Fünf Monate hat die junge Dieburgerin Yvonne Rabea Gutmann in Haiti geholfen

Zurück in der alten Heimat

Beim Aufbau einer Schule, die vom Kindergarten bis zum Abitur führt, hat die junge Dieburgerin Yvonne Rabea Gutmann ihrer Tante in Haiti geholfen. - Foto: p

Dieburg - Fünf Monate hat die Dieburgerin Yvonne Rabea Gutmann in Haiti bei ihrer Tante Anneliese Gutmann verbracht (wir berichteten). Seit Mitte März ist sie nun wieder zu Hause – und sieht vieles mit anderen Augen.

„Obwohl ich in Deutschland aufgewachsen bin und somit die Lebensweise und –gewohnheiten kenne, ist es für mich jetzt, nach nur fünf Monaten in Haiti, ein anderes Land, in das ich zurückgekommen bin“, so ihr Resümee.

Haiti zählt zu den ärmsten Ländern der Welt, mit einer Analphabeten Rate von über 50 Prozent und Arbeitslosigkeit von schätzungsweise 65 Prozent. Vor allem solche Zahlen verdeutlichen, wie eng Weiterentwicklung mit Bildung verknüpft ist.

Anneliese Gutmann hat 1989 angefangen, eine Schule aufzubauen und diese seitdem soweit ausbauen und vergrößern können, dass die Schüler dort, vom Kindergarten angefangen, ihre Schulbildung bis zum Abitur erhalten können. „Auch ich habe anfangs den Wert der Bildung nicht verstanden“, so die Dieburgerin, die ihrer Tante bei etlichen Projekten geholfen hat, „aber inzwischen erkenne ich, was auch ich selbst für ein Glück mit meiner Bildung und den damit verbundenen Möglichkeiten habe.“

Insgesamt verfügt Haiti über drei Universitäten. Auch wenn selbst eine mit dem Abitur abgeschlossene Schulbildung noch eine Ausnahme ist, haben Absolventen anschließend kaum eine Chance auf einen Studienplatz. Nicht nur die begrenzte Zahl der Plätze, auch die Finanzierung des Studiums stellt viele vor eine große Herausforderung. So ist es keine Seltenheit, dass Eltern und sämtliche Geschwister arbeiten und Geld verdienen, um nur einem der Kinder das Studium finanzieren zu können. „So wie für uns hier in Deutschland haitianische Verhältnisse nicht vorstellbar sind, geht es den Haitianern, wenn man ihnen erzählt, dass man in Deutschland einen Studienplatz garantiert bekommt, inklusive staatlicher Unterstützung“, berichtet die Heimkehrerin.

Vor diesem Hintergrund hat vor allem die große Zufriedenheit und positive Einstellung der Haitianer die junge Dieburgerin nachhaltig beeindruckt. Die Art und Weise, mit ihrer misslichen Lage umzugehen, sei nicht immer leicht zu verstehen, aber Beschwerden und Frust finde man tatsächlich selten, sagt sie.

„Was mir diese Zeit persönlich gebracht hat, ist vor allem eine völlig andere Sichtweise auf alltägliche Dinge“, zieht Yvonne Rabea Gutmann Bilanz: „Man braucht sich nicht zu schämen, dass es einem selbst besser geht als anderen, man muss es nur zu schätzen wissen. Das ist meiner Meinung nach eines der einfachsten Dinge, die jeder selbst leisten kann.“ J eha

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