Klimaspaziergang des Runden Tischs / Goetheschüler wünschen sich mehr Bäume

„Es wird viel zu schnell gefällt“

Hildegard Stauß zeigt einen Plans des Fechenbachparks, auf dem für jeden gefällten Baum ein Kreuz eingezeichnet ist.

Dieburg – Der Klimawandel ist nicht nur Thema der Bundesregierung oder von Ländern wie China oder den USA. Er beginnt schon in der eigenen Kommune. Das ist die Meinung des Runden Tischs Dieburg (Rudie), die dieser nach außen trägt. VON MICHAEL JUST

Nun lud die Gruppe von etwa zehn politisch interessierten Bürgern zum zweiten Klimaspaziergang ein. Bei der Premiere im April hatte man mit dem Verweis auf die baumlose Steinwüste in der Goethestraße für Beachtung gesorgt. Diesmal ging es vom Marktplatz in den Fechenbachpark, wo der große Verlust an Linden moniert wurde. 38 von 85 Bäumen seien dort zuletzt während der Amtszeit von drei verschiedenen Bürgermeistern umgemacht worden – ohne große Nachpflanzungen. „Durch den städtischen Baumgutachter wird viel zu schnell gefällt, weshalb man von einem Kahlschlag sprechen kann“, monierte Hildegard Stauß. Auch die Kronen der Linden seien teils gekappt und falsch geschnitten worden. Stauß berief sich dabei auf einen anderen, von Rudie beauftragten Experten zum Thema. Ein Plan des Fechenbachparks, auf dem für jeden gefällten Baum ein Kreuz eingezeichnet war, sollte die Situation verdeutlichen.

Auch Stadtverordneter Dr. Albrecht Achilles (FDP) nahm am Klimaspaziergang teil und relativierte einige Aussagen der Klimaschützer. Er sagte, dass die Verkehrssicherungspflicht von Kommunen, wenn es um das Fällen alter Bäume oder einen massiven Rückschnitt zum Verhindern von Astbruch geht, an vielen Orten zu Diskussionen führe. Nicht ganz richtig sei, vom vorschnellen Fällen der Bäume im Park Fechenbach zu sprechen. Im Gegenteil: Von der Stadt hätte es über Jahre viele Maßnahmen zu deren Erhalt gegeben. Es seien schon zu Nicht-Euro-Zeiten viele Tausend D-Mark in die Hand genommen worden. Die Arbeit des städtischen Baumgutachters bezeichnete Achilles als gewissenhaft. Die Bäume wurden genau untersucht. „Oft sieht man von außen nicht, ob der Blitz drinsteckt oder wie hohl ein Baum über die Jahre geworden ist“, sagte er. Auch eine Frau, die im Vorbeigehen dem Klimaspaziergang kurz lauschte, nahm eine andere Meinung als der Rudie ein. Die Linden an der Babenhäuser Stadthalle würden auf gleiche Weise wie in Dieburg auf dem Kirchplatz von St. Peter und Paul geschnitten. „Wenn das in anderen Städten genauso gemacht wird, kann es nicht so falsch sein“, meinte sie. Achilles ergänzte, dass für das Fällen von Bäumen nicht immer die Stadt verantwortlich sei. Etwa entscheide an Bach- und Flussläufen der Wasserverband.

Am Klimaspaziergang nahmen rund 45 Personen teil, darunter einige Goetheschüler. Durch Plakate machten sie mit Lehrer Karl Rupp darauf aufmerksam, dass sie sich mehr Bäume an der Schule wünschen. „Es geht hier nicht um eine Handvoll Pflanzen, sondern um ziemlich viele“, sagte Rupp. Ziel sei es, der Schule eine grünere Note zu verleihen. Dazu wird ein Schulgarten angedacht. Ihr Anliegen wollen die Schüler beim angekündigten Besuch von Landrat Klaus Peter Schellhaas vortragen. Auf die Aussage der Schüler, dass mehr Bäume in die Seitenstraßen der Goethestraße gehören, ging Achilles ebenfalls ein. Er wies darauf hin, dass sich viele Anwohner gegen Pflanzmaßnahmen ausgesprochen haben. Dieses Beispiel belege, dass sich oft zwei Bürgerinitiativen gegenüberstehen. Lösungen könnten nur im Interesseneinklang gefunden werden. Wie schwer das ist, wurde auch auf der Leer deutlich, wo es um die Rasenflächen wie etwa unter dem Taubenhaus ging. Der Rudie fordert, diese nicht zu mähen und so mehr Insektenweiden zu schaffen. Auch dabei prallen Standpunkte aufeinander. Sie beginnen mit der Frage, wie weit man die Natur gewähren lassen sollte, ohne dass die Stadt ungepflegt wirkt.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare