Krempel will Reichweite der Kunsthalle steigern

Brücken statt Formeln

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León Krempel leitet seit Anfang des Jahres als Nachfolger von Peter Joch die Darmstädter Kunsthalle am Steubenplatz.

Darmstadt - León Krempel hat für das Frankfurter Städel und das Münchner Haus der Kunst gearbeitet. Nun leitet er die Darmstädter Kunsthalle und ist überzeugt: „Hier lässt sich einiges realisieren. “. Von Reinhold Gries 

Diesen Montag hat León Krempel, 1966 in Wiesbaden geboren, seine neue Stelle als Direktor der Darmstädter Kunsthalle angetreten. Gleichzeitig wird er Geschäftsführer des bis 1833 zurückzuverfolgenden Darmstädter Kunstvereins, der in der damaligen Residenzstadt unter Jacob Felsing erstmals ein bürgerliches Forum für zeitgenössische Kunst bot. In Darmstadt trifft der als Koordinator in Berlin und Kurator des Städelmuseums wie des Münchener Hauses der Kunst bekannt gewordene Kunsthistoriker und Ausstellungsmacher gleich auf zwei Jubiläen: Der im Zweiten Weltkrieg zerstörte Kunsthallenbau wurde vor 125 Jahren, der kubische Neubau der Kunsthalle am Steubenplatz von Theo Pabst vor 60 Jahren eröffnet.

Krempel ist sich solcher Tradition ebenso bewusst wie gemeinsamen Aktivitäten mit der Neuen Darmstädter Sezession und Ausstellungsprojekten der Mathildenhöhe: „Ich will nicht Formeln von mir geben wie ,Ich will hier alles neu positionieren‘. Die Kunsthalle ist nicht neu zu erfinden, aber es gilt bei aller Kontinuität auch Neues zu wagen. Ich möchte verstärkt Brücken schlagen.“ Es wird also zuerst bei drei Jahresausstellungen bleiben, die im Voraus auf zwei bis drei Jahre geplant sind und etablierte wie unbekannte zeitgenössische Künstler vor- und gegenüberstellen.

Aber Krempel ist es sehr daran gelegen, Aktionsradius und Wertigkeit seiner Kunsthalle zu steigern. Dazu gehört auch, dass in diesem Sommer das Dach des lichtreichen Vorzeigebaus saniert wird. Im Herbst wird dann die erste Schau unter Krempels Regie mit 365 Bildern des bosnischen Künstlers Radenko Milak eröffnet. 2015 steht ein Leuchtturm-Projekt, „Collagen von Grosz bis zur Gegenwart“ mit Leihgaben aus ganz Deutschland, 2016 eine grundlegende Ausstellung zu den Beziehungen zwischen Malerei und Film. „2017 möchte ich Beispiele des 19. Jahrhunderts in die Schau zu fotografischen Porträts einbringen“, sagt der 47-Jährige, der zwar am Prinzip der Darstellung zeitgenössischer Positionen nichts Wesentliches ändern will, aber auch Dialoge mit alter Kunst für sehr reizvoll hält.

Von München her ist Krempel eine intensive „Ausstellungsmaschine mit einzigartigen Räumen“ gewohnt, das hat er nach Darmstadt mitgenommen. Auch beeindruckt von einer Einladung Max Holleins ans Städel, will er sich verstärkt um finanzielle Mittel für Öffentlichkeitsarbeit und Marketing bemühen: „Die Einladungen und Druckerzeugnisse der Kunsthalle waren bisher handgestrickt. Die Werbung muss professioneller werden, wozu man Geld braucht, das bisher nicht vorhanden war“. Unter „größerer Reichweite“, welche die Darmstädter Kunsthalle einmal hatte, versteht Krempel auch, 2017 mit einer Ausstellung internationaler Kunsttalente mit Festivalcharakter „documenta“-Publikum vom Frankfurter Flughafen nach Darmstadt zu locken. Vielleicht wäre gar eine Kooperation mit Kassel möglich…

Malende Wale im Hakkeijima Sea Paradise

Malende Wale im Hakkeijima Sea Paradise - Bilder

Warum er überhaupt von der Kunstmetropole nach Darmstadt gekommen ist? Krempel dazu: „Ich kann hier ein eigenes Programm gestalten neben meiner Arbeit als Kurator. Ich hätte da einiges in petto. Hier in Darmstadt lässt sich einiges realisieren, das Potenzial ist da - in jeder Hinsicht.“

Quelle: op-online.de

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