„Wir haben aus den Wintern gelernt“

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Mit 240 Pferdestärken bahnt sich das große Räumfahrzeug seinen Weg durch die verschneiten Straßen.

Dieburg ‐ Der Räum- und Streudienst hat zwar noch genügend Streusalzreserven auf Lager, muss sich aber weiter um Nachschub bemühen. Von Dirk Beutel

Letztes Mal war es schon heftig. Aber diesmal hat der Winter noch eine Schippe drauf gelegt“, sagt Manfred Witzel. Seit fünf Wochen kämpft der Leiter des Bauhofs und seine zehnköpfige Räummannschaft schichtweise rund um die Uhr gegen Schnee, Eis und glatte Straßen in Dieburg. Nur am zweiten Weihnachtsfeiertag musste keiner ausrücken. Alles in allem macht das rund 500 Arbeitsstunden, die der Winterdienst für freie Straßen und Wege investiert hat, inklusive Überstunden versteht sich. Schließlich fällt der Schnee nicht nur zwischen 7 und 16.30 Uhr. Im Vergleich zum Vorjahr habe sich das Arbeitspensum schon jetzt mehr als verdoppelt. Während der Räumdienst letzten Winter erst am 13. Dezember ausrückte, mussten die Bauhofmitarbeiter diesmal schon am 27. November in die Räum- und Streufahrzeuge steigen oder zu Schneeschippe und Besen greifen.

Manfred Witzel weiß, dass der Winter eigentlich erst angefangen hat, trotzdem macht ihm der intensive Einbruch hinsichtlich der Belastung seiner Mitarbeiter einige Sorgen: „Wir stoßen da schon jetzt an unsere Grenzen.“ Davon kann auch Norbert Frank, der hinter dem Steuer des 240-PS starken Räumfahrzeugs sitzt, ein Liedchen singen. Bis jetzt habe er während des Winterdienstes etwa 40 Überstunden angesammelt - und dabei wird es vermutlich nicht bleiben.

Das Salzsilo ist noch gut gefüllt

Auch das Material wird bei so vielen zusätzlichen Dienststunden mehr als sonst beansprucht. Noch am Montag mussten sich die Techniker des Bauhofs um einen undichten Hydraulikschlauch am großen Räumfahrzeug kümmern. Außerdem wurde eine neue Schürfleiste am knallorangefarbenen Riesen fällig. Das habe aber nichts mit hartnäckigem Eis und Schnee zu tun, sondern sei normaler Verschleiß, wie Frank erklärt: „So eine Leiste hält in der Regel nur ein bis zwei Winter.“

Wovon der Bauhof aber vorerst noch genügend besitzt, ist Streusalz. Während in anderen hessischen Kommunen längst alle Reserven aufgebraucht sind und deren Winterdienste auf Rollsplitt umsteigen müssen, können die Dieburger auf gut gefüllte Salzbestände zurückgreifen. Bereits im Sommer hat sich Witzel um das wichtigste Hilfsmittel gegen verschneite und vereiste Straßen und Gehwege gekümmert. Etwa 112 Tonnen wurden eingelagert, davon sind bislang rund 50 Tonnen verstreut worden. „Wir haben aus den vergangenen Wintern gelernt und dementsprechend gut gewirtschaftet“, sagt er.

Die Straßen werden nach diesem Winter vermutlich noch schlimmer aussehen

Auch wenn einige Bauhofmitarbeiter nicht zum Räumdienst eingeteilt wurden, stellt sich ihnen der Schnee in den Weg. So wie den Kollegen, die eigentlich nur die Holzhütten des Glückstalermarktes abbauen sollten.

Trotzdem muss der Bauhofleiter weiter vorausplanen, um die Bestände kontinuierlich stabil zu halten. Er weiß, dass der Markt derzeit hart umkämpft ist. So kam eine am 7. Dezember bestellte Lieferung von 26 Tonnen erst ganze drei Wochen später aus dem Salzkontor in Gronau. Solche Lieferengpässe muss Witzel stets in seine Planungen miteinbeziehen. Auch wenn der Pegel des Salzsilos noch bei rund 60 Tonnen steht, hat er schon vor einer Woche weitere 26 Tonnen in Auftrag gegeben. Auch in dem Wissen, dass sich die Preise stetig nach oben bewegen werden, solange der Winter so hart bleibt und die Kommunen weiter nach Streusalz lechzen. Ganz andere Schwierigkeiten bereitet der Dauerfrost dem Bauhofleiter. Schlaglöcher und Straßenschäden, die noch aus dem letzten Winter stammen, wurden lediglich mit kaltem Asphalt und Sand gestopft. Notdürftiges Flickwerk, das den eisigen Temperaturen aber nicht gewachsen ist und wieder aufzubrechen droht. Witzel rechnet daher mit noch schlimmeren Straßenschäden: „Wir sehen schon jetzt massive Probleme am Nordring, in der Lager- und Groß-Umstädter Straße auf uns zukommen.“ Doch bevor sich die Männer des Bauhofs mit den Hinterlassenschaften des Winters auseinander setzen, rangiert der Räumdienst ganz oben auf der Prioritätenliste. Und das bis in den März hinein.

Für Schneeräumer Norbert Frank kein Problem. Nur dass es immer noch einige unverbesserliche Dieburger gebe, die den Schnee immer noch auf die Straße, statt in den Vorgarten, an einen Baum oder an die Hauswand schieben, mache ihm zu schaffen. Genauso wie zu enge Straßen, in denen das Manövrieren zur Millimeterarbeit wird. Umso mehr haben ihn an Heiligabend die anerkennenden Worte eines Dieburgers gefreut, der sich für die Arbeit des Räumdienstes bedankte. „Solche Momente sind selten, tun aber gut“, sagt Frank.

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