Zwei „Kümmerer“ geehrt

+
Anne Sattig erhielt das Bundesverdienstkreuz am Bande. Mit auf die Bühne brachte sie ihren Mann Hans (2. v. r.). Außerdem auf dem Foto (v. l.): Bürgermeister Dr. Werner Thomas, Landrat Klaus Peter Schellhaas und Stadtverordneten-Vorsteher Dr. Harald Schöning.

Dieburg - Landrat Klaus Peter Schellhaas war am Dienstagabend in der „Römerhalle“ laut eigenem Bekunden gleich doppelt überwältigt: Einerseits war es sein erster Besuch in Dieburgs neuem Veranstaltungszentrum, dass ihm auch ohne „überbordenden Luxus“ gefalle. Von Jens Dörr

Andererseits war Schellhaas zu Recht davon angetan, was die beiden Hauptdarsteller des Abends in ihrem Leben und speziell für Dieburg alles getan haben. Anne Sattig erhielt (wie bereits berichtet) das Bundesverdienstkreuz, Helmut Schelter den Landesehrenbrief.

„Menschen müssen sich ehrenamtlich und freiwillig für andere einsetzen“, betonte Schellhaas in seiner Ansprache. Und fügte hinzu: „Das hat in Dieburg Tradition.“ Auf Sattig wie Schelter - beide im Übrigen keine gebürtigen Dieburger - trifft das ohne Einschränkungen zu. Leute wie die beiden trügen zu dieser „lebendigen und gastfreundlichen Stadt“ bei, sagte der Landrat.

Er übernahm zunächst die Laudatio auf Schelter, die Stadtverordneten-Vorsteher Dr. Harald Schöning im Anschluss nochmals ergänzte. Schellhaas nannte Schelter einen „Motor“: Seit 30 Jahren lebe der Inhaber des Ateliers für Schrift und Form im Dieburger Industriegebiet-Nord an der Gersprenz und bringe sich bereits seit 25 Jahren im Gewerbeverein ein.

Helmut Schelter erhielt am Dienstagabend den Landesehrenbrief. Mit auf die Bühne brachte er seine Frau Andrea. Foto: Dörr

Wer öfters mit Schelter zu tun hat, weiß: Halbe Sachen macht der 60-jährige gebürtige Oberpfälzer nicht. Unter anderem hob er den Glückstalermarkt aus der Taufe, der sich im vorweihnachtlichen Dieburg inzwischen großer Beliebtheit erfreut. Verschiedentlich setzte und setzt sich Schelter für die Innenstadt ein, obwohl er mit seinem Unternehmen „auf der anderen Seite“ der Bahnlinie beheimatet ist.

Bahnlinie ist das Stichwort: Schelter war maßgeblich an der Bürgerinitiative beteiligt, die sich für die Bahnunterführung einsetzte. Seit wenigen Wochen sind die beiden Teile Dieburgs durch sie zusammengeführt, was sich der Selbstständige auch auf seine Fahnen schreiben darf. Schellhaas würdigte die Unterführung als „für Dieburg von großer infrastruktureller Bedeutung“. Und sagte mit Blick auf Schelter etwas allgemeiner: „Er ist ein Kümmerer, der die Probleme sieht, wo sie sind.“

Schelter solle sich Unbequemtheit bewahren

Schöning vergaß in seiner Rede derweil nicht, auch anzusprechen, dass Schelters klare Worte auf klarem Weg nicht immer und überall auf Verständnis stoßen würden. Schelter sei ab und an durchaus unbequem gewesen - er möge sich das bewahren, lautete der Wunsch. Schließlich ist das manchmal notwendig, um Projekte wie etwa die „Kleine Tour der Hoffnung“ voranzubringen, um die sich Schelter bereits fünfmal verdient gemacht hat. Und mit den eingesammelten Spenden hilft er, Leukämieerkrankungen bei Kindern zu bekämpfen.

Schelter selbst ergriff das Wort nur kurz. Die Herrschaft über das Mikrofon nutzte er nicht zur Selbstdarstellung, sondern äußerte stattdessen den Wunsch, der Landrat möge doch für kommendes Jahr zusagen, am Glückstalermarkt als Promi-Koch in der Kartoffelsuppe zu rühren. Typisch Schelter, der für den Gewerbeverein aktuell außerdem Großes zum Jubiläum „40 Jahre Industriegebiet-Nord“, das 2012 stattfindet, plant.

„Gabe, andere Menschen mitzunehmen“

Auch Anne Sattig fasste sich kurz, als sie die Gelegenheit erhielt. Sie dankte vor allem ihrem Mann Hans, aber auch ihren drei Söhnen, dass sie sich in Dieburg dergestalt habe einbringen können, seit sie als 23-Jährige an die Gersprenz kam. Schellhaas meinte zur heute 74-jährigen gebürtigen Wilhelmshavenerin: „Nicht nur ihre Ideen zeichnen sie aus, sondern auch Ihre Gabe, andere Menschen mitzunehmen.“

Wie berichtet prägte Sattig 30 Jahre lang die Dieburger Stadtbibliothek, mehr als ein Jahrzehnt als Vorsitzende den Heimatverein, brachte sich in der JVA, bei den Pfadfindern sowie durch Sammlungen und etliches mehr ins gesellschaftliche Leben ein. Sattig war es im Übrigen auch, die Helmut Schelter für den Landesehrenbrief vorschlug. Harald Schönig wiederum hatte Sattig für das Bundesverdienstkreuz vorgeschlagen.

Geehrt wurden auch ehemalige Stadtverordnete Peter Christ hätte als Altbürgermeister ausgezeichnet werden sollen, war am Dienstag aber verhindert.

Kommentare