„Wurden quasi in den Rohbauzustand versetzt“

+
Neue Funktion, andere Aufteilung: Für die neuen naturwissenschaftlichen Fachräume werden im Hauptgebäude der Goetheschule ganze Wände versetzt.

Dieburg ‐  Zurzeit steht das traditionelle Schulgerät auf dem Abstellgleis. Die gute alte Pilontafel wurde abgehängt und an die Wand gestellt. Überall hängen Kabel aus der Decke, die Wände sind eingerissen, Schläuche und Holzlatten liegen auf dem nackten Estrichboden und die Luft ist mit Staub gefüttert. Von draußen mischt sich pressender Baulärm über sanfte Klavierklänge, die aus dem Musikraum kommen. Von Dirk Beutel

Während die Schüler der Goetheschule in Mathe und Deutsch unterrichtet werden, befindet sich die Grundsanierung im Inneren des Hauptgebäudes derzeit in vollem Gange. Mehr noch: Ein erstes Etappenziel wurde bereits am Freitag erreicht und damit im Programmplan - die Schule ist nach Angaben einer offiziellen Schadstoffmessung nun asbestfrei. Eine Bauwerksuntersuchung im letzten Jahr ergab, dass der in den fünfziger Jahren verlegte Bodenbelag mit einem asbesthaltigen Kleber bearbeitet wurde.

Auch das Büro von Schulleiterin Annegret Schnitzke-Haas ist vom Umbau gezeichnet: Neben Dokumentenstapeln und Aktenordnern türmen sich die Umzugskartons. Durch die Bauarbeiten wurden nicht nur acht Klassen in provisorische Klassencontainer untergebracht (wir berichteten), auch für das gesamte Lernmaterial mussten neue Lagerorte gefunden werden.

„Unterricht wie aus dem Lehrbuch“

Neben der aufwendigen Grundsanierung bekommt das Gebäude, eine vollkommen neue Raumaufteilung und Funktion. „Hierfür wurden wir im Grunde zurück in den Rohbauzustand versetzt“, ergänzt Schnitzke-Haas. In Absprache mit der Schulverwaltung und dem Landkreis als Schulträger wurden die Umbauplanungen vom Darmstädter Architektenbüro Cornelsen und Seeliger vorgestellt. Demnach wird jedes der drei Geschosse eigens für naturwissenschaftliche Fächer eingerichtet und ausgestattet. Weil die alten Wände durchgebrochen wurden, sind die Räume um ein vielfaches größer. Von früheren rund 50 auf jetzige 86 Quadratmeter. In den neuen Fachräumen soll Biologie, Physik und Chemie auf der Tagesordnung stehen.

Dank des neuen Equipments können wir fächerübergreifenden Experimentalunterricht wie aus dem Lehrbuch praktizieren“, strahlt Schnitzke-Haas. Neben einem Vorbereitungslabor für die Lehrer, mobilen Tischreihen, Active Boards und Laptopwagen für die Schüler wurde auch an die Sicherheit gedacht: „Durch die frühere Raumenge wurden die Ranzen, Taschen und Jacken auf den Boden geworfen. Bei Chemieexperimenten in einem Labor kann das eine Unfallquelle darstellen“, erklärt die Schulleiterin. Nun soll es endlich eine Garderobe geben. Bis zum Ende der Sommerferien, so die Planung, sollen die Arbeiten abgeschlossen sein und das Gebäude wieder beziehbar sein.

Spielraum für Streiche

Für die Schüler in den Containern ist diese Ausnahmesituation eine willkommene Abwechslung. Denn der harte Winter bot Spielraum für Streiche: „Nach einer Schulstunde rissen die Schüler die Containerfenster weit auf und die Wärme ging nach draußen. Als der nächste Kollege mit dem Unterricht beginnen wollte, bibberten und jammerten die Schüler, dass es zu kalt und die Heizung kaputt ist und man sie doch bitte nach Hause schicken soll“, erzählt Schnitzke-Haas schmunzelnd. Allerdings ohne Erfolg - anders als bei Heinz Rühmann in der „Feuerzangenbowle“.

Kommentare