Zigtausende Menschen bei der 33. Auflage

Dieburger Martinsmarkt: „Sonntags kommt die Welt!“

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Das gab es auch beim Martinsmarkt: Ausnahmsweise mal nicht historisch angehaucht war dieser verkleidete Ballonkünstler.

Dieburg - Der Martinsmarkt lockt die Massen in die Innenstadt. Dafür sorgt ein gutes Angebot, authentische Aussteller und die offenen Türen der Geschäfte. Das vorweihnachtliche Markttreiben lohnt sich für (fast) alle Seiten. Von Jens Dörr 

Mit einer Oscar-Verleihung (siehe Artikel unten) begann der 33. Dieburger Martinsmarkt des Gewerbevereins am Freitagnachmittag und endete am Sonntagabend mit dem Abschlusskonzert des Sängerlust-Chors DaChor sowie dem Ensemble Feel Harmony in der Stadtpfarrkirche St. Peter und Paul. Als die letzten Töne unter der Leitung von Werner Utmelleki verklangen, stand nach einem Wochenende mit etlichen Attraktionen, bestem Marktwetter und zigtausenden Besuchern in der Innenstadt einmal mehr fest: Der Martinsmarkt lohnt sich für (fast) alle Seiten.

Zunächst das Wasser im Wein: Nicht unterschlagen sei hier, dass den Autor dieser Zeilen im Vorfeld des Ereignisses E-Mails von Innenstadt-Bewohnern erreichten, die den mit derlei Veranstaltungen verbundenen Lärm thematisierten. Manchem sei es in Dieburgs Zentrum inzwischen einfach zu viel an Events, die die Menschenmassen in die City brächten und an denen auch musiziert werde. Am Wochenende war das zum Beispiel beim Konzert der Münsterer US-Style-Rocker von Rabaz im „Krone Keller“, durch Panflöten-Musik in der Zuckerstraße, am Stand der Dieburger Musikanten und an jenem von DJ Robby sowie durch die Eppertshäuser Saytensprung-Folker auf der Marktplatz-Bühne der Fall.

Eine stimmungsvolle Atmosphäre schufen viele Angebote des Mittelalter-Markts im Fechenbach-Park.

Kaum aus dem Mittelalter-Markt im Fechenbach-Park heraus drangen allerdings die in überschaubarer (und überhörbarer) Lautstärke vorgetragenen Stücke des Quartetts Gugelhupf, das das Treiben erstmals mit Musik aus dem Hochmittelalter und Schalmei, Drehleiern sowie Schalumeau, einer Art Klarinette, bereicherte. Kajetan Kunert, der sich am späten Freitagabend heiser gesungen hatte, war äußerst angetan von der Atmosphäre im Park: „Das ist ein wirklich schöner Markt hier, auch mit wirklich vielen guten und authentischen Ausstellern, etwa aus dem Handwerk.“ Zu ihnen zählte erstmals Schuhmacher Sarper Kara: „Ich glaube, nächstes Jahr komme ich wieder“, kündigte er an, als der Markt längst noch nicht vorüber war. Bei Ritter Jürgen von Bergen im Lager der „Freyen Wölfe vom Caternberg“ ließ auch ein Erwachsener nicht locker, ehe er im Kettenhemd steckte. Lohn für die historische Darstellung des Lagerlebens im Mittelalter, auch durch eine zweite Gruppe, waren meist jedoch leuchtende Kinderaugen.

Kaum vor Gästen retten konnten sich am Freitag und Samstag zu späterer Stunde vor dem Rathaus die Franzosen aus Dieburgs Partnerstadt Aubergenville, wo der Calvados in Strömen floss. Auch für einige Vertreter aus Dieburgs tschechischer Partnerstadt Mladá Boleslav ist der Martinsmarkt ein fixer Termin, um mal wieder die Freunde in Südhessen zu besuchen.

Am Stand der Dieburger Musikanten erntete der Verein, der seit Jahren damit kokettiert, gar nicht selbst zu musizieren, viel Lob für seinen erstmals in die Tat umgesetzten Plan, auf Getränke aus Plastikbechern komplett zu verzichten. Dieburger Bier gab’s dort wie an drei weiteren Ständen von Fastnachtsgruppen ebenfalls. Am östlichen Ende der Zuckerstraße präsentierte das Team um Eric und Dennis Braunwarth das „Dieburger Unfiltriert“ als dritte Sorte des nach einem halben Jahrhundert auferstandenen „Löwen-Bräus“.

Martinsmarkt in Dieburg: Bilder

Auch für andere Händler der Innenstadt – deren Geschäfte der Gewerbeverein trotz der Verpflichtung von Musikern, Handwerkern, Gauklern und insgesamt 150 Budenbetreibern mit dem Martinsmarkt letztlich fördern möchte – lohnt sich die Veranstaltung Jahr für Jahr.

„Es wird nicht nur geguckt, sondern auch gekauft“, freute sich Mirja Sauerwein, die die „Stylefabrik43“ sowie seit ein paar Monaten auch „SchuhSchuh“ in der Fußgängerzone betreibt. „Freitags kommen vor allem die Dieburger, samstags schon etwas mehr Auswärtige – und sonntags kommt die Welt!“

Auch Simone Enders von „Getting Dressed“ hob hervor: „Der Martinsmarkt ist für uns neben dem Maimarkt – und alle zwei Jahre der Blauen Nacht – die stärkste Veranstaltung.“ Blöd sei an diesem arbeitsreichen Wochenende, das auch diesmal mit dem verkaufsoffenen Sonntag in der Innenstadt auf die Zielgerade ging, nur eins: „Dass man am nächsten Tag wieder fit für die Arbeit sein muss und nicht selbst mitfeiern kann.“

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