Doppelleben fliegt auf

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Drunter und drüber geht es in dieser Szene mit Winfried Lünemann, Manfred Molitorisz und Stefan Schneider an der Komödie. 

Frankfurt - Verwunderlich, wie John so lange Herr der Lage bleiben konnte: Seit 18 Jahren ist der Londoner Taxifahrer mit zwei Frauen verheiratet und hat mit jeder ein Kind. Von Maren Cornils

Dass er mit dieser Nummer durchkommt, hat er der Tatsache zu verdanken, dass Mary mit Tochter Vicky in Wimbledon wohnt, während Barbara Sohn Gavin in Stratham großzieht. Pech nur, dass das Internet Kuppelfee spielt und die Kinder zusammenbringt. Die wundern sich beim Chat über die vielen Parallelen im Leben ihrer Väter und vereinbaren, ehe sich die arglosen Eltern versehen, ein Treffen. Und genau ab diesem Zeitpunkt kommt Johns Lügengerüst ins Wanken. Wäre da nicht Untermieter Stanley – der Bigamist könnte einpacken.

„Lügen haben junge Beine“ ist eine äußerst vergnügliche Komödie aus der Feder von Ray Cooney. Der Altmeister britischen Slapstickhumors beweist, dass er mit fast 80 Jahren noch weiß, wie er das Publikum zum Lachen bringt. Regisseur Folker Bohnet steht ihm in nichts nach. Er macht aus der Vorlage ein stark von Gags und Action getriebenes Boulevardstück, in dem sich Pannen, skurrile Szenen und waghalsige Aktionen abwechseln.

Ein starkes Männer-Trio

„Lügen haben junge Beine“ ist auf dem Spielplan bis zum 13. November.

Getragen wird der sich immer schneller drehende Beziehungsreigen im Wesentlichen vom brillanten Manfred Molitorisz, der als trotteliger, aber liebenswerter Untermieter glänzt, sowie von seinem nicht minder schlitzohrigen Freund alias Stefan Schneider. Wenn beide sich in einer Lügen- und Argumentationskette verheddern, die einem Münchhausen Ehre gemacht hätte, und sich von der kleinen Flunkerei allmählich in die Abteilung balkenbiegender Betrug vorarbeiten, treibt das den Zuschauern ein ums andere Mal die Tränen in die Augen. Für Abwechslung sorgen rasche Szenenwechsel und temporeiche Dialoge, die sich wohltuend von mitunter zähen Dinner- und Dialogszenen anderer Komödien abheben. Dass sich das eingespielte, Rémond- und Komödien-erfahrene Gespann Schneider-Molitorisz fast perfekt ergänzt, trägt zum Erfolg bei.

Bei so viel Spielfreude bleiben die anderen Rollen, die Ehefrauen Mary (Iris Atzwanger) und Barbara (Mona Perfler), Tochter Vicky (Carolin Elsner) und Sohn Gavin (Nick-Robin Dietrich), notgedrungen etwas blass. Kein Wunder, dürfen die Damen doch nur auf der Bildfläche erscheinen, wenn sie als Stichwortgeber benötigt werden. Einzig Stanleys Dad (Winfried Lünemann) gelingt es in der zweiten Hälfte, dem Duo kurzzeitig den Rang abzulaufen und für überraschende Wendungen zu sorgen. Das Ergebnis ist ein starkes Männer-Trio, das die holde Weiblichkeit an die Wand spielt. Ob John seinen Kopf aus der Schlinge ziehen kann, ist da fast nebensächlich. So viel sei verraten: Vorher muss der Doppel-Liebhaber Federn lassen...

Quelle: op-online.de

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