Caritas-Aktion: Landtagsabgeordnete Kordula Schulz-Asche informierte sich im Dieburger Altenheim

Zeitmangel belastet Personal und Bewohner

Mehr Zeit für das Gespräch mit den Heimbewohnern, wie sie sich hier die Landtagsabgeordnete Kordula Schulz-Asche nimmt, hätten auch die Pflegekräfte gerne.

Dieburg - „Trocken, satt, zufrieden“, mit diesen Stichworten fasst Altenpflegerin Olga Seipel die Mindestanforderung an die Versorgung der Bewohner im Dieburger Altenheim zusammen. Damit ist gewährleistet, dass die Senioren ausreichend gepflegt und versorgt sind, allerdings bleibt bei 65 Bewohnern und sechs Pflegekräften pro Schicht für die betreuende Seite wie etwa Gespräche und Zuwendung kaum noch Zeit.

Und das ist nicht nur im Dieburger Heim so. „Jetzt schlägt's 13!“, betitelte die Caritas deshalb auch ihre Aktion, bei der am Montag in mehreren Bundesländern Politiker in die örtlichen Pflegeheime eingeladen wurden, um sich selbst ein Bild von den Zuständen zu machen. In Dieburg besuchte Landtagsabgeordnete Kordula Schulz-Asche (Grüne) das Altenheim der St. Rochus Stiftung.

Wieviel Zeit es alleine kostet, die Bewohner, die nicht mehr selbstständig ihr Mittagessen zu sich nehmen können, zu versorgen, konnte die gelernte Krankenschwester bei einem Besuch im Speisesaal miterleben. Doch auch die Bewohner wussten den hohen Besuch zu nutzen und baten Schulz-Asche zum Gespräch an ihren Tisch. „Am Ganzen ist ja nichts zu ändern“, zeigte sich etwa ein Sprecher der Bewohner, Roland Jung, bescheiden, „aber die ein oder andere Schwester mehr wäre schon gut“.

„Die Betreuung von alten Menschen darf nicht nur eine Kostenfrage sein“, betont auch die Politikerin. „Man muss das würdevoller gestalten“. Angesichts von Taktzeiten, die den Pflegern etwa zehn Minuten für das Ankleiden eines Bewohners und drei Minuten für einen begleiteten Toilettengang einräumen, ist allerdings von Würde wenig zu spüren. „Es ist eine Belastung für uns und die Bewohner, dass wir zu wenige sind“, sagt Heipel, die sich an keinen Tag erinnern kann, an dem sie ihren Arbeitsplatz einmal pünktlich verlassen hat. Bei der Betreuung von Menschen kann man eben nicht nach Minuten rechnen und schon gar nicht, wenn niemand da ist, der die Aufgabe sonst übernehmen könnte.

„Wir sind ein christliches Haus“, erklärt auch Heimleiterin Marita Averbeck, „die Menschen, die hier arbeiten, tun das, weil sie für alte Menschen da sein wollen“. Die Schere von Anspruch und Wirklichkeit klaffe aber immer weiter auseinander.

Mehr Pflegekräfte wären nötig, um dem Anspruch wieder gerecht werden zu können.

Eine wichtige Forderung, die sich auch die Landtagsabgeordnete gleich auf ihrem Notizblock notiert, ist die, das Zusammenspiel an den Schnittstellen zwischen anderen Institutionen (etwa den Kassen) und den Altenheimen besser zu koordinieren. Hier gehe viel Zeit und Energie für bürokratische Vorgänge verloren. Die Zeit, die hier eingespart werden könne, käme dann wieder der Betreuung der Bewohner zugute.

Schulze-Asche sichert den Pflegekräften des Dieburger Altenheims am Ende ihres zweistündigen Besuchs ihre Unterstützung zu. Hat sie in dieser Zeit doch den Eindruck gewonnen, dass hier eine Betreuung stattfindet, die den Umständen entsprechend gut ist. Die fürsorgliche Betreuung der Bewohner ist vor allem auch auf das gute Zusammenspiel der Pflegekräfte zurückzuführen, lobt Averbeck. Und auch das Engagement der rund 40 Ehrenamtlichen im Seniorenheim helfe, so manche Lücke zu schließen. „Die Bewohner hätten sicherlich weniger Lebensqualität, wenn wir die Ehrenamtlichen nicht hätten.“ Doch die Lücke zwischen der Zeit, die das Pflegepersonal für eine tägliche Betreuung bräuchte, und der tatsächlich vorhandenen können auch sie leider nicht füllen.

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