Wird Mühlturm wach geküsst?

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Ein idyllisches Plätzchen ist die alte Stadtmauer mit dem Mühlturm an der Gersprenz.

Dieburg -  Wenn Heimatvereinsvorsitzende Anne Sattig von ihm erzählt, kommt sie ins Schwärmen: „Der Mühlturm ist eine Attraktion für unsere Stadt, die wir nicht vernachlässigen dürfen“, sagt sie. Von Lisa Hager

Schließlich handele es sich dabei um den letzten verbliebenen von vier Ecktürmen der ehemals geschlossenen mittelalterlichen Maueranlage. Den Namen hat der im Jahr 1220 errichtete Rundling von der Erlesmühle, die damals in der Nähe stand. Auf dem Gelände hat das Land Hessen vor über 30 Jahren das Amtsgericht erbaut, der Turm gehörte zum Gelände. 2007 ging er in den Besitz der Stadt über, zuvor hat das Land noch das Dach sanieren lassen. Der Heimatverein hat ihn für vier Jahre von der Stadt gepachtet und möchte das Bauwerk gerne aus dem Dornröschenschlaf wecken.

Wenn es nach Anne Sattig geht, soll er der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Dafür aber sind aufwändige Baumaßnahmen erforderlich, die die Stadt angesichts der angespannten Haushaltslage derzeit nicht schultern kann.

Wenn man so etwas in Erwägung zieht, sollte man die Idee nicht auf den Turm beschränken, sondern durch Rekonstruktionen einen Zusammenhang mit Wehrgang und Stadtmauer herstellen“, nahm Kreisdenkmalpflegerin Liane Mannhardt am Montag im Bauausschuss Stellung zum Thema. Ansonsten bliebe der Turm ein nur für sich allein stehendes „Schmankerl“.

Derzeit sei der Turm nur über den später ebenerdig herausgebrochenen Eingang zu betreten, der ihrer Meinung nach am besten wieder verschlossen werden sollte. Später könnte der Turm über den Wehrgang erschlossen werden, schlug sie vor.

An Eisenleitern nach oben gehangelt

Alle oberen Etagen seien derzeit unzugänglich. Bei einem Ortstermin mit Mitarbeitern des Wiesbadener Landesamts für Denkmalpflege habe man sich über „Eisenleitern nach oben hangeln müssen“, berichtete Mannhardt.

Auf dieser Grundlage, alles in einen breiteren Zusammenhang zu stellen, könne „man über vieles nachdenken“, so die Kreisdenkmalpflegerin. Sie selbst könne aber auch gut mit einem Turm leben, der nicht für die Öffentlichkeit zugänglich sei.

Welche Richtung man auch immer beschreitet - vorerst muss ein bauhistorisches Gutachten und ein genaues Aufmaß des Gemäuers erstellt werden, machte die Kreisdenkmalpflegerin klar. Beides wird zusammen rund 2 800 Euro kosten.

Geld soll über Spenden hereinkommen

Der Heimatverein hatte bereits lange vorher in einem Schreiben an die Stadt signalisiert, Gutachterkosten bis in Höhe von 3 600 Euro zu übernehmen. „Wir werden versuchen, das Geld über Spenden wieder hereinzubekommen“, sagte Sattig gegenüber unserer Zeitung.

Allerdings sollen aus dem Gutachten keinerlei Ansprüche an den Eigentümer, die Stadt Dieburg, abgeleitet werden können. Das soll in einem Vertrag mit dem Heimatverein abgesichert werden.

Mit der Entscheidung über die Zukunft des Gebäudes will der Magistrat laut einer Vorlage so lange warten, bis eine nachhaltige Sicherung des Haushalts erreicht ist. Darüber aber wurde im Ausschuss gar nicht diskutiert. Jetzt sollen erst einmal die Ergebnisse der Bauhistoriker abgewartet werden.

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