Wurm ohne Reibungsverluste

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Auch närrischer Trubel wie der Dieburger Fastnachtszug will gut organisiert sein. Darüber sprachen am Dienstagabend der KVD und 99 Vertreter der hiesigen Zuggruppen.

Dieburg ‐ Brezelverkäufer haben in Dieburg keine Lobby. Zumindest nicht, wenn sie ihre Ware an den Fastnachtszügen und mobil verkaufen wollen. Mit Stand wäre okay, beschied das Ordnungsamt Dieburg. Laut KVD-Präsident Friedel Enders hätten das aber auch in diesem Jahr einige der Händler ignoriert - mit der Folge einer empfindlichen Strafe. Und überhaupt: Man könne gut auf die Produkte der Brezelverkäufer verzichten, die diese ohnehin schon zwei Tage vorher andernorts feilgeboten hätten. Von Jens Dörr

53 Minuten lang dauerte es am Dienstagabend, bevor das Bäckereierzeugnis in der „Ludwigshall“ zur Sprache kam. Die vorher angesprochenen Punkte waren ebenfalls einigermaßen gesalzen, wenn auch eher sinnbildlich. Und bis dato hatten Enders und die handgezählten 99 närrischen Vertreter der Dieburger Zuggruppen auch auf Brezelverkäufer-feindliche Polemik verzichtet.

Um den formidablen Dieburger Fastnachtszug ging es - und darum, was zuletzt nicht mehr ganz so formidabel ablief. Der Umzug am Fastnachtsdienstag lockt jährlich mindestens 30 000 Zuschauer aus Nah und Fern an. Wenn aber immer wieder große Lücken zwischen und innerhalb der Gruppen auftauchen, wenn allzu viele Stopps den Fluss behindern, wenn allzu laute Bedröhnung das Trommelfell verletzt und wenn ein Brezelverkäufer nach dem anderen mit seinem Wagen über die Füße rollt, ist das Publikum nicht mehr ganz so amüsiert.

Umzug nicht mehr durch die Zuckerstraße

Diese Punkte waren es im Kern, die der KVD unter dem Nicken und Applaus seines Fußvolks am Dienstag ansprach. Vor allem aber: Der Karnevalverein teilte den Gruppen eine wesentliche Änderung fürs Jahr 2011, wenn der Umzug erst Anfang März stattfindet, mit. Unter anderem die Zuckerstraße hat man als Nadelöhr ausgemacht, die für Verzögerungen beim Ablauf sorgt. Lösung: Die Zuckerstraße fliegt 2011 raus aus dem Zugweg. Sobald der Zug den Steinweg an der „Brückenmühle“ verlässt, biegt er im kommenden Jahr nach rechts ab. Über den Postkreisel und die Straße Hinter der Schießmauer setzt sich der Zugweg dann fort, ab der Ringstraße - vor der dann der neue weitere Kreisel passiert werden muss - verläuft er wieder wie gewohnt.

Andere Vorschläge für eine Änderung des Zugwegs seien nach Gesprächen mit Polizei und Feuerwehr verworfen worden, erklärten Friedel Enders und auch Zugmarschall Rainer Hackenberg.

Gruppendisziplin ein Manko

Ansonsten ging es mal wieder um die Gruppendisziplin: Wenn die Mitglieder trödeln und ihre Gruppe auseinanderreißen lassen würden, gingen etliche Zuschauer vorzeitig heim. „Das Prinzenpaar sieht nur noch die Hälfte der Zuschauer“, hat Enders bereits jetzt eine konkrete negative Konsequenz ausgemacht.

Man werde sich das noch intensiver anschauen und bestimmte Gruppen bei solchen Vorfällen zukünftig auch vom Zug ausschließen. Dasselbe gelte für Gruppen mit unpassender oder belästigender Musik. Sei die nicht angemeldet und die Gema spreche beim KVD vor, werde dieser die fälligen Nachzahlungen eins zu eins an die Gruppen weitergeben. Nur etwa 15 hätten zuletzt keine musikalische Untermalung mitgeführt.

Keine Stopps - keine Verzögerungen

Unterschiedliche Meinungen wurden zu den bisher eher mäßig erfolgreichen Zwangs-Stopps während des Umzugs kundgetan: Ohne Stopps sei vielleicht ein besserer Fluss gewährleistet, merkte ein Vertreter der Sängerlust an.

Eine Vertreterin der Notenschnuffler schlug vor, einerseits die Größe der Lkw zu reduzieren - diese bereiten in engen Kurven Probleme. Zudem könne man die Zuschauer vorab informieren, zu welchen Zeiten der Zug in etwa welchen Ort erreiche.

Absperrgitter statt Zugordner

Noch einmal mit Nachdruck wiesen Hackenberg und Enders darauf hin, dass die Wagen frühzeitig ihre Stellung im Burgweg beziehen sollen und nicht auf den letzten Drücker hinein gefahren werden dürfen.

Da man nicht so viele Zugordner wie nötig akquirieren könne, wird es am vielleicht brisantesten Punkt - der „Brückenmühle“ - im nächsten Jahr Absperrgitter geben.

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