Vom wilden Haufen zur Prinzengarde

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Die beiden Prinzengarde-Urgesteine Philipp Hiemenz (links) und Helmut Maurer blättern in Zeitungsartikeln über die Dieburger Prinzengarde aus den 50er und 60er Jahren.

Was gibt es Schöneres, als sich selbst zu feiern? Genau das tut die Prinzengarde Dieburg in diesem Jahr mit besonderer Vehemenz: Vom 18. bis 20. Juni wird ein Grundstück in der Albinistraße zum Festgelände anlässlich des Jubiläums „60 Jahre Dieburger Prinzengarde“. Drei Tage voller Musik, Unterhaltung, sportlichem Wettstreit und kulinarischen Angeboten stellt die „Priga“ auf die Beine, um sechs Jahrzehnte im Dienst der Dieburger Fastnacht und ihrer Tollitäten gebührend zu begehen. Im Vorfeld des Ereignisses blickt der DA in die Geschichte der Garde. Heute werden die Anfänge in den 50er und 60er Jahren beleuchtet.

Dieburg (jd) ‐ „Uns wollten sie nie befördern“, lacht Philipp Hiemenz in seiner verschmitzten Art. Beim gemütlichen Beisammensein im Heim von Helmut Maurer ist nicht nur der Hausherr dabei, in Erinnerungen zu schwelgen. Wobei es Hiemenz wie Maurer dann doch immerhin zum Oberlieutenant der Prinzengarde Dieburg brachten und sie 50 (Hiemenz) beziehungsweise fast 50 Jahre (Maurer) beim Umzug mitliefen. Wichtiger aber: Beide sind randvoll mit Wissen, wenn es um die Anfänge der heute genau 203 Mitglieder zählenden Garde geht.

Wenn Hiemenz und Maurer berichten, dann wird klar: Die Prinzengarde Dieburg feiert in diesem Jahr zwar das Jahr 1950 als offiziellen Anfang, eine Garde existierte aber schon vor dem Zweiten Weltkrieg. Man müsse eben differenzieren: Um 1950 herum sei die Garde noch ein wilder Haufen und bis dato unorganisiert gewesen. Erst nach und nach kam Kontinuität hinein - besonders als der KVD Schornsteinfeger Karl Thomas damit beauftragte, eine Garde zusammenzusuchen, wurde diese beständiger.

Die Kanone kam ab 1961 zum Einsatz

Wobei Thomas ihn um Unterstützung gebeten habe, wie Hiemenz auch gerne in Reimform ausdrückt: „Philipp, sagt er – ich hab e Bitt: Sag nit na und mach ja mit. Ich soll suche in de Stadt – für de KVD e neu Prinzegard!“

Gesagt, getan – ab diesem Zeitpunkt nahm die Sache Fahrt auf. Stillstand wurde schon bald als Rückschritt angesehen, stets am Auftreten der Garde gearbeitet.

1960 gab es neue Uniformen, 1961 erstmals die Kanone. Prägend in der Anfangszeit: Karl Hax, der ehemalige Vorsitzende. „Der hatte immer eine Idee, brachte uns auch darauf, einen Bagagewagen mitzuführen“, sagt Maurer. Dessen Rolle dürfe man nicht unterschätzen – durch ihn hatte die Garde 1961 erstmals eigene Getränke beim Umzug dabei und den „Treibstoff“ ständig griffbereitet.

Kindergarde hatte ihren Ursprung bei den Prinzen

Davor sind wir immer an die Häuser gegangen und wurden von den Zuschauern versorgt“, erinnert sich Hiemenz. Auch Kinder marschierten zu dieser Zeit schon mit, die Frauen der Gardisten nähten die Kostüme selbst. „Offiziell gegründet wurde die Kindergarde erst später“, sagen Hiemenz und Maurer. Ihren Ursprung habe sie aber eindeutig in der damaligen Prinzengarde.

Einige Jahre lang bildeten lediglich 22 Mitstreiter den Schutztrupp des Prinzenpaars, bis 1970 aber wuchs die Zahl der Mitglieder deutlich an. 1990 waren es dann schon 133, heute wie beschrieben mehr als 200. Und doch lebt die Historie der Dieburger Prinzengarde weniger von Statistiken als von den zahllosen Erlebnissen, die für ihre Mitglieder bis heute unvergesslich – und damit unbezahlbar – sind. Hiemenz und Maurer etwa könnten stundenlang Anekdoten erzählen, die sich während der ersten 20 „Priga“-Jahre ereigneten.

Gardisten auch auf „illegalen“  Pfaden unterwegs

Etwa diese hier, an die sich Maurer noch erinnert, als sei sie gestern geschehen und nicht 1956: „Die Prinzengarde hatte immer moniert, dass für sie nach dem Umzug kein Tisch im ,Mainzer Hof’ reserviert war. In diesem Jahr, als August Stix Prinz war, war das aber anders – als die Garde beim Prinzenball einzog, war der Tisch reserviert und 22 Gläser Wein standen bereit.“ Die Garde habe das aber nicht bemerkt – außer Maurer. „Meine damalige Flamme und ich haben uns dann an die stehengebliebenen Weine gemacht“, sagt er und kann sich das Schmunzeln dabei nicht verkneifen. „Trotzdem habe ich sie später noch zum Bahnhof gebracht“, beteuert der Dieburger.

Hiemenz – wie Maurer seit Jahrzehnten Hassia-Mitglied („Die Leute sagten immer, die Hassianer laufen in der Garde hinten, weil sie auch in der Tabelle hinten stehen“) – berichtet dagegen noch eine andere Geschichte: „Einem Mitglied der Garde platzte beim Prinzabholen in der Gundermannsgasse mal die Hose.“

Wenn er den Namen dieses Pechvogels auch nur im Vertrauen mitteilt, lässt Philipp Hiemenz sich wie Helmut Maurer an anderer Stelle doch ein Geständnis entlocken: Per Stempel erhöhte die Dieburger Prinzengarde einst illegal die Zahl der Biermarken, die ihnen der KVD zur Verfügung stellte und die die Gardisten in der „Ludwigshall“ einlösen konnten. Keine allzu bemerkenswerte Offenbarung indes: Denn der Karnevalverein kam dann doch hinter den Schwindel.

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