Bürgermeister stellt die Weichen fürs kommende Jahr

Zukunft des Rochus-Areals: Ziel ist ein Gesundheitscampus

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Symbolbild

Dieburg - Die Realisierung eines Gesundheitscampus’ auf dem Areal des St. Rochus Krankenhauses hat sich Bürgermeister Dr. Werner Thomas fürs kommende Jahr auf die Agenda gesetzt. Von Lisa Hager 

Die Weichen dafür hat er in zahlreichen Vorgesprächen mit der Eigentümerin des Areals, der Stadt Darmstadt, und einer Präsentation in der Stadtverordentenversammlung gestellt. „Wir müssen Dieburg als Gesundheitsstandort unbedingt erhalten“, setzte Thomas als große Überschrift am Donnerstagabend über seine Präsentation vor den Stadtverordneten und vielen interessiert zuhörenden Bürgern. Aber er stellte eingangs auch klar, dass „Rettungsversuche für das Krankenhaus in seiner früheren Form keinen Sinn machten“. Er wolle in dieser Hinsicht keine falschen Hoffnungen wecken: „Das Krankenhaus ist weg – basta!“ Es gehe auch nicht darum, reguläre Krankenhausbetten, die das Land Hessen im kleinen Dieburg nie mehr genehmigen würde, durchs Hintertürchen wieder einzuführen. Vielmehr zielten die vorgestellten Ideen auf eine langfristige Perspektive für das innerstädtische Areal ab. Dem Rathauschef schwebt dort eine Art „Gesundheitscampus“ unter Einbeziehung von betreutem und inklusivem Wohnen vor. Auch die Integration des Altenzentrums St. Rochus – derzeit in dem sanierungsbedürftigen Gebäude in der Gerhart-Hauptmann-Straße ansässig – schloss er auf Anfrage des CDU-Fraktionsvorsitzenden Renee Exner nicht aus.

Schon seit längerem ist der Verwaltungschef in regem Gesprächsaustausch mit dem Leiter des Klinikums Darmstadt, Clemens Maurer, und Stadtkämmerer André Schellenberg, dem zuständigen Klinikdezernenten. Wie mehrfach berichtet, hat Investor Ulrich Scheinert das Rochus für eineinhalb Jahre bis Ende 2017 gemietet. Seit Oktober können die Dieburger Fachärzte – einst als Belegärzte am Rochus tätig – in einem neu gegründeten OP-Zentrum dort auch wieder ambulant operieren. Und das Angebot wird angenommen.

Thomas schwebt unter anderem der Ausbau dieses OP-zentrums vor, das durchaus auch von größeren Kliniken wie Darmstadt oder Groß-Umstadt, die ambulante OP-Kapazitäten suchten, genutzt werden. Wichtig sei es, die Fachärzte in Dieburg zu halten, daher müsse auch ein Ärztehaus angeboten werden. Durch die Vernetzung von Praxen könne man auch die Arbeitszeiten der Mediziner flexibler, familienfreundlicher und damit attraktiver machen.

Insgesamt orientiert sich Thomas am Bild einer „medizinisch betreuten Pension“, wie sie in England unter dem Namen „Cottage Hospital“ bekannt ist. In dem man betreutes, barrierefreies und inklusives Wohnen anbiete, folge zwangsläufig eine Nachfrage nach einem Pflegebettenangebot, das man dann bei Bedarf in Anspruch nehmen könne wie in einem Seniorenheim. Dieser Bereich könnte beispielsweise unter dem Dach einer Sozialstation oder einer anderen ähnlichen Einrichtung angesiedelt werden. Therapie- und Reha-Angebote würden dazu kommen. „Apotheken und ein gutes Sanitätshaus – das ist ja schon alles da in Dieburg“, so Thomas.

Als Beispiel für ein derartiges Zentrum, das schon erfolgreich in Betrieb ist, nannte Thomas den Gesundheitscampus Sauerland im früheren St. Marien-Hospital in Balve. Die Stadtverordneten sprachen sich nach einer Anregung von Wilhelm Reuscher (FDP) dafür aus, den dortigen Betreiber in eine Sitzung einzuladen, wo er Fragen rund ums Thema beantworten soll. Und wie sieht der zeitliche Fahrplan für das Projekt aus? Bis März, so Thomas, könnte die Stadt einen belastbaren Bebauungsplanentwurf fürs Rochus-Areal aufgestellt haben. Dann würde die Stadt Darmstadt in ein Marktfindungsverfahren einsteigen, um mögliche Käufer und Investoren auf das Projekt aufmerksam zu machen.

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