Draußen vor der Tür

+
Eine Tür ist das zentrale und nahezu einzige Requisit in dem Stück „Furies Alpha 1/24 (The Monster’s Within)“ der kanadischen Choreografin Estelle Clarston.

Eine Tür ist ein verbindendes Element, ein Symbol des Zugangs. Ebenso gut freilich kann sie verschlossen bleiben, trennend und undurchdringlich wirken. Eine Tür ist das zentrale und nahezu einzige Requisit in dem Stück „Furies Alpha 1/24 (The Monster’s Within)“ der kanadischen Choreografin Estelle Clarston. Von Stefan Michalzik

Sie hat zusammen mit der Compagnie Montreal Dance das Festival „Cutting Edge Move“ im Frankfurter Mousonturm eröffnet. Es ist das alte Motiv des Widerstreits von Näheverlangen und Distanzbestrebung, das eine neue Variation erfährt.

Regelrecht auffällig ist der Umstand, dass in diesem Stück für jeweils drei Tänzer in Straßenkleidung sehr viel im engeren Sinne getanzt wird. In dieser Form ist das im Tanztheater relativ selten geworden. Das Ensemble findet zu synchronen Sprüngen zusammen und verliert sich hernach wieder in einer koordinierten tänzerischen Polyphonie. Man kann das Grundvokabular dieser Arbeit nachgerade klassisch nennen.

Wahre Harmonie kann zwischen den Menschen nicht sein

Schwarz ist der Raum. Die schwelende, später technoid wummernde Musik von Eric Forget verbreitet eine Atmosphäre der Unbehaglichkeit und des Unheils. Fortwährend versuchen Menschen zueinander zu kommen. In einer Schlüsselszene schlägt eine Frau auf die von dem Mann auf der anderen Seite gehaltene Tür ein. Sie rüttelt daran, sucht gar sie zu übersteigen. In einem Moment des Anscheins einer Zartheit legt der Mann die Tür samt der sich daran schmiegenden Frau nieder und gesellt sich zu ihr. Es entwickelt sich gar ein lyrisches Pas de deux. Zu einer atonalen Klaviermusik freilich: Wahre Harmonie kann zwischen den Menschen nicht sein.

Es ist ein düsterer Befund, den Estelle Clarston schreibt. Es gehört zu den Stärken dieses Stücks, dass nichts durch einen neckischen Humor abgemildert wird, wie das im Tanztheater sonst so gern geschieht und vom Publikum meist dankbar aufgenommen wird. Die Welt ist ein finsteres Loch, in dem sich ein jeder an seinem Bestreben nach der Überwindung von Einsamkeit und Geworfensein abarbeitet.

Erinnert stark an das Tanztheater der Achtziger Jahre

Montreal Dance, 1986 gegründet und geleitet von Kathy Casey, führt programmatisch eine Offenheit für neue Entwicklungen im Tanz an und hat sich deshalb nicht, wie viele andere Compagnien, fest an einen Choreografen gebunden. „Furies Alpha“ aber erinnert formal wie inhaltlich stark an das Tanztheater der Achtziger Jahre. Freilich erscheint alles bis aufs Letzte schlüssig. Die Bilder sind von einer eindrücklichen Ernsthaftigkeit und Intensität. Das ist wohl auch der Grund, warum der Eindruck des nur zu bekannten ausbleibt.

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare