf Jahre alt war, war dieser Wunsch unumstößlich. Ich wüsste auch gar nicht, was ich sonst hätte machen sollen,“ lacht die Geburtshelferin. Dann bringt eine Mutter ihren nur wenige Tage alten Säugling in den Kreißsaal. Plötzlich fühlen sich alle ganz groß. „So ein neugeborenes Baby ist ganz zart, damit muss man sehr vorsichtig sein“, erklärt Benke.

„Und man darf sie auch nicht fallen lassen!“, sind sich die wissbegierigen Kita-Kids einig. Ob es ein Mädchen oder ein Junge sei? Der grüne Strampler führt zunächst auf die falsche Fährte. „Es heißt Helena“, lüftet die stolze Mama schließlich das Geheimnis. Später zeigt Benke den Kindern, wie man die Herztöne der Ungeborenen abhört. „Damit wir wissen, ob es dem Baby da drin gut geht“, erklärt sie. Ob es jemand mal ausprobieren wolle? Klar wollen sie. Celine hält die Luft an und die Herztöne, die den Raum erfüllen, werden merklich langsamer. Dann atmet sie schneller, und auch die Geräusche nehmen wieder an Fahrt auf.

Auch einen Brutkasten und ein Tragetuch bekommen die Kinder noch gezeigt, bevor es wieder zurück in die Kita geht. Zum Dank gibt’s zum Abschluss noch ein Ständchen für Susanne Benke. „Wir haben viel gelernt und zum ersten Mal ein ganz frisches Baby gesehen!“, freuen sich Emma (5) und Linnea (6) beim Verlassen des Krankenhauses. Weil die beiden selbst nur große Geschwister haben, hatten sie zu Hause nie „Anschauungsmaterial“. Für Celine war dagegen etwas anderes besonders toll: „Unsere Herztöne zu hören, fand ich am Spannendsten“.

Auch das Fazit der Erzieherinnen fällt positiv aus. „Na, das hat doch alles super geklappt“, freut sich Kita-Leiterin Juliane Brechtel. „Aber die Kinder waren auch wirklich gut vorbereitet und hatten ein großes Interesse an dem Thema.“

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