„Wille ist stärker als Substanz“

+
Auf drei scharfen Schwertern liegend und mit einem Nadelbrett zwischen sich wird auf dem Mönch eine Betonplatte zertrümmert. Dankenderweise legte der Schläger noch ein Handtuch dazwischen, wegen dem entstehenden Staub.

Dieburg (ves) ‐ Es ist totenstill in der Aula, atemlose Spannung macht sich breit. Voller Konzentration steht der Shaolin Mönch da, sammelt seine Energie geballt auf einen Punkt. Er nimmt Anlauf und durchschlägt mit dem Kopf eine 1,20 Meter große, zentimeterdicke Betonplatte. Lautes, erleichtertes Ausatmen beim Publikum und tosender Applaus für diese Höchstleistung.

Am Samstagabend waren die Meister des Shaolin Kung Fu mit „Shi Fu - die Gala der Meister II“ in der Aula auf dem Dieburger Campus zu Gast. Mit zwei Stunden absoluter Höchstleistung begeisterten sie das Publikum mit vielen atemberaubenden Übungen, die mit bloßem Körpereinsatz oder unter Verwendung von Waffen wie Schwert oder Säbel ausgeführt wurden.

Shaolin Kung Fu ist wohl einerseits das älteste methodische Kampfsystem der Welt, andererseits eine elementare Lebensphilosophie mit einem ganzheitlichen Ansatz. Bereits im Kindesalter werden angehende Shaolin Mönche darauf getrimmt, Körper und Geist durch bestimmte Übungen gesund zu halten. Denn ein durchtrainierter, geschmeidiger Körper und mentale Gesundheit sind im Kung Fu unabdingbare Voraussetzungen. Die „Gala der Meister“ beinhaltet nicht nur Hard-Qi-Gong-Übungen, sondern auch Grundlagen, die der Lehre des Zen-Buddhismus entstammen. „Shi Fu Part II“ bringt die Rückkehr zahlreicher Landes- und Weltmeister, die ihre Fähigkeiten demonstrieren.

Spezieller Energiefluss und Konzentration machen die Shaolin unverwundbar

Die Meister und Schüler stammen aus Dengfeng, einer Stadt in der Provinz Henan, die nur wenige Autominuten vom Shaolin-Kloster entfernt liegt. Nachdem die Shaolin-Mönche in der Kulturrevolution aus dem Kloster vertrieben worden waren, hat die chinesische Regierung inzwischen den touristischen Wert der Shaolin-Tradition erkannt und wieder Mönche in den Tempel gelassen. Im Programmteil demonstrierten sie gymnastische Grundübungen wie die achtzehn Luohan-Handformen, bekannt sind auch die verschiedenen Tier-Stile. Die Kampfmönche imitieren Verhaltensmuster von Tieren wie beispielsweise die der Affen, Tiger oder Gottesanbeterin und entwickeln daraus eindrucksvolle Kampfstile.

Bei den besonders spektakulären Übungen des Hard Qigong kommt der Konzentration von Qi auf bestimmte Körperstellen eine herausragende Bedeutung zu. Hier werden Ziegelsteine, Stahlplatten und Eisenstangen mit der Stirn zerschlagen oder Stäbe an Hals oder Weichteilen gebrochen. Die Kämpfer lassen alle Energie an wenige Punkte fließen, werden dadurch unempfindlich gegen Schmerz. Mit geballter Konzentration von kosmischer und irdischer Energie im und außerhalb des Körpers schaffen sie es, Nähnadeln durch Glasscheiben zu werfen oder sich rücklings auf ein Nadelbett zu legen, ohne sich dabei zu verletzen. Nur mit einem trainierten Körper und einem unbeugsamen Willen, kann man dies unbeschadet überstehen, denn „Wille ist stärker als Substanz“.

Mehr Spektakuläres von den Shaolin-Mönchen

Waghalsig und todesmutig: Shaolinmönche demonstrieren ihr Können

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare