„Metropolis“

Donnernder Tusch für ein Filmereignis

Am Ende brauste ein tausendfaches „Bravo“ durch den Großen Saal der Alten Oper in Frankfurt: Lob für eine meisterliche Restaurationsarbeit, Lob für die glänzende musikalische Begleitung durch das Staatsorchester Braunschweig unter Leitung von Helmut Imig, Lob für das Gesamtkunstwerk „Metropolis“. Von Christian Riethmüller

Natürlich waren die Erwartungen gewaltig, seit vor gut anderthalb Jahren die Kunde um die Welt ging, im Filmmuseum von Buenos Aires sei in drei rostigen Filmdosen ein außerordentlicher Schatz entdeckt worden. Gemeint ist eine verschollene Langfassung von Fritz Langs Stummfilmklassiker „Metropolis“, die es ermöglichte, das vielfach verstümmelte Meisterwerk mit allen Kniffen modernster Restaurierungstechnik der ursprünglichen Version von 1927 anzugleichen. Gefördert wurde die aufwendige Rettungsaktion von zahlreichen Institutionen, besonders vom Kulturfonds FrankfurtRheinMain.

Die Uraufführung dieser neu rekonstruierten „Metropolis“-Fassung, die am Freitag parallel in Berlin und in Frankfurt stattfand, war nicht nur wegen der Darbietung des Films auf einer riesigen, bis unter die Decke der Alten Oper reichenden Leinwand und der live dazu gespielten Originalmusik Gottfried Huppertz‘ ein Ereignis. Die bisher fehlenden Szenen, insgesamt etwa 25 Minuten lang, betonen Handlungsstränge anders und erleichtern das Verständnis mancher Handlung, die bisher eher mit Logiksprüngen oder schlicht mit der künstlerischen Freiheit des Regisseurs erklärt wurden.

Nun wird etwa klar, warum der Erfinder Rotwang (Rudolf Klein-Rogge) hinter der unschuldigen Maria (Brigitte Helm) her ist, wie der Teufel hinter der armen Seele: Er sieht in ihr seine verstorbene und verlorene Liebe Hel, der er in seiner Denkerklause vor einer gewaltigen Büste huldigt. Auch ist das ohnehin furiose Finale des Films dank der neuen Bilder noch spannender und endet mit einem donnernden Tusch des Orchesters, der diesem Filmereignis gebührt.

Quelle: op-online.de

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