Bei Informationsveranstaltung „Asyl in Dieburg“ geht es aber einen Schritt voran

Zweifel nicht ganz vom Tisch

Pfarrer Alexander Vogl moderierte die Informationsveranstaltung zur Unterbringung von Asylbewerbern im Nordring 37.   J Foto: Hombach

Dieburg - Bis zu 60 Asylbewerber sollen künftig in vom Landkreis angemieteten Wohneinheiten im Nordring 37 untergebracht werden. Landkreis und Stadt informierten am Mittwochabend über den aktuellen Stand und beantworteten Fragen der Anwohner. Von Laura Hombach

Die Ausgangsbedingungen waren nicht die besten: Viele der rund 100 Interessierten, – viele davon Anwohner des Nordrings – die zu der Informationsveranstaltung in den Stadtverordnetensaal gekommen waren, standen der Ersten Kreisbeigeordnete Rosemarie Lück mit einer gehörigen Portion Misstrauen gegenüber. Die erst spät bekannt gewordenen Pläne des Kreises, im Nordring 140 eine neue Unterkunft für Asylbewerber zu bauen, hatten bei vielen Anwohner wohl den Eindruck hinterlassen, dass sie hier vor vollendete Tatsachen gestellt werden sollten (der DA berichtete).

Nachdem der Neubau nun vom Tisch ist und die Anmietung von Wohnungen im Nordring 37, in dem bereits Flüchtlinge untergebracht sind, als Kompromisslösung gefunden wurde, ging es nun darum – soweit möglich – eine Atmosphäre des Miteinanders herzustellen. Lück informierte zunächst über den gegenwärtigen Stand im Nordring 37: Zum 1. November seien dort fünf Wohnungen angemietet worden. Im Laufe der nächsten Wochen sollen acht weitere Wohnungen hinzukommen. Zudem habe der Kreis die ehemaligen Räume der Kita für Büroräume sowie Sozialräume für die Asylbewerber angemietet, in denen dann Sprachkurse, Integrationskurse und weitere Informationsveranstaltungen angeboten werden.

Betreuung vor Ort

Die Kreisbeigeordnete hatte auch einen von der IG-Nord – einem Zusammenschluss der Anwohner des Nordrings – an den Kreis gestellten Forderungskatalog abgearbeitet. Eine bereits erfüllte Forderungen der IG-Nord ist dabei etwa ein rund um die Uhr erreichbarer Hausmeisterservice. Hausmeisterin Annette Chebbi stellte sich sogleich persönlich vor und überzeugte dabei wohl jeden, dass sie nicht nur rund um die Uhr erreichbar, sondern auch mit hundertprozentigem Einsatz bei der Sache ist. Sie habe zu allen derzeit schon im Nordring 37 lebenden Flüchtlingen ein gutes Verhältnis, so Chebbi. „Wenn man an die Tür klopft, ist man jederzeit willkommen, und die Wohnungen sind immer aufgeräumt und sauber“, versicherte die Hausmeisterin. Damit trug sie wohl auch ein Stück weit zur Beruhigung der Anwohner bei, die in ihren Redebeiträgen immer wieder die Befürchtung ansprachen, dass die Aufnahme der Asylbewerber mit Müll und kulturellen Unvereinbarkeiten verbunden sein könnte.

Für die Betreuung der Asylbewerber vor Ort ist die Sozialpädagogin Jenny Jünger zuständig – auch sie stellte sich den Anwesenden vor. Neben festen Sprechzeiten soll ihr Einsatz vor Ort am Bedarf ausgerichtet werden.

In ihrem Forderungskatalog hatte die IG-Nord auch eine Höchstbelegung der Häuser im Nordring 37 mit 60 Asylbewerbern sowie einen jährlichen Abbau der dort untergebrachten Asylbewerber gefordert. Nach Ende des fünften Jahres sollten gar keine Asylbewerber mehr dort untergebracht werden, so die Forderung der IG. Dies seien Forderungen, zu denen sie keine verbindlichen Zusagen machen könne, so Lück. Wie es mit der Belegung weitergehe, hänge stark von der Entwicklung der Asylbewerberzahlen ab.

Der Forderung der IG-Nord, den Mietvertrag zwischen dem Kreis und dem Eigentümer des Nordrings 37 offenzulegen, erklärte sie eine klare Absage. Weshalb sie Einblick in den Vertrag nehmen wollten?, fragte Lück zurück, nachdem mehre Stimmen aus dem Publikum sich mit dem Nein nicht abfinden wollten. „Das wäre für mich eine vertrauensbildende Maßnahme, ich glaube hier erstmal grundsätzlich gar nichts mehr“, erwiderte eine Zuschauerin.

Asyl-Arbeitskreis

Zum Ende einer ruhig und in sachlichem Ton geführten Diskussion, machten einige Zuschauer ihrem Unmut noch einmal Luft. Sie warfen Lück politisches Schattenboxen und die Abschiebung der Verantwortung für die Asylbewerber auf ehrenamtliche Helfer vor. Ein Vorwurf, den Pfarrer Alexander Vogl, der den Abend moderiert hatte, so nicht im Raum stehen lassen wollte. „Ich habe nicht den Eindruck, dass hier alles an Ehrenamtliche und die Beliebigkeit abgegeben wird.“ Bereits zu Beginn der Veranstaltung hatte er die Unterstützung seiner Pfarrgemeinde zugesagt. Auch aus dem Publikum kamen Angebote und so hatten sich am Ende des Abends 19 Personen für die Mitarbeit in einem Asyl-Arbeitskreis auf einer Liste eingetragen. Die Mitarbeiterin des Standesamtes Almedina Miftaroska wird den Arbeitskreis vonseiten der Stadt betreuen. Sie habe sich freiwillig gemeldet, so Bürgermeister Dr. Werner Thomas, da sie selbst als Asylsuchende nach Deutschland gekommen sei und deshalb anderen Asylbewerbern helfen wolle.

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