Zurück zum Nostalgie-DI?

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Der Dieburger Adolf Christ ist zu Recht stolz auf seinen schmucken Oldtimer mit „DI“-Kennzeichen. Ob es auch für moderne Autos ein Comeback des beliebten Stadt-Kennzeichens geben wird, soll jetzt eine Straßenumfrage klären.                                                                            

Dieburg/Heilbronn ‐  Nostalgie pur: ein DI auf dem Nummernschild eines alten Traktors oder eines betagten Mercedes. Eine Umfrage wird klären, ob die stolzen Besitzer eines alten Stadtkennzeichens auch in Zukunft zu den wenigen Auserwählten gehören oder ob man so etwas nun öfter sieht. Von Lisa Hager

In Dieburg wird am Samstag, 28. Mai, ein Team der Hochschule Heilbronn die Bürger ab 9.30 Uhr auf dem Marktplatz (Wochenmarkt) zu ihren Kennzeichen-Wünschen befragen. Eine Vielzahl deutscher Städte und Gemeinden hat in den vergangenen 40 Jahren ihr Kfz-Kennzeichen verloren. Grund waren die zahlreichen Um- und Neustrukturierungen der Landkreise. Nach Ansicht von Prof. Dr. Ralf Bochert von der Hochschule Heilbronn verzichten diese damit auf ein wichtiges Identitätsmerkmal. Selbst die wirtschaftliche und touristische Vermarktung gestalte sich laut dem Leiter der Fachgebiete Volkswirtschaftlehre und Destinationsmanagement im Studiengang Tourismusmanagement zufolge wesentlich schwieriger. „Städte verlieren mit dem eigenen Kfz-Kennzeichen ein Stück ihrer Außenwirkung. Auch wenn es sich nur um zwei oder drei Buchstaben handelt, entscheidend ist nicht zuletzt die Wertigkeit des Trägermediums. Das Kulturobjekt Automobil erhöht die Bedeutung von Kennzeichen um ein Vielfaches,“ meint Bochert. Daher hat der engagierte Wissenschaftler 2010 die Heilbronner Initiative „Kennzeichenliberalisierung“ gegründet: „Die Wiedereinführung bereits verschwundener Kfz-Kennzeichen ist heute ohne weiteres möglich.“

Mehrere Kennzeichen im Landkreis ein „Königsweg“

Als Modell schlägt er die kostenneutrale Lösung des Main-Kinzig-Kreises in Hessen vor, wo die kreisangehörige Stadt Hanau durch das Kennzeichen HU, das übrige Kreisgebiet jedoch durch MKK repräsentiert wird: „Mehrere Kennzeichen in einem Landkreis ist ein Königsweg, der ein kleinräumigeres Zugehörigkeitsgefühl auch in den großen Kreiszuschnitten ermöglicht.“ Die harmonische Zusammenarbeit auf Kreisebene werde durch diese Möglichkeit gestärkt. Die Erhaltung von Kennzeichen sei also keine Frage des Könnens, sondern des politischen Willens, sagt Bochert. „Ich sehe, auch wenn das etwas pathetisch klingt, durchaus ein Recht auf den eigenen Namen im Kennzeichen, das den Städten genommen werden soll“, so Bochert, „man kann sich ein wertvolles identitätsstiftendes Symbol sichern.“

Mehrheit für Rückkehr zu alten Kennzeichen

Um heraus zu finden, wie die jeweilige lokale Bevölkerung zu dieser Idee steht, wurden dazu bereits in den Jahren 2010 und 2011 mehr als 20 000 Personen in über 100 deutschen Städten im Rahmen des Projekts befragt. Die Ergebnisse: Die große Mehrheit von gut 73 Prozent der Befragten äußert den Wunsch zur Rückkehr zu ihrem Altkennzeichen, zwölf Prozent sprechen sich für die Beibehaltung der aktuellen Situation aus. Auffällig stark ist der Wunsch zur „Reform der Reform“ in den neuen Bundesländern vorhanden. Je kürzer der Kennzeichenverlust zurückliegt, desto mehr Befürworter gibt es. „Diese Ergebnistendenz in den neuen Bundesländern war zu erwarten. Überraschend ist jedoch, dass zwei Drittel der Befragten in den alten Bundesländern, wo die Gebietsreformen zum Großteil bereits in den 1970er Jahren durchgeführt wurden, ebenfalls zu ihrem Altkennzeichen zurück wollen. Dies zeigt, welche Langfristigkeit das Thema hat“, so Bochert. Vor allem die deutliche Zustimmung der jüngsten Altersgruppe von 16 bis 30 Jahren fällt auf: Offensichtlich besteht ein eindeutiger Wunsch bei jungen Menschen nach Verortung in Ihrer Stadt.

Das detaillierte Ergebnis kann bei Prof. Dr. Ralf Bochert per E-Mail an bochert@hs-heilbronn.de angefordert werden. Angesichts der großen Resonanz auf das Thema wurde das Forschungsprojekt nun erweitert. Bochert: „Wir sind gespannt, ob sich die Ergebnisse bestätigen - gleichzeitig möchten wir unsere Datenlage durch zusätzliche Interviews verbessern.“

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