Zu viele Gänse am Wolfgangsee

Karpfen zieht in saubere Gersprenz um

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Dieburg - Einen Karpfen mit 16 Kilo Lebendgewicht hat Karl-Heinz Weber (77) aus dem Wolfgangsee gezogen. Der erfahrene Angler hat aber auf ein Fischessen für die ganze Familie verzichtet und den Fisch in der Gersprenz ausgesetzt. Grund: Zu viel Gänsekot am und im See. Von Lisa Hager 

„Quicklebendig schwamm er davon“, beschreibt Karl-Heinz Weber den Abschied von seinem kapitalen Fang von 16 Kilo und 78 Zentimetern Länge. Der Petrijünger ist schon rund 60 Jahre im Angelsportclub Dieburg (ASC) aktiv. „Ich habe ihn bewusst nicht geschlachtet, sondern ihn in der Gesprenz ausgesetzt“, sagt er. Das Fließgewässer habe nämlich eine weit bessere Wasserqualität als der Wolfgangsee. Das stehende Gewässer hat nicht nur mit dem ab der Vegetationsperiode versiegenden Zufluss und der im Sommer geringen Wassertiefe von nur rund 60 Zentimetern zu kämpfen. Immer mehr wird das Gewässer zum Lebensraum von Wildgänsen. Hauptsächlich Graugänse, aber auch Nilgänse und Kanadagänse haben den See für sich entdeckt – mit steigender Tendenz. „An manchen Tagen im Frühjahr sind um die 70 Tiere da“, bestätigt auch Werner Binder, Vorsitzender des ASC.

Und das ist auch der Grund, warum Weber auf ein Karpfengericht verzichtet hat. „Wenn ein Fisch in einem Gewässer, das wie auch sein Ufer fast nur noch aus Gänsekot besteht, verdient er es weiterzuleben“, sagt er. Aber den Anglern ist die Invasion der Gefiederten nicht nur aus Eigeninteresse ein Dorn im Auge. „Jeder Spaziergänger oder Spielplatzbesucher fragt sich doch, wie hoch der Bestand an Wildgänsen noch werden soll“, sagt Weber. Und auch Binder bestätigt die Verschmutzungen im Spiel- und Freizeitbereich, wo Kinderspielgeräte und Bänke stehen.

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Hinzu käme als Problem noch, dass etliche Unbelehrbare weiterhin altes Brot in den See schmeißen. „Das ist aber doch für die Tiere!“, hören dann die Angler als Argument. Wenn es im Sommer dann sehr warm wird, droht der See – auch wegen der geringen Wassertiefe – schnell umzukippen. So geschehen, das letzte Mal vor drei Jahren, als es zu einem verheerenden Fischsterben kam.

Was aber kann man tun, um dem Wolfgangsee wieder mehr Luft zum Leben, aber auch mehr Freizeitwert zu verschaffen? Vor zwei Jahren hat es ein großes Treffen aller Beteiligten gegeben – Stadt, Angler, Untere Naturschutzbehörde. Einig war man sich darin, dass der See ausgebaggert werden müsste. Die Kosten von um die 500.000 Euro sind aber nicht zu stemmen. Und wie sieht es mit verstärkter Bejagung der Gänseschar am Wolfgangsee aus? „Das Problem ist, dass die Schonzeit der Gänse schon läuft, wenn sie sich hier am See einfinden“, sagt Binder. Einzige Möglichkeit, dem See zu helfen, ist momentan, die Lüfter einzuschalten, die das Wasser mit Sauerstoff anreichern. „Die laufen aber schon seit Mitte Mai“, sagt Binder.

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