Würfel ist Meisterstück eines Steinmetzes

Rätselhaftem Kubus steht Happy End bevor

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Steinmetzmeister Bernhard Klingenberg findet es schade, dass sein Meisterstück, der steinerne Würfel, auch nach 40 Jahren noch „namenlos“ im Schlossgarten liegt.

Dieburg - Ein Meisterstück liegt schon über 40 Jahre namenlos im Schlossgarten. So mancher Besucher hat sich bestimmt schon gefragt, was es mit dem Steinkubus auf sich hat, der dort im vorderen Bereich liegt – ohne Aufschrift, ohne Bezeichnung. Der DA hat das Rätsel jetzt gelöst. Von Stephanie Stiefler 

Immer wieder sieht man Besucher des Schlossgartens vor dem Steinkubus stehen und rätseln. Keinerlei Inschrift gibt Aufschluss über dessen Herkunft. Wer sich dem Schlossgarten aus Richtung Innenstadt nähert, trifft gleich nach Überqueren des Festplatzes auf einem Stück Rasen auf dieses steinerne Kunstwerk in Würfelform. Aber während für etliche Bäume des Parks erläuternde Schilder angebracht sind, ist hier keines zu finden. So hat dieser Koloss sicherlich schon so manchem Besucher des historischen Schlossgartens Rätsel aufgegeben. Nach Hinweisen der Vorsitzenden des Dieburger Heimatvereins, Maria Bauer, konnte die Geschichte des Kubus aus dem Schlossgarten nun in Erfahrung gebracht werden.

„Der steinerne Würfel ist mein Meisterstück. Er entstand im Jahr 1975, liegt jetzt also seit gut 40 Jahren im Schlossgarten“, erzählt Bernhard Klingenberg bei einem Treffen im Schlossgarten. Er ist gebürtiger Dieburger und war damals Steinmetz-Geselle bei der Firma Adalbert Senge (später Firma Senge-Christ), die vielen Dieburgern sicherlich noch ein Begriff ist. „Ich war der erste Lehrling von Adalbert Senge. Die Lehre absolvierte ich von 1963 bis 1966. Ab 1973 besuchte ich dann die Meisterschule für das Steinmetz- und Bildhauerhandwerk in Aschaffenburg“, so Klingenberg weiter.

Im April 1975 war sein Meisterstück, ein Steinkubus aus Muschelkalk-Kernstein, mit der imposanten Seitenlänge von einem Meter und gut zwei Tonnen schwer, fertiggestellt. Gemeinsam hatten Firmeninhaber Adalbert Senge und der frisch gebackene Steinmetz-Meister Klingenberg dann die Idee, das Kunstwerk der Stadt Dieburg zu schenken. So kam der Koloss, der an den Seiten mit an Wellen erinnernden Ornamenten verziert ist, in den Schlossgarten. In der Zeitung war damals am 26. April 1975 zu lesen: „Der Stein wurde vorerst im Schlossgarten, nahe dem Festplatz, aufgestellt. Die Gremien der Stadt müssen über den endgültigen Standort noch entscheiden. Das Geschenk kam zu überraschend.“

Dabei blieb es bis heute. Auch ein Brief eines Dieburger Bürgers vom Oktober 2002 an den damaligen Bürgermeister Peter Christ mit der Bitte, nach über 25 Jahren für das „achtlos einfach nur so im Schlossgarten in der Nähe der Toilettenanlage herumstehende Kunstwerk einen geeigneten Standort zu finden und diesem so mehr die ihm gebührende öffentliche Beachtung zukommen zu lassen“, änderte nichts an der Situation.

Mittlerweile ist Bernhard Klingenberg Rentner. Der Firma Senge-Christ ist er sein gesamtes Arbeitsleben lang treu geblieben. Dass sein Meisterstück noch eine Würdigung durch die Stadt Dieburg erfährt, damit hat er schon lange nicht mehr gerechnet. Aber genau das wird demnächst passieren. Laut Ulrike Posselt vom Dieburger Kulturamt soll ein erläuterndes Schild angebracht werden. Da scheint sich ein Happy End anzubahnen.

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