Eisspezialist des „Rialto“ geht in Rente

Zurück nach Bella Italia: Ciao Nino

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Ende einer Ära: Ab November geht Antonino De Lucia in Ruhestand.

Dieburg - 24 Jahre verkörperte Antonino De Lucia mit seinem Eiscafe Rialto für seine Gäste ein Stück Dolce Vita in Dieburg. Jetzt geht der 68-Jährige in Rente. Von Michael Just 

Das Eiscafe Rialto wird in wenigen Tagen den Besitzer wechseln.

„Nettes kleines Eiscafé. Eis und Bedienung waren gut. Cappuccino war sehr gut“, heißt es in einem Bewertungsportal im Internet über das Eiscafé Rialto. Dass die Liste der Stammkunden bei Antonino De Lucia, den alle nur „Nino“ rufen, lang ist, versteht sich von selbst. Seine Erfahrung reicht über Jahrzehnte und damit parallel das Wissen, wie gutes Eis entsteht oder wann der Espresso, Latte Macchiato oder Cappuccino ein „delizioso“ erhält. Doch auch vor dem besten Italiener macht das Alter nicht halt: Ende des Monats beginnt für den beliebten Gastronom, der ursprünglich von der reizvollen Amalfiküste stammt, der wohlverdiente Ruhestand.

1963 kam Nino mit elf Jahren nach Duisburg. Die Familie gehörte zu den ersten Gastarbeitern in Deutschland. Während sein Vater noch als Arbeiter bei Mannesmann sein Geld verdiente, zog es die Kinder in die Gastronomie. Der Bruder eröffnete später ein Restaurant, für Nino war der Weg durch die Liebe vorherbestimmt: Seine Frau stammt aus einem Eiscafé in Duisburg. Treffender Weise lernte er sie dort auch kennen. Bevor der Weg nach Südhessen führte, arbeitete das Paar neun Jahre in Hamburg.

Der schönste und prägendste Lebensabschnitt begann aber 1993 mit dem Eiscafé Rialto in Dieburg. Die Gersprenzstadt entwickelte sich bald zur neuen und geliebten Heimat. „Die Arbeit war alles für mich“, heißt es rückblickend. Mit italienischer Note und deutschem Qualitätsempfinden, dazu stets zuvorkommend und aufmerksam, baute sich Nino einen großen Kreis an zufriedenen Stammkunden auf. Die „Fangemeinde“ musste erarbeitet werden, denn in der Steinstraße ist die Laufkundschaft weitaus geringer als in der Zuckerstraße. Von den meisten Gästen lässt sich sagen, dass sie ganz gezielt zu ihm kommen. „Mittlerweile treffe ich im Café nicht auf Kunden, sondern vielmehr auf jede Menge Freunde“, sagt der Eisexperte.

Mit dem Erreichen des Rentenalters beginnt für 68-Jährigen ein neuer Lebensabschnitt. Allerdings nicht in Dieburg, sondern in Italien, genauer gesagt in Venetien. Ausschlaggebend für die Entscheidung waren die Kinder und Enkel, die dort leben. Wer die italienische Mentalität kennt, der weiß, dass die Bambini über alles gehen. Ende des Jahres heißt es Kofferpacken. „Das wird sehr schmerzlich. Dieburg ist meine Heimat, dazu habe ich meinen Gästen hier sehr viel zu verdanken“, führt Nino an. So dürfte am letzten Öffnungstag, der auf den 29. Oktober fällt, sicherlich die eine oder andere Träne fließen. An diesem Sonntag wird nicht wie üblich ab 13 Uhr sondern von 15 bis 18 Uhr offen sein. Mit einem Glas Sekt steht dann die Verabschiedung von den Stammgästen an. Krankheitsbedingt wird seine Frau nicht dabei sein. Sie ist bereits in Italien und schickt liebe Grüße nach Dieburg.

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Abschied nehmen heißt es auch von Ninos langjährigem Mitarbeiter Christian Bellotto. Er bleibt in Dieburg, wird allerdings nicht an gleicher Stelle weiterarbeiten. Auch wenn Nino künftig nicht mehr die Eisbecher, den Cappuccino oder die Tagespresse in seiner aufmerksamen und sympathischen Art an die Tische bringt, bleibt das Eiscafé bestehen. „Es wird von einer netten Familie aus Mazedonien weitergeführt“, erklärt der Noch-Inhaber, der alle Kunden bittet, sämtliche Gutscheine bis 27. Oktober einzulösen. Nach dem Abschied am Sonntag bleiben die Türen am Montag (30.) und Dienstag (31.) für zwei Tage geschlossen. Am 1. November geht‘s dann unter neuer Leitung weiter.

Bis Jahresende bleibt Nino noch in Dieburg. Dann führt der Weg über den Brenner nach Bella Italia. Zuviel Wehmut will Antonino De Lucia nicht aufkommen lassen. „Ich kann Dieburg nicht vergessen und werde in Zukunft regelmäßig zu Besuch kommen“, verspricht er. Und trotzdem: Ohne das tägliche „Ciao Nino“, das 24 Jahre lang am oberen Ende der Steinstraße erklang, wird Dieburg etwas fehlen.

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