„Wir haben noch kein eindeutiges Votum dafür“

Dieburg -  Vor allem um die problematische Verkehrsanbindung des künftigen Wohnbaugebiets und Seniorenzentrums auf dem Konviktsgelände ging es in der jüngsten Bauausschusssitzung.

Bis Ende Oktober laufe zudem die ökologische Untersuchung der Tier- und Pflanzenarten auf dem Gelände, wie Ulf Begher vom Planungsbüro Darmstadt, der im Auftrag des Gemeinnützigen Siedlungswerks (GSW) arbeitet, mitteilte. Bis dahin sei dann generell die Beteiligung der Träger öffentlicher Belange abgeschlossen. Und bis dahin sollte seiner Meinung nach auch klar sein, dass die politischen Gremien der Stadt, also die Stadtverordnetenversammlung, das Projekt mit einem eindeutigen Votum unterstütze. „Die nächste Stufe wäre die Offenlage des Bebauungsplan.“

Dass die Vertreter der Ökologie ein ordentliches Wörtchen mitzureden haben, wurde daran deutlich, dass der Bereich südlich des Obelisken für das dreigeschossige Pflegeheim nicht mehr genutzt werden kann. „Die Grünfläche ist demnach etwas größer geworden“, so Begher.

Aber auch die Grünflächen werfen Fragen auf. Wer soll diese pflegen, nachdem sie in den Besitz der Stadt - so ist es vorgesehen - übergegangen sind? „Mit dem bestehenden Personal im Gartenamt ist das nicht zu machen“, beantwortete Bürgermeister Dr. Werner Thomas eine entsprechende Frage.

Eingeschossige Häuser, „um das Konfliktpotenzial herauszunehmen“

Nach den bisherigen Plänen sollen insgesamt rund 30 Wohneinheiten (Einfamilienhäuser und Doppelhäuser) im Norden - angrenzend an die Bebauung an der Schillerstraße - und im östlichen Teil des Gebiets zum Konviktsweg hin entstehen. Um die Anlieger möglichst wenig zu belasten, habe man die Mindestmaße der Grundstücke auf 400 Quadratmeter bei Einfamilienhäusern und 300 für eine Doppelhaushälfte festgelegt. „Damit ist sichergestellt, dass das Gebiet nicht zu kleinteilig wird“, so der Architekt. Zum Norden hin soll ein bewachsener Grünstreifen eine Abgrenzung bilden. In die Richtung dürften auch keine Garagen oder Stellplätze gebaut werden. Die Häuser blieben eingeschossig, „um möglichst viel Konfliktpotenzial herauszunehmen“.

Was die Verkehrsbelastung angehe, rechne man auf dem Konviktsweg zu den Stoßzeiten mit 21 Pkw pro Stunde. Der nördliche Teil werde über den auf 6,5 Meter verbreiterten Schwimmbadweg erschlossen, erläuterte Begher. Links und rechts würden Stellplätze für das Seniorenzentrum angelegt.

Aber genau dieser Punkt brachte die Diskussion in Fahrt. Es müsste auf jeden Fall ein Fußweg angelegt werden, der zum Seniorenzentrum führe, regte Seniorenbeiratsvorsitzende Ingeborg Steffens an. „Wenn das nicht passiert, gibt es einen Aufstand hier“, mutmaßte sie. Generell wurde bemängelt, dass es kein Verkehrsgutachten für das Gebiet gebe. Dies könne man nachholen, versprach Begher.

Ein düsteres Bild der Zukunft

Und Andreas Will (Grüne) malte ebenfalls ein düsteres Bild der Zukunft, wenn „alle Zimmerner, die nach Dieburg zur Post fahren, den Schwimmbadweg benutzen, sobald der Stöpsel raus ist“. Schon jetzt würden sich riskante Szenen abspielen, da der Weg als Zugang zum Freibad und den Sportstätten sowie auch als Schulweg genutzt werde.

Bislang sei noch die darüber gesprochen worden, ob man den Bauträger verpflichten sollte, das Wohngebiet mittels eines Blockheizkraftwerks zu versorgen, regte Thomas ein weiteres Thema an. „Mit der Abwärme ließe sich das Schwimmbad heizen“, so seine Vision.

Bis zur nächsten Ausschusssitzung sollen alle Anregungen eingearbeitet werden. Ein wichtiger Punkt ist dabei auch der städtebauliche Vertrag zwischen Stadt und dem Bauherrn, dem Bischöflichen Ordinariat in Mainz. Dieser soll klar regeln, dass die Wohnbebauung nur parallel mit dem Bau des Seniorenzentrums vonstatten gehen könne. Immer wieder hatten Stadtverordnete auch in der Vergangenheit den Verdacht geäußert, dass das Bistum vorrangig an der Veräußerung der Bauplätze interessiert sei. „Wir müssen darauf drängen, dass alles nur gleichzeitig geht“, betonte deshalb Ferdinand Böhm (SPD) noch einmal eindringlich. Ihn überkomme immer wieder das „dumpfe Gefühl, dass das unterlaufen werden soll“.

Weniger Bedenken kamen von Seiten der CDU. „Wir können doch froh sein, dass die Kirche ein Projekt wie das Seniorenzentrum schultert“, sagte Mechthild Pfeil (CDU). Das Beispiel der „Senio“, die in finanzielle Schieflage geraten sei, zeige die Problematik doch überdeutlich.

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