Dienstmädchen unter Verdacht

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Sophie Bevan, Tochter eines Chorleiters, wusste früh, dass sie Sängerin werden will.

Frankfurt - Als beste Nachwuchssängerin der International Opera Awards ist die sie schon hoch dekoriert. Jetzt debütiert Sopranistin Sophie Bevan an jenem Haus, das 2013 ebenfalls vom englischen Fachmagazin ausgezeichnet wurde. Von Klaus Ackermann 

Als Dienstmädchen Ninetta ist die Britin in Rossinis Edelseller „Die diebische Elster“ an der Oper Frankfurt zu erleben. Produziert hat das Melodramma ein eingespieltes Team. Regisseur David Alden und der ungarische Dirigent Henrik Nanasi waren schon in Chabriers Operette „L’Étoile“ Garanten einer Frankfurter Erfolgsnummer. Kaum der morgendlichen Proben-Fron entronnen, sitzt sie schon wieder in ihrem Garderobenraum am Klavier und trällert die höchsten Töne so machtvoll, dass man sich kaum traut, anzuklopfen. Gesang ist offenbar ein Lebenselixier für die junge Frau. Und Ninetta, in schlimmen Diebstahl-Verdacht geraten, was ihre Ehe mit dem Sohn des reichen Pächters gefährdet, scheint dem britischen Shootingstar auf den Leib geschneidert.

Unschuldig sei dieses Dienstmädchen, von großem Liebreiz, hochemotional und voller Glücksgefühle über seine noch geheime Liebe, sagt Bevan über ihre Rolle. Mit David Alden hat sie schon in einer Londoner Inszenierung von Händels „Radamisto“ zusammengearbeitet und schätzt dessen manchmal überbordende szenische Fantasie. Doch Rossinis Opera semiseria (halbernst) sei doch entschieden anders gestrickt. Da müsse sie lauthals weinen - und dazu spiele das Orchester eine Allerwelts-Begleitfigur. Alden setze auf „real characters“, auf reale Menschen, deren Konflikte ernst und heiter verhandelt würden.

Das Sängerinnen-Gen wurde Bevan in der mittelenglischen Grafschaft Somerset in die Wiege gelegt. Schon ihr Vater, ein Organist und Chorleiter, hatte im 14 Kinder zählenden „Bevan Family Choir“ gesungen, eine Art britische „Trapp-Familie“. Sophie hat allein sieben Geschwister, die allesamt Musik machen. Ihre ein Jahr jüngere Schwester strebt ebenfalls eine Opernkarriere an. Dass Bevan Sängerin werden wollte, wusste sie schon als 13-Jährige. Sie lernte damals das Klavier-, Horn- und Cello-Spiel, liebte den Auftritt - und kennt noch heute überhaupt keine Nervosität.

Mittlerweile hat sie sich nicht nur in Opern wie Mozarts „Zauberflöte“, Janaceks „Das schlaue Füchslein“ oder als zwitschernder Waldvogel in Wagners „Siegfried“ (beim Festival Luzern), sondern auch als Konzertsängerin profiliert. Demnächst wird Bevan, die in der Nähe von London lebt, in Bizets „Perlenfischer“ (English National Opera) und in Mozarts „Idomeneo“ (Royal Opera Convent Garden) singen.

Der mit einer internationalen Karriere verbundenen Reiserei kann die Sopranistin nur positive Seiten abgewinnen. „Ich bin gern allein, greife dann zu einem guten Buch oder beschäftige mich mit Handarbeit“, sagt sie. Außerdem könne man ungestört neue Rollen einstudieren. An Frankfurt schätzt sie das schöne Wetter, in England bekanntlich seltener anzutreffen. Dann kann man Sophie mit ein wenig Glück beim Radeln am Main treffen - oder beim Apfelwein!

Quelle: op-online.de

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