„Dirty Dancing“ auf Argentinisch

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Leidenschaft aus Argentinien: Szene aus der Tanz-Show von Tango Pasión

Bastian Pastewka steht auf Tango. Warum sonst wäre er am Abend der Tanzshow „Tango Pasión“ in Frankfurt? Der TV-Komiker tummelt sich im Foyer der Alten Oper unter den Zuschauern, die auf die restlichen Familienmitglieder warten.  Von Kathrin Rosendorff

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Dann die Ernüchterung: Pastewka verschwindet im Mozartsaal – da spielt sein Kollege Bodo Bach. Dabei hätte er im Großen Saal auch Spaß haben können – in der Milonga von „Tango Pasión“. Im typischen argentinischen Tanzlokal spielt der erste Teil der aktuellen Produktion „Último Tango“. Die sechs Tango-Frauen von Mitte 20 bis mittelalt tragen Glitzerkleidchen, die ihre Brüste nach oben drücken und ihre schönen, durchtrainierten Rücken freilegen. Die Tango-Herren in schnieken Anzügen und mit Gel in den Haaren schauen meist macho-cool, selbst während ihre Partnerinnen die Beine an ihnen entlang reiben. Sie streichen den Frauen über Schenkel und Po. Ein bisschen „Dirty Dancing“ auf Argentinisch. Immer wieder verhaken sich die Unterschenkel. Faszinierend gekonnt, selbst bei den Kicks zwischen die Beine der Herren. Zwischendrin gibt es viele Sprünge und Saltos aus dem Stand. Tango pur mit Akrobatik. Ist ja eine Show, kein Milonga-Abend zum Flirten. Es gibt keine große Geschichte, die erzählt wird, nur kleine Episoden: Ein Mann schickt einer Frau über den Ober einen Liebeszettel. Und eine Zuschauerin fragt ihre Freundin: „90 Minuten nur Tango, ob das nicht langweilig wird?“ Wird es nicht. Das merkt man daran, dass das Publikum immer wieder klatscht, Bravo-Rufe und andere Begeisterungslaute abgibt. Die Männer tanzen und steppen auch mal ohne Frauen, dafür mit Billardstöcken.

Der zweite Teil ist noch akrobatischer

Auch das Orchester auf der Bühne kommt an – ein Schlagzeuger, eine Bratschistin, ein Keyboarder, ein Pianist, eine Geigerin und zwei Bandoneonspieler. Einer von ihnen, der 33-jährige Gabriel Merlino, hat mit acht Jahren seine Bandoneon-Studien aufgenommen. Das hört man. Zwischendrin hat er Solo-Einlagen: Sein Instrument wird zum Alter Ego, sein hübsches Jungengesicht verzieht er zu Melancholie, Drama und Leidenschaft. Zwischendrin singt Vanina Sol Tagini schöne Lieder wie „Mi Buenos Aires Querido“ oder „Pájaros Perdidos“.

Der zweite Teil ist noch akrobatischer, die Kleider sind noch knapper. Und das Orchester spielt auch mal traurige Melodien. Nur noch der beleuchtete Hintergrund wechselt die Farbe. Die Paare tanzen mit weißen Masken eine Art Todes-Tango. Am Ende wird es aber wieder lustig, mit dem wohl bekanntesten Tango, „La Cumparsita“. Den hat aber kein Argentinier geschrieben, obwohl die gern betonen, die Tango-Könige zu sein – sondern Gerardo Matos Rodríguez aus Uruguay.

Quelle: op-online.de

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