Digitale Kunst bringt Welten zusammen

+
Aus der Reihe „Rasta“

Undurchdringbare abstrakte Kompositionen schmücken derzeit die Wände der Videor Art Foundation in Rödermark. Sie stammen aus der Hand der Münchner Künstlerin Hertha Miessner. Von Klaus Wolfschlag

Miessner wurde im oberbayerischen Marquartstein geboren und studierte bis 1996 an der Münchner Akademie der Bildenden Künste Malerei, Lithografie und Neue Medien. Diese Kombination ermöglicht es ihr offenbar, souverän zwischen den Genres zu wechseln. Am Beginn ihrer Bildserien stehen sehr oft eigene Malereien, die nach einem Scanprozess digital bearbeitet und erst final fotografisch ausbelichtet werden.

„Hertha Miessner: Hybride – but no cars“ bis 9. Oktober in der Videor Art Foundation, Carl-Zeiss-Straße 8, Ober-Roden. Geöffnet: Montag bis Donnerstag von 9 bis 17.30 Uhr, Freitag bis 17 Uhr

So werden Miessners Bildkompositionen auch als „Hybride“ oder „Zwitterwesen“ vorgestellt, da sie es versteht, zwei Techniken miteinander verschmelzen zu lassen. Manche ihrer Werke wirken auf den ersten Blick wie reine Malerei, um sich bei näherer Betrachtung als fotografische Arbeiten zu erweisen. Zumindest aber als Arbeiten, deren fotografischer Ursprung erkennbar zu sein scheint.

Bei einigen anderen Arbeiten hat der Betrachter indes den gegenteiligen Eindruck, etwa jenen der „No-body“- und der „Ghost“-Reihe. Er wähnt sich anfänglich in einer Fotografie, verliert sich aber im Versuch, das Motiv zu erfassen. So bleibt letztlich wieder der Eindruck von Malerei zurück.

Miessner präsentiert abstrakte Farbstrukturen von ganz unterschiedlicher Erscheinungsform. Wirken die unregelmäßigen horizontalen Farbstriche der Serie „Sky-chiffre“ wie verschiedenfarbig lasierte Holzflächen, sich zum Eindruck einer vagen Landschaftskomposition verdichtend, so erscheinen die breiten, meist dunklen Vertikallinien der „Rasta“-Reihe wie das Bild überlagernde und teils verdeckende Gefängnisstäbe.

Während die digitalen Collagen der Reihen „Sky“ und „Shadow“ dem Betrachter pastellfarben und sanft begegnen, im ersten Fall irrlichternd, im zweiten süßlich-floral, nähern sich die Serien „No-body“ und „Ghost“ mit dazu kontrastierender Klarheit dem Gegenstand. Wie dramatisch beleuchtete und barock in Szene gesetzte Faltenwurf-Details wirken die Letztgenannten. Und der klassische Charakter dieser Arbeiten wird in der ähnlich konzipierten Serie „Dot“ noch dadurch unterstrichen, dass die Collagen, wie in Renaissance und Barock üblich, auf runde Holzkörper gezogen wurden. Wer sich auf Miessners Bilder einlässt, taucht ein in fein abgestimmte Farb- und Formwelten.

Quelle: op-online.de

Kommentare