Wohntürme werden verschwinden

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Eine moderne Skulptur spiegelt sich vor Haus 7, einem der drei ehemaligen Studentenwohntürme im Wasser eines Teichs. Die Hochhäuser sollen abgerissen werden, um der neuen geplanten Wohnbebauung Platz zu machen.

Dieburg ‐  Was seit fast 50 Jahren das Dieburger Stadtbild mitgeprägt hat, wird in naher Zukunft verschwinden: Der Landkreis hat inzwischen die Abbruchgenehmigung für die drei bis zu 65 Meter hohen Wohntürme erteilt, in denen zu „IngAk“-Zeiten mehrere tausend Studenten lebten.  Von Lisa Hager

Die Wohntürme, die seit rund zehn Jahren leer stehen, können aus Umweltgründen nicht gesprengt werden - sie müssen abgetragen werden. Die „Sireo“ hat die Planungen für den Abriss vorbereitet, sodass er von einem Käufer umgesetzt werden kann.

Auch der Bebauungsplan „Campus“, den die Stadtverordneten in der letzten Sitzung der vergangenen Wahlperiode verabschiedet haben, ist inzwischen rechtskräftig. CDU, FDP und SPD hatten der vorgelegten Satzung zugestimmt. Grüne und UWD votierten gegen den Bebauungsplan.

Erhalt des Hochschulstandorts Dieburg vereinbart

Damit kann der Telekom-Immobilienverwalter „Corpus Sireo“ das rund zehn Hektar große ehemalige Telekom-Areal jetzt verwerten. Im Gegenzug hatten das Land Hessen als Hochschulträger und die Telekom in einem Vertrag den Erhalt des Hochschulstandorts Dieburg vereinbart (wir berichteten mehrfach). Bürgermeister Dr. Werner Thomas hatte sich in der letzten Parlamentssitzung vor der Kommunalwahl deshalb auch ausdrücklich bei der Mehrheit bedankt, dass sie den Weg mitgegangen sei, „damit Dieburg dieses wichtige Alleinstellungsmerkmal behält“. Das wichtigste Ziel bei den langen und oftmals schwierigen Verhandlungen sei der Erhalt der Hochschulstandorts gewesen.

Auf dem Gelände der ehemaligen „Ingenieurakademie der Deutschen Bundespost“ soll ein zentrumsnah gelegenes Wohnquartier mit rund 5,9 Hektar Nettobauland und bis zu 180 Grundstücken für Doppel-, Reihen- und Einzelhäuser entstehen. Darüber hinaus sieht das Projekt „Wohnen im Park“ laut „Sireo“ auch Flächen zur Realisierung von Eigentumswohnungen vor.

Weitere Flächen können nun vermarktet werden

In direkter Nachbarschaft zur Hochschule ist zudem ein etwa 0,8 Hektar großes Mischgebiet Teil des Areals, das sich zur Ansiedlung von Einzelhandel (bis zu 1 000 Quadratmeter Verkaufsfläche), Gastronomie und hochschulnahen Dienstleitungen (beispielsweise Start-Ups, studentisches Wohnen) eignet.

Bereits 2009 hatte „Sireo“ rund 12,3 der insgesamt 22,7 Hektar großen Liegenschaft an das Land Hessen veräußern. Mit Schaffung des Planungsrechts für das verbleibende Areal ist nun der Weg frei, die weiteren Flächen zu vermarkten.

Neben den Neubauflächen werden 2,5 Hektar parkähnliche Grünanlagen mit zentraler Campuswiese und zwei Wasserflächen erhalten. Das Grundstück grenzt direkt an den Campus des Fachbereichs Media der Hochschule Darmstadt, die in Dieburg eine Außenstelle mit rund 1 900 eingeschriebenen Studenten unterhält.

Siegerentwurf von Architekturbüro „happarchitecture“

Grundlage für das Planungsrecht ist ein städtebaulicher Entwurf, der aus einem Wettbewerbsverfahren hervorging, an dem sich elf Stadtplanungs- und Architekturbüros in Zusammenarbeit mit Landschaftsarchitekten beteiligten hatten. Der Siegerentwurf stammt von dem Architekturbüro „happarchitecture“, Frankfurt am Main, das für den Entwurf mit dem Stadtplanungsbüro Dr. Thomas, Bad Vilbel, zusammengearbeitet hatte.

Kritiker der weiteren Entwicklung hatten im Stadtparlament immer wieder moniert, dass man sich mit dem schließlich gefassten Beschluss zu weit von den ursprünglichen Vorgaben des Wettbewerbs entfernt hätte. Die Grünen hatten beispielsweise unter anderem auch angebliche Mängel bei den Ausgleichsmaßnahmen zum Naturschutz moniert.

Möglichkeit einer Stichstraße zur K 128 prüfen

Beschlossen hatte die Stadtverordnetenversammlung nach langen Debatten mehrheitlich aber nicht nur den Bebauungsplan für das Gelände, sondern - mit den Stimmen von CDU und FDP - eine Option, die die Verkehrserschließung des Gebiets betrifft. Demnach ist vorgesehen, die Möglichkeit einer Stichstraße zur K 128 zu prüfen. Diese soll im Osten des Areals auf der Trasse der Straße „Auf dem Campus“ verlaufen, um die Max-Planck-Straße im Wohngebiet zu entlasten.

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