Wohnbaugebiet „Campus“ ist jetzt eingetütet

Dieburg ‐  Zwei Großprojekte, die Dieburg schon seit Jahren beschäftigen, sind jetzt in der letzten Stadtverordnetensitzung des Jahres noch auf den Weg gebracht worden: Zum einen ging die Offenlegung des vor einiger Zeit überarbeiteten Bebauungsplan für das Seniorenzentrum am St. Rochus Krankenhaus mit großer Mehrheit durch (Bericht folgt). Zum anderen ist der ebenfalls überarbeitete Bebauungsplan „Campus“ eingetütet. Bei nur einer Gegenstimme (UWD) und einer Enthaltung beschlossen die Stadtverordneten die Offenlegung der Pläne für eine Wohnbebauung des südlichen Teils der früheren Postfachhochschule. Von Lisa Hager

Die Zeit hatte aber auch gedrängt: Wäre es Bürgermeister Dr. Werner Thomas nicht gelungen, quasi noch „in letzter Minute“ den jetzt tragbaren Kompromiss auszuhandeln, hätte der vor fast zwei Jahren abgeschlossene Vorvertrag zwischen dem Land Hessen und der Telekom zur Wohnbebauung scheitern können - und damit wäre auch der Hochschulstandort Dieburg bedroht gewesen.

Wir sind jetzt wieder Herr des Verfahrens“, freute sich Wilhelm Reuscher (FDP). Man habe einen guten Kompromiss mit dem Immobilienverwalter der Telekom, Corpus Sireo, ausgehandelt, meinte er. Schließlich sei die Maximalforderung von Corpus Sireo 210 Wohneinheiten gewesen, jetzt sei man bei 180 bis 186. „Dieburg ist eine der wenigen Orte, die noch wachsen, diese Entwicklung können wir jetzt mit der Bereitstellung von Bauplätzen fördern“, so Reuscher. Und auch Dieburger könnten sich dort aufgrund der Zuschnitte noch ein Grundstück leisten.

„Wir haben rausgeholt, was möglich war“

Auch für Markus Oberhuber (CDU) stellte sich der Kompromiss positiv da. Man habe erreicht, dass das Hallenbad bis 2019 gesichert sei und die Option einer Erschließungsstraße durch den Wald sei ebenfalls enthalten. „Wir haben rausgeholt, was möglich war“, zeigte er sich zufrieden.

Weniger enthusiastisch sah Herbert Nebel (Grüne) den Kompromiss. Nur weil seine Fraktion auch den Hochschulstandort wolle, stelle man Bedenken zurück. Allerdings sei noch lange kein Baurecht geschaffen. Man müsse jetzt vor allem beim städtebaulichen Vertrag aufpassen, dass die Stadt nicht den Kürzeren ziehe und hohe Folgekosten zu tragen habe. Der jetzige Beschluss sei nur ein Etappenziel, um die bisherige Blockade aufzuheben.

Böhm: Stadt habe keine Garantie für Bebauung und Hochschul-Bestand

Ferdinand Böhm (SPD) bezweifelte ebenfalls, dass man den Beschluss mit „Ende gut, alles gut“ kommentieren könne. Man stimme nur zu, weil man den Hochschulerhalt wolle, sagte er. Im übrigen sei die SPD weiterhin der Meinung, dass sich die Stadt über diesen Vorvertrag, an dem sie gar nicht beteiligt war, habe erpressen lassen. „Und ob dieser Vertrag vor Gericht Bestand haben würde, darf ebenfalls bezweifelt werden.“ Die Stadt habe weder eine Garantie für die Bebauung noch für den Fortbestand der Hochschule, meldete Böhm Zweifel an.

Die SPD verzichtete darauf, über ihre eigenen Anträge zum Campus abstimmen zu lassen. Der Magistrat hätte eruieren sollen, ob das Areal nicht die Stadt selbst hätte entwickeln können. Diese Idee sei aber schon im Vorhinein verurteilt worden.

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