Zwischen Säge und Spaltaxt

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Der Stamm ist zersägt, nun müssen die Meterstücke noch gespalten werden. Die Teilnehmerinnen des Brennholzlehrgangs „nur für Frauen“ absolvieren dasselbe Programm wie die Männer.

Dieburg/Groß-Zimmern ‐   Motorsägenlärm dringt durch den Wald und der Spaziergänger sieht etliche Gestalten in grünen Hosen und orangenen Hemden. Beim Näherkommen stellt er fest, dass es sich bei den „Waldarbeitern“ um acht Frauen und einen Mann handelt.

Hier im Groß-Zimmerner Wald läuft der erste Brennholzlehrgang des Forstamtes Dieburg speziell für Frauen. „Ich traue mich eher zu fragen“, erklärt Evelyn Stanke (44 Jahre) aus Darmstadt ihre Motivation für diesen reinen Frauenkurs. „Wir lernen nicht nur das Zerschneiden und Spalten des Holzes, sondern bauen auch die Säge auseinander und reinigen einen Luftfilter. Letzteres können die Männer schon - denke ich zumindest.“

Doris Hamm will künftig im Wald auch an die Säge und übt deshalb beim Brennholzlehrgang nur für Frauen.

Die Damen in Schnittschutzhose, Sicherheitsschuhen und mit Helm auf dem Kopf absolvieren dasselbe Programm wie die Männer. Einem Theorieteil folgt der Gang in den Wald, „Aufarbeitung von bereits gefällten Bäumen“ steht auf dem Programm. Nach dem großen Erfolg will das Forstamt die Kurse auch weiter anbieten. Interessierte Frauen können sich ans Forstamt wenden (06071/ 98610). „Bei genügend Anmeldungen startet ein neuer Lehrgang“, sagt Starke.Nicht nur die Frauen erleben den rein weiblichen Brennholzkurs als entspannt, auch der Kursleiter, Forstwirtschaftsmeister Klaus Peter Lux vom Forstamt Dieburg, sieht deutliche Unterschiede zu gemischten Kursen. „Dort trauen sich die vereinzelten Frauen kaum zu fragen, weil sie Angst haben, sich zu blamieren. Dabei blamieren sich auch manche Männer bis auf die Knochen.“ Die Atmosphäre unter den Frauen ist nicht nur wesentlich entspannter, sondern auch kollegialer. Keine muss beweisen, dass sie alles am besten kann. Die Beweggründe sind bei fast allen Frauen gleich: Sie gehen mit ihren Familien sowieso in den Wald. Bisher haben sich die Damen darauf beschränkt, das Brennholz aus dem Wald zu tragen, auf Hänger zu laden oder am Wegrand aufzuschichten. „Meine ganze Familie macht Holz“, erklärt Doris Hamm (45 Jahre) aus Nieder-Klingen und sie will nicht mehr nur schleppen, sondern auch an die Säge. „Die schneidet von alleine, das ist oftmals leichter, als das Holz zu tragen, zu schleifen oder zu ziehen. Das Schneiden ist kreuzschonender, oft denken die Männer, sie machen die anstrengendste Arbeit, das ist aber nicht so.“ Groß-Zimmerns Förster Martin Starke nickt bestätigend.

Respekt vor der Spaltaxt

Eine Säge haben die meisten Frauen schon, Sicherheitsschuhe, Schnittschutzhose und Helm müssen in der Regel angeschafft werden. Die Kosten für die Ausrüstung können leicht auf 500 Euro kommen, wenn auch noch eine Säge angeschafft werden muss. Ohne das ganze Equipment darf im Wald keiner ans Gerät.

Das Sägen bereitet den Frauen nach einer Gewöhnungsphase keine Probleme, Respekt haben sie hingegen vor der großen Spaltaxt. Die ist nötig, um die Meterstücke Stammholz in Längsrichtung aufzuspalten. Zum einen lässt sich das Holz leichter tragen, zum zweiten trocknet es so besser. Aber auch die Handhabung der Spaltaxt bekommen die Damen in den Griff.

Insgesamt haben in den letzten fünf Jahren 2300 Teilnehmer an den Brennholzkursen des Forstamts teilgenommen. 2005 wurde es Pflicht, einen Kurs zu absolvieren, bevor man zum Holzmachen in den Wald durfte. Der reine Frauenkurs ist ein Novum: Frauen aus Darmstadt, Dieburg, Groß-Umstadt, Groß-Zimmern und Otzberg haben sich angemeldet.

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