Kaputtes Spielfeld des SC Hassia

Platzverweis für die Wildschwein-Bande

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Angriff aus dem Maisfeld: Die jetzt reif gewordenen Feldfrüchte sind für Wildschweine wie ein gedeckter Tisch.

Dieburg - Der SC Hassia hat ein schweinisches Problem: Wildschweine fühlen sich auf dem Spielfeld offenbar sauwohl. Von Jens Dörr

Donald Kaminski, Platzwart des SC Hassia Dieburg und meist nur beim Spitznamen "Duck" gerufen, klingt verzweifelt: "Sie können es sich gar nicht vorstellen, wie es ist, morgens aufs Sportgelände zu kommen und den Platz so daliegen zu sehen. Das bricht einem das Herz." Worauf Kaminski anspielt: Wie vermeldet, zerstörten kürzlich zum zweiten Mal binnen weniger Wochen Wildschweine wesentliche Teile des Nebenplatzes am Wolfgangshäuschen. Von dem sind die Mannschaften in Zeiten früherer Dunkelheit besonders abhängig, weil es dort Flutlicht gibt.

Mit viel Arbeit stemmt sich der Fußballverein gegen des schweinische Problem. Das ist auch dem Forstamt Dieburg bekannt, viel Hoffnung auf Besserung der Gesamtsituation kann man dort aber nicht machen. Bis an den westlichen Rand Dieburgs ist das als eher scheu geltende Wild inzwischen vorgedrungen, was unter anderem Vereinsmitglieder der Sportclubs ziemlich verwundert. Thomas Schmalenberg, Bereichsleiter Produktion beim Forstamt Dieburg, nennt den Grund: „Das Problem ist schlicht, dass es seit einigen Jahren im Wald zwischen Darmstadt und Dieburg zu viele Wildschweine gibt.“ Massive Probleme gebe es auch in Darmstadts Osten und Messel. In Dieburg verwüsteten die Tiere schon mehrfach Flächen am Spießfeld.

Beim SC Hassia wühlten sie den Nebenplatz nach Schmalenbergs Theorie „auf der Suche nach Käfern und Engerlingen“ auf. „Damit füllen sie ihre Eiweiß-Speicher.“ Zentimetertief sind die hinterlassenen Löcher - auf etlichen Quadratmetern. Ungleich länger dauert die Wiederinstandsetzung. Doch weshalb diese Zunahme der Tiere? „Der zunehmende Maisanbau kommt den Tieren entgegen. Sie leben dadurch wie im Schlaraffenland, finden mehr Futter als früher.“ Zwar gibt es in unmittelbarer Nachbarschaft zum SC Hassia keinen Mais, wohl aber in der Umgebung um Dieburg herum. „Eine Bache kann in guter Konstitution bis zu sieben Frischlinge bekommen“, erläutert Schmalenberg. Mit Hunger sind es nur zwei.“ Die vergangenen Jahre waren für die Schweine fette.

Während vorn der Nebenplatz des SC Hassia zerstört daliegt, trainieren im Hintergrund auf einem verschonten Teil die G-Junioren.

Wie sich die Situation verbessern könne? „Der Sportclub Hassia kein sein Gelände erstmal nur sichern - etwa mit einem Elektrozaun.“ Das tun die Blau-Weißen bereits, haben zudem einige alte Banden umfunktioniert und eine Art Damm gegen die Tiere errichtet. Die ersten Versuche hatten sich allerdings als untauglich erwiesen - die Wildschweine hatten die Barrieren umgangen. Nun wurde nachgebessert. Grundsätzlich gelte laut Schmalenberg aber: „Die Jäger sind gefordert.“ Man müsse mehr Tiere schießen, wenn sie Überhand nähmen. Das sei inzwischen der Fall. Es gestalte sich aber als gar nicht so einfach: „Manchmal sind bis zu 20 Tiere beisammen. Sie können eins schießen, die 19 anderen sind dann aber weg und leben fröhlich weiter." Nahe des SC Hassia, wo sich das Wohngebiet anschließt, darf ohnehin nicht geschossen werden. So grausam es klingt, ruhen die Hoffnungen auch auf Mutter Natur: „Schnee im März kostet Frischlingen oft das Leben“, so Schmalenberg. „Die kriegen dann Lungenentzündung.“ Den Rücken krumm schufteten sich hingegen jüngst die Erstmannschaftsspieler des Sportclubs, um an einem Samstag das Feld wieder herzurichten. Weitere Vereinsmitglieder boten ebenfalls ihre Hilfe an, nachdem sie im Dieburger Anzeiger von den „Schweinereien“ gelesen hatten. Insofern nahm der SC Hassia aus dem Ärgernis zumindest die Erkenntnis mit, eine recht intakte Vereinsfamilie zu haben.

Quelle: op-online.de

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