„Krabat“ am Schauspiel Frankfurt

Starke Geschichte von Liebe und Tod

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Krabat (Christian Erdt) irrt durch den Wald.

Frankfurt - In der Verfilmung von Otfried Preußlers 1971 erschienenem Kinderbuch „Krabat“ spielt sich der Kampf zwischen Gut und Böse vor der finsteren Kulisse einer zerfallenen Mühle in dunklen, unheilvollen Farben ab. Von Maren Cornils

Die Handlung um den Waisenjungen auf die Bühne zu verlegen, deren Stilmittel wesentlich begrenzter sind, ist ein gewagtes Unterfangen. Das Schauspiel Frankfurt aber beweist in der Inszenierung von Karin Drechsel, dass die Theateradaption des Buches durchaus mit dem Film mithalten kann. Dass es gelingt, die Geschichte um Tod, Freundschaft und die Kraft der Liebe zu einem fesselnden 90-minütigen Drama zu verarbeiten, ist im Wesentlichen dem beeindruckenden Bühnenbild von Julia Hattstein, aber auch dem gut aufgelegten Ensemble rund um Christian Erdt (Krabat) und Markus Graf (Zaubermeister) zu verdanken.

Der Waisenjunge Krabat findet Anstellung in der Mühle am Koselbruch in Schwarzkolm. Hier herrscht ein finsterer Meister, der seine sieben Gesellen hart rannimmt. Erst nach und nach kommt Krabat dahinter, was es mit den magischen Kräften des Meisters auf sich hat, was im dunklen Verlies vor sich geht und warum einmal im Jahr ein noch viel finsterer Geselle mit einem Wagen voller Leichen Station in der Mühle macht. Doch kaum ist Krabat hinter das Geheimnis gekommen, verschwindet sein bester Freund Tonda (Christian Bo Salle), und Krabat schwört mit Hilfe Kantorkas (Wiebke Mollenhauer) Rache. Bis es den Liebenden gelingt, dem Bösewicht das Handwerk zu legen und die Lehrlinge zu befreien, hat Krabat noch eine wichtige Prüfung zu bestehen.

Ein szenisch dichtes Drama

Karin Drechsel inszeniert die auf einem sorbischen Volksmärchen basierende Geschichte als szenisch dichtes Drama mit kraftvoller, teilweise expressionistischer Bildsprache. Wenn Krabat und Tonda unter einem Kreuz kauernd den Gesängen der Osterprozession lauschen, während im Hintergrund ein Hahn mit übergroßem Kopf und Augenklappe umher stolziert oder sich in der Marktszene ein Frosch in Menschengestalt unter die Gesellschaft mischt, dann wirkt das wie in einem Hieronymus-Bosch-Gemälde.

Zu der beklemmenden, an Traumsequenzen erinnernde Atmosphäre trägt das von Julia Hattstein sparsam gestaltete Bühnenbild bei: Immer wieder irren die Darsteller durch eine finstere, märchenhafte Waldlandschaft, in der nichts als das unheilvolle Krächzen der Raben zu hören ist. Dann wieder müssen sie am Mahlwerk schuften oder sich im Hexenkeller in Zauberei unterweisen lassen.

Christian Erdt spielt Krabat als sympathischen Lausbuben, der nicht bereit ist, sich mit seinem Schicksal abzufinden. Unterstützung erhält er dabei von Tonda und Lyschko – von Daniel Rothaug genial gespielt –, dessen ostentative Dämlichkeit sich als optimale Tarnung entpuppt. Seinen Höhepunkt erreicht das Stück zum Finale, wenn Kantorka nach einer Nerven zerreißenden, von lautem Pulsschlag untermalten Probe den Meister ins Verderben schickt und die Mühle in einer blutroten Feuerbrunst verschwindet. Heitere Momente beschert auch die mitreißende, aus der Feder von Biber Gullatz stammende Musik. Ein atemberaubender Theaterspaß für große wie für kleine Zuschauer – und für alle Preußler-Fans ein absolutes „Muss“.

Weitere Informationen: „Krabat“ ist noch bis zum 26. Dezember im Schauspiel Frankfurt zu sehen. Karten gibt es unter der Rufnummer 069 21249494.

Quelle: op-online.de

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