Dieser Faust ist eine Frau

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Goethes „Faust“ für Kinder? Geht. Dieser Faust ist eine Frau und lebt aus dem Koffer. Klingt modern.

Frankfurt - Goethes „Faust“ für Kinder? Geht. Dieser Faust ist eine Frau und lebt aus dem Koffer. Klingt modern. Und ist der Rahmen für eine junge Inszenierung des Klassikers, den die Theaterautorin und Kinderbühnen-Prinzipalin Sylvia Schopf (Krick-Krack) für das nachwachsende Publikum aufgelegt hat. Von Regina König

Mit Regisseurin Brigitte Weth findet Schopf die schmale Form, die Pathos-freie Sprache, die (ältere) Kinder sportlich durch den Stoff (Teil 1) führt, an dem sich Johann Wolfgang 50 Jahre lang die Dichter-Zähne ausgebissen hat. Die Premiere ging im Arkadensaal des Frankfurter Hochstifts im Goethehaus über die Bühne. In fünf Viertelstunden sind alle durch: Solo-Spielerin Schopf, die Requisiten in der schwarzen Kiste findet; junges und Eltern-Publikum, das selten so konzentriert von den vorösterlichen Lebenszweifeln über die mephistophelisch eingefädelte große Liebe zum „Heinrich, mir graut vor dir“ gelangt.

Schopf knüpft die „Faust“- Eckdaten schlüssig aneinander. Startet als Mephisto, klar erkenntlich am teuflischen Federhütchen. Wandert über die Osterwiese als Faust, behütet von der Wissenschaftlerkappe und begleitet vom sagenhaften Pudel. Später trifft man Gretchen; die trägt eine unschuldig-weiße Haube. Die Figuren sind während des gesamten Spiels anwesend. Wenn sie gerade nicht sprechen, ruhen die jeweiligen Kopfbedeckungen nebeneinander.

Möglicher Einstieg in die Theaterwelt für den Nachwuchs

Zwischen dem Trio spielt sich das Drama beweglich und bewegend ab. Schopf erzählt in ihrer eigenen Sprache. Sie wechselt elegant Hüte und Rollen und irrlichtert mit dem suchenden Faust bis zum Hexenberg. Lässt dort die handgemachten wilden Puppen tanzen. Die Kinder gehen von Station zu Station mit. „Jetzt hab’ ich den ,Faust’ auch verstanden“, ist ein Papa hinterher froh.

Dieser „Faust“ ist außerdem mobil. Informationen sind auf der Internetseite von Sylvia Schopf zu finden.

Das Stück knüpft an Sylvia Schopfs Kinderbuch „Die schönsten Theaterklassiker: In Geschichten erzählt“ an, neun grundlegende Dramen in für Kinder verständlicher Prosa. Ein möglicher Einstieg in die Theaterwelt für den Nachwuchs, der dem fröhlichen Puppen- und Starke-Stücke-Spiel entwachsen sind. Mit der liebevollen Inszenierung des berühmtesten Beispiels gelingt der vorerst zweite Schritt. Auch die anderen Dramen von Hofmannsthal bis Shakespeare kann man sich in dieser Vereinfachung auf der Bühne vorstellen.

Quelle: op-online.de

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