Gurrender Liebhaber

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Die Mundart-Fassung des Molièreschen „Don Juan“ kam bei den Burgfestspielen Dreieichenhain gut an.

Dreieichenhain - Kann es unter den gemütlichen Hessen einen Don Juan geben? Diesen gewissenlosen, unersättlichen Verführer? Aber gewiss doch, wenn er Michael Quast heißt. Von Eva Schumann 

Gerade mit seinem zärtlichen hessischen Gezische vermag er als Don Juan die Weiber unwiderstehlich zu umgarnen. Quast und sein Ensemble Barock am Main gastierten bei den Burgfestspielen Dreieichenhain mit Rainer Dachselts Mundart-Fassung des Molièreschen „Don Juan“. Vergnüglich sind schon die Namen, die Dachselt in seiner 2013 entstandenen Dialekt-Bearbeitung den Protagonisten gegeben hat. Don Juan ist bei ihm eigentlich ein Monsieur Watz von Waldacker, hat sich aber wegen seiner spanischen Mutter selber den berühmten Namen verliehen. Sein Diener Sganarelle heißt nun Schambes, Donna Elvira wird zur Elsbeth von Cronberg, der übers Ohr gehauene Kaufmann Mr. Dimanche zum Schneider Dauth, und der rächende Komtur ist ein Kommandant von Rumpenheim.

Don Juan zieht mit Schambes (mit Ruhe ausstrahlender Wohlbeleibtheit: Matthias Scheuring) durch die Lande und schnappt sich alles, was Röcke trägt. Das Register der Eroberungen, das Schambes vorträgt, enthält Adelsfräulein, Bürgerinnen und Bauernmädchen von Darmstadt bis Soden, von Dietzenbach bis zur Wetterau. Denn „jede Schönheit hat das Recht, von Don Juan verführt zu werden“, ist eine von Monsieurs Devisen. Selbst Zuschauerinnen sind da nicht sicher. Zwar ist er verheiratet mit einer Elsbeth von Cronberg (von kämpferisch bis fromm: Judith Niederkofler), die er aus dem Fräuleinstift entführt hat, doch diese Bande lassen sich mit bigotter Raffinesse leicht lösen.

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Es gibt zwar immer wieder Hindernisse. Ein Vater, Brüder oder ein Verlobter der weiblichen Opfer gehen bei Verführungsversuchen störend dazwischen. Doch nichts kann den Abenteurer erschüttern, weder Degen-Gefechte, noch ein Schiffbruch auf dem „Mää“, geschweige denn schrille Anklagen von Verflossenen. Aalglatt vermag er sich immer wieder aus der Schlinge zu ziehen. Auch den Zickenkrieg zwischen den Bauernmädchen Bärbel (als perfekte Naive: Pirkko Cremer) und Fränzi (kämpferisch: Claudia Jacobacci) weiß er souverän zu meistern - unnachahmlich Quast als flüsternder Beschwörer nach links und rechts. Und selbst eine zunächst spröde Dame (Lucie Mackert als Henriette) knickt schließlich um.

Doch nicht nur als gurrender Liebhaber, sondern auch mit derben und bösen Tönen kann Quast brillieren. Seine Faust oder seinen Zynismus zu spüren bekommen der Bauernbursche Peter (fabelhaft zungenfertig und gelenkig: Sebastian Klein), ein Bettler (Klein), Don Juans an Krücken humpelnder Vater (Philipp Hunscha) und nicht zuletzt sein Diener. Scheuring als Schambes weiß sich allerdings geschickt hindurchzulavieren, indem er dem Herrn mal ins Gewissen, mal nach dem Mund redet. Ein theologischer Disput zwischen den beiden bringt Don Juans Atheismus zu Tage. Vergeblich versuchen mehrere Damen, der alte Papa und sogar zwei Gespenster den Bösewicht zu bekehren. Der Atheist versteigt sich sogar noch zu einer Frömmigkeits-Maskerade. Aber die Strafe bleibt nicht aus: die Statue des ermordeten Kommandanten (Klein) erscheint und schickt den Sünder zur Hölle.

Auch wenn mancher Auftritt (etwa der Brüder Karl und Alfons von Cronberg, gespielt von Pascal Thomas und Dominik Betz) zu sehr ins Alberne übertrieben war - die Aufführung unter der Regie von Sarah Groß machte großes Vergnügen. Selbst hörbares gelegentliches Eingreifen der Souffleuse gehörte mit zum Spaß. Das Publikum, zum Glück verschont von den befürchteten Regengüssen, kam aus dem Lachen und mitfühlenden Zwischenrufen nicht heraus und bedachte die Truppe zu Recht ausgiebig mit Beifall.

Quelle: op-online.de

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