„Don Juan“ zum Auftakt

Barock am Main: Kaan Respekt vor niks

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Held der Frauenwelt: Watz vom Waldacker, genannt „Don Juan“ (Michael Quast).

Frankfurt - Dieser Watz vom Waldacker, genannt „Don Juan“, ist ein Wüstling, Multigamist und Gotteslästerer - ein echter „Lumpehund“ eben. Doch er ist auch ein Sieger. Außerdem babbelt er hessisch, ist also „en Hiesischer, aaner von uns“. Von Christian Riethmüller

Das merkt Michael Quast mit einiger List an, denn so einfach zum Teufel zu wünschen ist dieser wandelnde Regelverstoß ja nicht, lebt er doch manchen unserer heimlichen Wünsche unverschämterweise aus. Don Juan ist ein Freigeist, dazu mit einem ungeheuren Schlag beim anderen Geschlecht versehen, was er weidlich ausnutzt - zu seinem Vergnügen, wie auch dem der Zuschauer, die diesen ständig auf Freiersfüßen tänzelnden Filou gut zwei Stunden lang in Molières Komödie „Don Juan“ beobachten können. Den Klassiker des französischen Autors hat Rainer Dachselt in eine hessische Fassung gebracht, die nun als Uraufführung zum Auftakt des diesjährigen Mundart-Freilufttheaters „Barock am Main“ im schönen Garten des Bolongaropalastes im Frankfurter Stadtteil Höchst zu sehen war.

Dachselt hat das von Sarah Gross mit leichter Hand inszenierte Stück von Sizilien, wo es ursprünglich spielt, an den Main verlegt. Dort, zwischen Höchst und Rumpenheim, Frankfurt und Bad Soden ist der hessische Don Juan (ein hinreißender Schurke: Michael Quast) unterwegs, stets begleitet von seinem treuen Diener Schambes (köstlich: Matthias Scheuring), der nicht nur Buch über die Eroberungen seines Herrn zu führen hat, sondern auch eine Mission verfolgt. Er will tatsächlich mit Don Juan über Religion und Glaube „disputieren“ und diesen erziehen. An dieser Aufgabe ist allerdings schon Ludwig Watz von Waldacker (Philipp Hunscha) , der klapprige Vater Don Juans, gescheitert.

Premiere von „Don Juan“ bei Barock am Main

Premiere von „Don Juan“ bei Barock am Main

Dem Schwerenöter scheint also der Weg in die Hölle beschieden. An die glaubt er zwar nicht, doch wollen ihn genau dorthin etliche Widersacher (etwa Pascal Thomas und Dominic Betz), darunter auch der Komtur von Rumpenheim (Sebastian Klein), expedieren. Den hat Don Juan einst gemeuchelt, weil der seine Tochter vor dem Herzensbrecher bewahren wollte: „Nur über mei Leich’“, soll er gesagt haben, was Don Juan als Aufforderung missverstand.

So geht es am Main überaus munter zu, vor allem wenn der Titelheld der Damenwelt (Judith Niederkofler, Lucie Mackert, Pirkko Cremer, Claudia Jacobacci) hinterhergockelt, charmiert und „schläächt schwätzt“. Das ist besonders vergnüglich, weil Dachselt in seiner kongenialen Übertragung der Komödie ins Hessische viel Wert auf Wortwitz und etliche fast schon in Vergessenheit geratene Begrifflichkeiten gelegt hat. Einmal mehr ein großer Spaß, dieser hessische Molière.

Weitere Aufführungen bis 1. September

Quelle: op-online.de

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